Fest steht: Ohne Deutschland wird es keine Hilfe für Griechenland. Fest steht auch: Ohne eine Hilfszusage werden die Märkte bis zum April, wenn die Griechen einen Teil ihrer Anleihen erneuern müssen, noch ziemlich verrückt spielen. Fest steht aber auch: Eine Hilfe für die Griechen wäre beim Wähler extrem unpopulär. Die Deutschen lieben zwar griechischen Wein (wenn auch nicht alle den geharzten Retsina) und griechische Strände, aber die Liebe fördert nicht unbedingt die eigene Zahlungsbereitschaft, zumal unsere Kassen ja auch leer sind.
Ein großes Problem in dem Zusammenhang ist auch, dass der April wie in jedem Jahr vor dem Mai stattfindet. Die Regierung in Berlin hat angesichts der neueren Umfrageergebnisse eine Höllenangst davor, dass die NRW-Wahl Anfang Mai schlecht ausgeht für Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und so indirekt auch noch die Mehrheit im Bundestag kippt. Deswegen wäre es ihr sicher mehr als recht, sie könnte die klare Zusage einer Finanzhilfe – wie alles andere wichtige im politischen Geschäft auch – bis nach der Wahl verschieben. Aber genau das wird ihr nicht gelingen, weil Athen im April schon frisches Geld braucht
Der tägliche Eiertanz, von Hilfen zu reden, sie aber auch nicht konkret in Aussicht zu stellen, den Griechen wahrscheinlich auch nahezulegen, nicht direkt nach Hilfen zu fragen, damit man weder ablehnen noch zusagen – alles das werden die Kapitalmärkte nicht endlos hinnehmen. Jedenfalls nicht bis zur Wahl in NRW. Wenn Berlin nicht aufpasst, erreicht das Chaos kurz vorher seinen Höhepunkt - dann hilft Rüttgers nur noch eine Flasche Retsina als Trost.











Ein Kommentar zu “Rüttgers und Retsina”
Griechenland-Hilfe oder nicht, das Risiko einer zwischenzeitlich platzenden Blase – es gibt ja genug davon – ist so oder so groß. Mag sein, dass Griechenland der Auslöser ist, oder China, oder die USA – man denke nur an die ungelösten und sich erneut verschärfenden Probleme um Fannie und Freddie – oder etwas anderes. Bis Mai kann noch viel geschehen.
Sollten die Märkte einbrechen, was sich niemand wünschen, aber auch niemand ausschließen kann, so würde dies Fragen hinsichtlich der bisherigen Krisenstrategie von Regierungen aufwerfen. Zur Erinnerung: Als die Krise ausbrach, wusste weltweit niemand so genau – gerade auch die Ökonomen nicht -, wie man ihr erfolgreich begegnen konnte und alles, was dann unternommen wurde, ist letztlich als Experiment anzusehen. Zwischenzeitlich hat sich die Lage zwar etwas entspannt, aber die Probleme können keineswegs als bewältigt angesehen werden.
Und was die NRW-Wahl anbelangt, so gehen für die Landesregierung m. E. größere Risiken von der anhaltenden Aufregung um die \Klientelpolitik\ und Großspenden aus.