»Rolf Benders 02. Juli 2010, 00:26 Uhr

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Die Dollar-Party neigt sich dem Ende zu

Satte drei Cent hat der Euro am Donnerstag gegenüber dem Dollar gewonnen. Das ist angesichts der angedrohten Herabstufung Spaniens durch die Ratinagentur Moody’s (mehr dazu hier) wirklich bemerkenswert. Die Stimmung an den Märkten scheint sich zu drehen. Wenn an diesem Freitag die Arbeitsmarktdaten in den USA enttäuschen, könnten wir Zeugen eines Trendwechsels zu Gunsten der viel gescholtenen Gemeinschaftswährung werden.

Nicht, dass die Probleme in Europa plötzlich bereinigt wären. Aber den Kapitalmärkten geht langsam auf, dass sie sich viel zu lange mit der Schwäche Europas beschäftigt und dabei die gravierenden Schuldenprobleme in den USA vernachlässigt haben.

In den vergangenen Woche und Monaten gab es unter den Amerikanern, die sich für Wirtschaft interessieren, ein dominierendes Thema: Die Probleme in Europa. Kein Banker, der nicht beim Essen den Untergang der Gemeinschaftswährung ganz beiläufig als praktisch bereits geschehen voraussetzte, kein TV-Experte, der nicht genüsslich über die schwachen Schweine (PIIGS) herzog. Die “sozialistischen Staaten” von Europa hätten sich selbst in den Untergang gewirtschaftet, so die allgemeine Überzeugung.

Doch die Stimmung beginnt zu kippen. Die Gründe sind vielfältig und liegen in Europa und den USA. Die wichtigste Erkenntnis ist: Europa ist bislang allen Unkenrufen zum Trotz nicht im Meer versunken. Im Gegenteil, die EU-Politik hat – wenn auch unter heftigen Geburtswehen – ein paar Sicherheitsnetze eingezogen, die das vorerst eher unwahrscheinlich erscheinen lassen. Zudem scheint der sukzessive Rückzug der EZB aus den Notfallprogrammen für die Banken zu zeigen, dass diese stabiler sind, als viele im Markt erwartet haben.

Wichtiger aber ist, dass sich der Fokus der US-Medien verändert hat. Statt randalierender Griechen dominieren nun demonstrierende Amerikaner – Lehrer, Feuerwehrleute und Arbeitslose – die Schlagzeilen. Denn unzählige Bundesstaaten und Kommunen stehen auch nach dem Beginn des Fiskaljahres am 1. Juli mit riesigen Defiziten und ohne Haushalt da. Die Folge ist, dass die öffentlichen Angestellten ihre Jobs zu verlieren drohen und die Arbeitslosenunterstützung vielerorts nicht mehr ausgezahlt werden kann. Mit anderen Worten: Die Amerikaner entdecken griechische Verhältnisse vor der eigenen Haustür.

Zudem werden mahnende Stimmen immer lauter, die vor einem Rückfall der USA in die Rezession warnen. Erste Vorboten sind Negativschlagzeilen vom Häusermarkt und ein Abschwächung der Dynamik im verarbeitenden Gewerbe. Für Juni wird nun mit einem erneuten Anstieg der Arbeitslosenquote und dem Verschwinden von 110 000 Stellen erwartet. Im Vormonat waren noch 431 000 Arbeitsplätze entstanden. Grund für die Entwicklung ist, dass die Amerikanern, die kurzfristig bei der Volkszählung einen Job fanden, nun wieder auf der Straße stehen.

Sollten die Arbeitsmarktzahlen an diesem Freitag schwach ausfallen, bedeutet dies, dass der private Konsum in den USA dauerhaft ohne Schwung bleiben wird. Eine echte Belastung für eine Wirtschaft, die zu 70 Prozent von den Ausgaben der Verbraucher lebt. Das würde ein dickes Fragezeichen hinter die konjunkturelle Entwicklung stellen.
Davon würde Euro profitieren, denn in Deutschland – der größten Volkswirtschaft der Eurozone – läuft die exportorientierte Wirtschaft dank der Nachfrage aus Asien blendend. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand schon für die Schulden der PIIGS gerade stehen wird.

