»Ralf Drescher 17. Februar 2010, 17:33 Uhr

Was kommt nach der Korrektur?

Staatspleiten, Euro-Kollaps, Aktientalfahrt – an Krisenszenarien mangelte es in den vergangenen Wochen nicht. Doch die Börse ist ein schnelllebiges Geschäft. Die Ängste von gestern gelten heute schon wieder als übertrieben. Die Risikobereitschaft zieht kräftig an.

Das gilt zumindest mit Blick auf Aktien und Rohstoffe, deren Kurse schon wieder kräftig steigen. Und auch der Euro hat sich zumindest leicht erholt – sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch dem japanischen Yen. Nur am Anleihemarkt sind die Investoren noch skeptisch: Die Renditeaufschläge für griechische Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen steigen auch heute und liegen mit rund 330 Basispunkten deutlich höher als noch in der vergangenen Woche, als die Nachrichten über einen europäischen Rettungspakt für Griechenland für Optimismus sorgten.

Widersprüchlich ist die divergierende Entwicklung nur auf den ersten Blick. Aus Sicht von Anleiheinvestoren ist es absolut sinnvoll, mit Blick auf Griechenland nicht gleich in Verzückung zu geraten. Sicher, die Gefahr eines Zahlungsausfalls für griechische (oder portugiesische) Staatsanleihen ist dank der Unterstützungszusage gebannt. Zu einem soliden Schuldner wird das Land damit aber noch lange nicht. Angesichts der Masse an Alternativen am Anleihemarkt, der in diesem Jahr auf ein Rekordemissionsvolumen zusteuert, ist es da nur folgerichtig, wenn Investoren für griechische Staatsanleihen deutlich mehr verlangen als für die Schuldenpapiere anderer Staaten.

An den Aktienbörsen ist die Ausgangslage jedoch eine andere. So lange Griechenland nicht in die Pleite rutscht, sind die Risiken für die Aktienmärkte stark limitiert. Sicher, der einen oder anderen Bank drohen temporäre Wertverluste auf ihre Engagements. Aber für das Gros der Unternehmen spielt Griechenland schlicht keine Rolle. Entsprechend ist es richtig, dass das Thema die Börsen jetzt nicht mehr groß bewegt.

Was von der Griechenland-Debatte an den Aktienmärkten übrig bleibt, ist eine trotz der jüngsten Gegenbewegung niedrigere Bewertung als zu Jahresbeginn. Und die Frage, ob die Korrektur bereits genug war, um neues Kurspotenzial zu erschließen. Fundamental gibt es zurzeit durchaus Argumente dafür: Die Konjunkturdaten der jüngsten Zeit bestätigen das Bild einer zwar nicht rasanten, aber doch soliden Erholung der globalen Ökonomie. Und in der Bilanzsaison der Unternehmen überwiegen bisher die positiven Überraschungen. Gleichzeitig

Aber reicht das aus, um nachhaltig höhere Kurse am Aktienmarkt zu rechtfertigen? Zweifel sind angebracht. In den Gewinnprognosen der meisten Firmen dominiert immer noch die Vorsicht und auch bei den Anlegern ist die Skepsis allgegenwärtig. Die Griechenland-Problematik, aber auch die Reaktion auf minimale Änderungen der Geldpolitik in China haben gezeigt, wie fragil die Stimmung an den Märkten ist.

Kandidaten für neue Störmanöver gibt es einige – zuvorderst die Notenbanken. Es ist in jüngster Zeit nicht wirklich viel gesprochen worden über Ben Bernanke und Co. Aber das ändert nichts daran, dass bis heute unklar ist, wie die Exit-Strategie aussieht, mit der die Zentralbanker den Überschuss an Liquidität abschöpfen wollen. Dass sie den Märkte gefallen wird, ist dadurch jedoch nicht wahrscheinlicher geworden.

»Ralf Drescher 17. Februar 2010, 17:33 Uhr

    2 Kommentare zu “Was kommt nach der Korrektur?”


  1. [...] denn die Gewinnprognosen der meisten Firmen seien immer noch verhalten und die Anleger skeptisch (Global Markets). Anm.: Aber reicht dies wiederum für nicht steigende [...]

  2. [...] denn die Gewinnprognosen der meisten Firmen seien immer noch verhalten und die Anleger skeptisch (Global Markets) . Anm.: Aber reicht dies wiederum für nicht steigende [...]