Es wird zunehmend schwer, den Quartals- und Jahresberichten der großen Unternehmen glauben zu schenken. Neuester Tiefschlag ist ein Bericht des Wall Street Journal, der zeigt, wie Großbanken in den USA 2009 den Grad ihrer Verschuldung regelmäßig vor dem Quartalsende gesenkt haben. Das mag legal sein, erinnert aber fatal an Operationen bei der später kollabierten Investmentbank Lehman Brothers aus dem Jahr 2008.
Stolz haben die Banken 2009 darauf verwiesen, dass sie ihre Verschuldung gesenkt und damit den Forderungen der Behörden und der Öffentlichkeit nach konservativerem und risikoärmeren Arbeiten gefolgt seien. Als Beleg wurde auf die Quartalsberichte und die dort vermeldeten, sinkenden Verschuldungsgrade verwiesen. Die Auswertung von Daten der New Yorker Filiale der US-Notenbank Fed zeigt nun, dass die Banken die Verschuldung zur Finanzierung von Wertpapiergeschäften gegen Ende der Quartale im Schnitt um 42 Prozent gesenkt haben, um sie in den folgenden Wochen wieder hochzudrehen.
Die wenigen Banken, die sich dazu bisher äußerten, verteidigten das Vorgehen als legal. Von Einwänden der Bankenaufsicht, in diesem Fall die Fed, oder den Wirtschaftsprüfern im Jahr 2009 ist nichts bekannt. Die US-Börsenaufsicht SEC kündigte erst Untersuchungen an, nachdem die Lehman-Transaktionen öffentlich wurden.
Auch wenn das Vorgehen legal ist, hinterlässt es ein nachhaltiges Geschmäckle. Es wirkt wie ein weiterer Beleg für die These, dass die Finanzbranche nach gerade überstandener Krise wieder einen auf “business as usual” macht und Behörden sowie Wirtschaftsprüfer das nicht verhindern. Keine gute Melange, wenn gleichzeitig alle Welt davon redet, dass ein Desaster wie 2008/2009 nie wieder passieren darf.











3 Kommentare zu “Fragwürdige Bilanzierungspraxis kratzt Vertrauen an”
Das kolmt alles davon, dass man meinte, die Krise am besten damit zu bekaempfen, dass man die toxischen Papiere nicht nach Marktpreisen bewerte. Der Grundsatz des IASB “a true and fair view” ist der einzige, nach dem zu bilanzieren lohnt. Die Krise wurde GENAU DADURCH verschaerft, dass aufgrund der mehr und mehr erlaubten Bilanztricks Anleger nicht mehr in der Lage waren, zu unterscheiden, welche Bank gesund ist und welche nicht. – Der EINZIGE Grund, warum das Interbanken-Geschaeft zum Erliegen kam! hier hilft nur ruecksichtsloser Einsatz des Strafrechts, denn, wer seine Bilanz schoent und dadurch Misstrauen schuert, mindert den langfristigen Wert – das faellt unter “Untreue”, wenn schon Vodafone, dann aber allemal das hier!
An den Artikelschreiber Rolf Benders:
–Es wird zunehmend schwer, den Quartals- und Jahresberichten der großen Unternehmen glauben zu schenken.–
Sie meinten wohl ausschliesslich die Bankunternehmen….?
Dann bitte das auch in ihrem Artikel so formulieren. Andere Unternehmen weisen sehr zuverlaessige Jahresberichte aus und werden hier zu Unrecht von ihnen herabgesetzt.
Ein Handelsblatt Korrespondent sollte nicht unnoetigem Populismus verfallen, sondern sachlich bleiben.
MFG
W.Haller
reicht das denn immer noch nicht ???
mich erstaunt immer wieder, dass die banken und banker immer noch für serioes und ehrlich gehalten werden,
dabei kann man fast jeden tag lesen, wie die einen verscheissern und über den tisch ziehen,
und die politiker : ich habe selten soviel dummheit und unfähigkeit gesehen wie in dieser sog. bankenkrise.
da muss ich die banken leider verteidigen : gegen soviel dummheit und ( staats- ) geld konnten die sich wirklich nicht wehren.
ansonsten : ich habe nicht den eindruck, dass die banker in irgendeiner weise was besseres sind als gauner und raffgeier,