» 03. März 2010, 18:15 Uhr

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Wie die Zauberlehrlinge

Am Wochenende will die EU-Kommission Banken und Finanzwächter zusammentrommeln, um über jenes Teufelszeug zu beraten, dass seit Wochen den Politikern der Eurozone Kopfzerbrechen macht. Die Rede ist von Credit Default Swaps – kurz CDS genannt. Das sind im Grunde Kreditversicherungen, die den Käufer gegen den Zahlungsausfall seines Schuldners schützen sollen. Da diese obskuren Produkte jedoch nicht offen über Börsenplätze, sondern heimlich am Telefon und Computer (over-the-counter heißt das im Fachjargon) gehandelt werden, lassen sich damit unheimliche Dinge anstellen. Zum Beispiel kann man damit spekulieren, auch wenn man gar keinen Schuldtitel besitzt, den man absichern möchte. Das klingt zunächst absurd, denn niemand würde eine Versicherung auf etwas abschließen, das er gar nicht besitzt. Es sei denn, und hier wird es spannend, er kauft die Versicherung zu einem niedrigen Preis, um sie anschließend teuer weiter zu verkaufen.

Genau das machen im Moment Hedge-Fonds und wohl auch einige Banken auf dem Markt für Staatsanleihen von südeuropäischen Ländern wie Griechenland. Sie treiben so die Preise für CDS in die Höhe und den Wert der Staatsanleihen in den Keller. Käufer sind vor allem Banken, die auf Bergen von griechischen Bonds sitzen und jetzt vor einer Staatspleite in Athen zittern. Zuvor war der CDS-Markt für Staatsanleihen so klein, dass er kaum wahrgenommen wurde. Länder können ja nicht pleite gehen, hatte man gedacht. Dann kam Griechenland. Und jetzt wedelt der Schwanz mit dem Hund: Die Spekulationen auf dem CDS-Markt bestimmen die Kurse der Staatsanleihen – eigentlich sollte es umgekehrt sein.

Wenn sich die Europäer jetzt zusammensetzen, um das Teufeslzeug wieder in den Griff zu bekommen, dann sollten sie sich auf diese so genannten „naked CDS“ konzentrieren. Es ist in der Tat nicht akzeptabel, dass Finanzinvestoren ohne ein ökonomisches Interesse mit Versicherungsprodukten spekulieren und so ganze Staaten an den Abgrund treiben, nur um schnelles Geld zu machen. Wer CDS kauft, sollte nachweisen, dass er ein ökonomisches Interesse an einer Kreditversicherung hat. Kontrollieren kann man das freilich nur, wenn die Finanzprodukte nicht mehr im stillen Kämmerlein, sondern transparent an Börsen gehandelt werden.

Mit einem generellen Verbot der CDS würden sich die Europäer jedoch selbst ins Knie schießen. Denn schließlich sind es die Banken, die auf eine Kreditversicherung angewiesen sind, wenn sie Staatsanleihen kaufen.

» 03. März 2010, 18:15 Uhr