Die chinesische Bauindustrie wird von Juli bis Jahresende weniger zu tun haben als im ersten Halbjahr, weil die Konjunkturförderung ausläuft. Das bringt die Preise auf den Rohstoffmärkten jetzt schon ins Rutschen – schließlich ist das Reich der Mitte der weltweit größte Abnehmer. Und offenbar horten Chinas Stahlhersteller nicht nur Erz, sondern auch ihr Geheimwissen um die wirkliche Lage der Wirtschaft.
In den kommenden Monaten werden die ersten Bauprojekte fertig, die mit Geld aus den Krisenpaketen finanziert sind. Zudem dämpft die Regierung mit allen Mitteln die immer noch zu hohen Investitionen in den Wohnungsmarkt. Keinesfalls soll billiges Staatsgeld eine gefährliche Geldanlageblase aufblähen und die Wirtschaft überhitzen – denn der Absturz danach fiele dramatisch aus. Peking will die Wirtschaft kontrolliert landen: Nach elf Prozent Wachstum im ersten Halbjahr werden es im zweiten Halbjahr wohl neun Prozent sein.
Neun Prozent, das ist immer noch viel. Es besteht praktisch keine Gefahr einer Rezession im größten Wachstumsmarkt der Welt. Aber wenn Chinas Konjunktur auch nur leicht zittert, dann erschüttert dies die Rohstoffmärkte. Das Land schluckt fast 70 Prozent der Weltproduktion an Eisenerz und 40 Prozent der Ausgansstoffe für Aluminium.
China ist ein Land im Aufbau. Während in Deutschland im Wesentlichen schon alles steht, was wir brauchen, holt das Reich der Mitte erst auf – es klotzt in atemberaubender Geschwindigkeit immer neue Hochhäuser, Bahnstrecken, Stromleitungen in die Landschaft.
Die Bremsung am Rohstoffmarkt ist schon zu spüren. Schon seit drei Wochen fallen die Preise für Eisenerz zur Anlieferung am Hafen Tianjin. Analysten von Goldman Sachs weisen darauf hin, dass die Chinesen sich derzeit auffällig mit größeren Bestellungen zurückhalten. Sie wissen offenbar, wie es im zweiten Halbjahr weitergeht, und warten auf günstigere Preise.
Wenn den Wirtschaftspiloten in Peking keine weiche Landung gelingt, sondern nur ein harter Aufsetzer, dann dürften die Rohstoffpreise noch einmal kräftig nachgeben.











Ein Kommentar zu “Wenn Chinas Bauboom abflaut”
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