Wer noch immer der Überzeugung ist, dass Chinas Wirtschaft im wieder aufgenommenen Boom nüchtern bleiben kann, sollte bei Ivan Menezes weghören. Der US-Chef des Getränkekonzerns Diageo (u.a. Guinness-Bier, Smirnoff-Wodka) hat heute auf CNBC eine feucht-fröhliche Geschichte erzählt, wonach ein bestimmtes Label der Whiskey-Marke Johnny Walker insbesondere in China reißenden Absatz finde – für 3.000 Dollar pro Flasche.
„Tausende Flaschen“ dieser Sorte würden im chinesischen Markt bereits verkauft, betont Menezes. Das klingt nach einer hochprozentigen Marge – und nach einem weiteren Beleg dafür, dass sich die Fernost-Party in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Nicht nur in China übrigens: Als der Diageo-Manager auffällig sorgenfrei in die TV-Kameras lächelt, erreichen sämtliche Börsenindizes in den USA neue 18-Monats-Hochs. Cheers!
Die Weltbank hat kurz vorher die Prognosen für Chinas Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr von neun auf 9,5 Prozent angehoben. Das Land solle jetzt bitte seine Zinsen erhöhen, um das Risiko einer Immobilienblase im Griff zu halten, und die Aufwertung seiner Währung zulassen, um Inflationserwartungen zu dämpfen, warnte das Institut. Wie heißt es in der Johnny Walker-Werbung noch? “Drink Responsibly!”
Die Geschichte vom 3.000-Dollar-Whiskey, an dem sich Chinas wachsende Elite betrinkt, erinnert mich an ein Interview mit Yale-Professor Robert Shiller, das ich vor wenigen Tagen geführt habe. Zitat Shiller: „In einem rasant wachsenden Markt sind Bewertungen sehr schwierig, weil Menschen geneigt sind, übertriebene Erwartungen etwa an den Wert eines Apartments in Downtown Shanghai zu hegen.” Shiller weiter: “Aus diesen Ansichten erwächst ein psychologisches Massenphänomen, das ich als „Animal Spirits“ bezeichne.“
Wie weit es mit diesen Jagdinstinkten gekommen ist, lässt sich an den wachsenden Verstimmungen zwischen den USA und China ablesen. Die Frage, ob Washington seinen geliebten Feind bald offiziell als „Währungsmanipulator“ brandmarken soll, wird Mitte April im Finanzministerium entschieden. Dabei dürfte klar sein: Peking würde auch diese Provokation nur weglächeln, womöglich mit 3.000 Dollar-Whiskey. Die USA sind angesichts ihrer massiven Schuldenprobleme nicht (mehr) mächtig genug, um China ins Hallo zu stellen. Der Druck auf Peking geht von der Besoffenheit seiner eigenen Menschen aus, nicht mehr von Washington.











3 Kommentare zu ““Tausende Flaschen” in China”
[...] geht von der Besoffenheit seiner eigenen Menschen aus. “Tausende Flaschen” in China Von Matthias Eberle [...]
das dollste, was ich in Japan so 1989 erlebt habe war, dass man Sushi in geschlagene Goldfolien einwickelte. Das Abendessen zu sechst hat ca. 7oo.ooo Yen gekostet. Kein Problem, damals, zur Zeit des Zaitech hat man das ja locker verdient, jedenfalls auf dem Papier und bis es dann schief ging.
Als zu der Zeit Japaner das Rockefeller Centre in NY kaufen wollten wurde jeder, der abriet, als Verraeter markiert. Obwohl klar war, dass das Gebaeude wesentliche Sicherheitskriterien nicht erfuellte, was nur moeglich war, weil die Rockefellers alle Parteien, die Polizei und die Feuerwehr in NY unterstuetzten. Man war im Wahn, wollte es nicht sehen. Hat den Kauefer dann so 1 Milliarde US$ gekostet.
Und als der Markt dann unten war, wollte niemand das Gebaeude uebernehmen. Was zu dem Zeitpunkt ein gutes Geschaeft gewesen waere.
Merkwuerdig wie Menschen reagieren.
Sollte es in China aehnlich laufen wie damals in Japan (was ich bis nicht sehe, im Gegenteil, ich finde die Steuerung in China erstaunlich qualifiziert), dann waeren wir so ziemlich am Ende.
Ob wir es wollen oder nicht: China bestimmt die Zukunft.
Na denn Prost.
Euer
Rainer
Der reißende Absatz von 3000-Dollar-Schnaps in China erinnert an die Exzesse im benachbarten Japan in Zeiten der Immobilienblase 1985 bis 1990, als Mitsubishi-Manager mit dem Hubschrauber zu ihrem bevorzugten Nudelrestaurant flogen. Der Unterschied: Japan war damals längst eine voll entwickelte Wirtschaft. Eine grundsätzlich mittelständische Prägung verhinderte, dass gefährlicher Neid aufkam.
China steht eigentlich erst am Anfang des Aufstiegs zu Wohlstand. Und während sich die Elite am Edelwhiskey berauscht, sind die rückständigen Regionen noch bettelarm.