Vieles spricht also dafür, dass der Euro sich in den nächsten Wochen weiter stabilisieren und an Terrain gewinnen wird. Ob man gleich einen rasanten Höhenflug erwarten sollte, ist allerdings zweifelhaft. Zu groß ist vorerst die Angst in den Märkten vor einem neuerlichen Loch in einem Haushalt eines EU-Staates, das “ganz plötzlich” auftaucht. Und auch auf die Stabilität der Berliner Regierung möchte man derzeit nicht unbedingt Haus und Hof setzen.
Aber vorerst dürfte es ausreichen, dass die Lage in Europa weniger schlimm als befürchtet und die in den USA problematischer als bislang angenommen ist, um den Euro steigen zu lassen. Bekanntlich ist alles relativ.

»Rolf Benders 02. Juli 2010, 00:26 Uhr

    6 Kommentare zu “Die Dollar-Party neigt sich dem Ende zu”


  1. [...] Handelsblatt Global Markets: Die Dollar-Party neigt sich dem Ende zu [...]

  2. flug430 sagt:

    Hut ab Herr Benders! Dieser Artikel hätte schon vor Wochen im Handelsblatt stehen sollen. Wer hat denn den Euro niedergeknüppelt. Es waren wohl die Ratingagenturen, die von amerikanischen Banken “gesponsert” werden. Die USA sind die größten Schuldenmacher der Welt und werden dies auch fürs nächste Jahrzehnt bleiben. Die Administration der USA hat mehr “Müll vor der Haustür” als die Europäer.

  3. [...] This post was mentioned on Twitter by Michael Klockmann and Michael Klockmann, Kos Blog. Kos Blog said: Kommt #Griechenland endlich ein wenig zur Ruhe? Sind die #USA doch das "schlimmere" Griechenland? http://bit.ly/9yXxxD [...]

  4. naja sagt:

    @eurogut
    hmmmm …. das hiesse dann ja, dass es genauso viel euro wie dollar gäbe, und das sachkapital auch dasselbe wäre, oder? kopfrechnen & hypothese schwach, setzen, sechs.
    da guckst du, was?

  5. Euro gut alles gut sagt:

    die ganzen Dollar Bubi’s sollten doch nur 1+1 zusammenzählen.

    Dolars werden seit 20 Jahren gedruckt. Sammelte man alles Papier
    Dollarscheine zusammen und schaut, ja wieviel Deckunmg ist dennn dahinter, dann wird der junge EURO im vergleich bärenstark dastehen !

    Beispiel : Sagen wir mal hinter 1 Dollar Schein steckt noch 8 Cent Deckung. Dann steckt hinter dem EURO garantiert mindestens 20 Cent.

    wäre ein Kurs von 2,50 Dollar je EURO !

    da guckt’s Du !

  6. Gerd Kintzel sagt:

    Der Anstieg um 3 cent an einem Tag ließe sich auch auf Gewinnmitnahmen, also eine mehr technische Reaktion zurückführen.

    Ansonsten ein wirklich guter Beitrag, Herr Benders. Der Euro läßt sich zwar rauf- und runter-, aber eben nicht totschwätzen. Einen Euro-Crash können nur wir selbst besorgen. Das ist zwar kein großer Trost, aber immerhin…..

    Irgenwie und irgendwo muß aber auch vor allem die US-Administration das Maß der Dinge vollkommen aus den Augen verloren haben. Den USA darf doch in ihrem ureigendsten Interesse an keinem starken Dollar gelegen sein. Nur ein schwacher Dollar hilft ihnen schließlich, sich auf kalten Wege weltweit zu großen Teilen zu entschulden.

    Ob Geithner und Obama wirklich wissen, wie sehr sie den Interessen ihres Landes geschadet haben? Ich befürchte langsam allen ernstes – sie wissen es nicht.