Die Geschichte wiederholt sich möglicherweise nicht, aber Finanzkrisen ähneln sich manchmal verblüffend. Nach dem Platzen der japanischen Immobilienblase 1990 musste die Tokioter Regierung die Banken heraushauen, so wie es Staaten weltweit in der aktuellen Krise gemacht haben. Und auch in Japan folgte eine Phase aggressiver Kritik der Politiker an den Finanzhäusern. Die Aktienkurse stürzten daraufhin steil ab.
Die jetzige Finanzkrise verläuft etwa zehn Mal schneller als es die japanische getan hat. Die stabilitätsorientierten Japaner versuchten lange, ihre Bilanzsorgen unter die Tatami-Matten zu kehren. Die Amerikaner packten dagegen energisch zu, als das Problem erkannt war. Zudem weiß die Wirtschaftswissenschaft heute mehr über die richtigen Aufräumarbeiten nach solchen Blasen als damals. Nicht zuletzt dank des Beispiels Japan.
Doch auch wenn die Geschwindigkeit sich unterscheidet: Die Phasen an sich ähneln sich . Leugnen – Unterschätzung – Einsicht in das Ausmaß der Katastrophe – Bailout – Rezession – Rückfallgefahr. So weit sind wir bisher.
In Japan erreichte die Politik im Jahr 2003 den Punkt, an dem sie die Banken scharf angriff. Ende der 90er-Jahre hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Institute ohne Staatsgeld nicht wieder auf die Beine kommen. Eine Bad Bank kaufte den Geldhäusern ihre faulen Kredite zu einem Restwert ab.
Die Bankenrettung plus eine Reihe von Konjunktupaketen kostete den Staat etwa 140 Billionen Yen (eine gute Billione Euro). Die müssen die Steuerzahler eines Tages zurückzahlen.
Der durchaus kompetente, aber gnadenlos populistische Ministerpräsident Junichiro Koizumi redete den Banken im Frühjar 2003 öffentlich ins Gewissen: Sie verdankten ihre Existenz dem Steuerzahler, jetzt müssten sie Wohlverhalten zeigen. Zudem löste er einen Schub schärferer Kontrollen für den Finanzsektor aus.
Der Aktienmarkt reagierte prompt. Der Leitindex Nikkei der 225 wichtigsten Werte sank bis Sommer jenen Jahres auf etwa 7000 Yen. Diese Marke hat er seitdem nur im März vergangenen Jahres unterboten.
Doch rückblickend markierte der Sommer 2003 auch den Beginn der echten Erholung. Der Nikkei legte daraufhin eine schöne Rally hin, die bis 2007 anhielt und Anleger mit gutem Timing reich machen konnte. Die Realwirtschaft wuchs sehr ordentlich, denn die faulen Kredite und versteckten Schulden waren sauber entsorgt. Jetzt ging es wieder ums Geschäft.
Zudem haben die strengeren Kontrollen und Bestimmungen den japanischen Finanzsektor fast komplett vor den Fehlern bewahnrt, die Banker weltweit gemacht haben. Nippon hat kaum in Subprime-Papiere investiert und stand bilanziell so solide da, dass es die globalen Schocks abfangen konnten. Viele der Banken, etwa Mitsubishi UFJ oder die Nomura-Gruppe, nutzen ihre relative Stärke nun sogar zur Expansion.











6 Kommentare zu “Japans Erfahrung mit Banken-Bashing”
@Finn Mayer-Kuckuk
Wenn ich mir gerade so alte Artikel im Internet durchlese hast du recht, aber ich bin mit eigentlich ziemlich sicher das ich die letzten Wochen was in dem bereich in einer Zeitung gelesen habe. Es kann aber auch sein das es dabei ein Sonderfall war und nicht die gesamte Markt gemeint war.
@Paul: In Japan gibt es derzeit definitiv keine Immobilienblase. Die Preise sind seit 1990 allenfalls moderat gestiegen (siehe Kommentar von rainer repke). Auch die Mieten sinken eher.
Drüben in China sehen dagegen einige örtlich begrenzte Immobilienblasen schon ziemlich reif zum Platzen aus. Auch dort sinken jedoch die Mieten eher, was jedoch eher auf eine baldige Trendumkehr für den Kaufmarkt hindeutet. Immerhin wissen es diesmal alle vorher. Hier ist eher Ärger der Investoren zu erwarten als eine Systemkrise. Das Problem in China sind nicht die Immobilien, sondern die exzessive Kreditvergabe.
@Domenq: Sicher bleibt das ungute Gefühl zurück, dass der Steuerzahler den Banken das Risiko abnimmt, das zu tragen eigentlich ihre Aufgabe gewesen wäre. Aber die Banken sind enorm wichtig für die Wirtschaft. Das hat sich gerade in Japan gezeigt. Erst, nachdem die Bankbilanzen bereinigt waren, zog auch die Realwirtschaft wieder an. Die Doppelstrategie hat also Sinn: Erst raushauen, dann an die Leine nehmen. (Wobei die Metaphern sich jetzt etwas beißen.)
“Nach dem Platzen der japanischen Immobilienblase 1990 musste die Tokioter Regierung die Banken heraushauen, so wie es Staaten weltweit in der aktuellen Krise gemacht haben.”
Ist es nicht wieder der Fall das Japan im Immobilienbereich wieder ein Problem hat und eine Blase sich wieder bildet? Man bedenke nur die Mietpreisentwicklung.
Des Weiteren denke ich, dass nicht nur die “Geschwindigkeit” der Finanzkrise eine große Rolle spielt, sondern auch der Ablauf bzw. der allgemeine normale Finanzkrisenzyklus.
mfg
Paul
wissenswert ist auch, dass die Boerse in Tokyo von rd. 4o.ooo Punkten aud jetzt 1o.ooo gefallen ist. Wer immer seine Aktien behalten hat, hat keinen Spass. Man konnte allerdings ziwschenzeitlich gute Gewinne mitnehmen, timing war die Frage.
Was schlimmer ist, ist, dass die Immobilienpreise in Japan seit dem Platzen der Blase um rd. 7o bis 8o% gefallen sind. Freunde haben gerade ein Wohnung gekauft, fuer 1o% des Preises, der 1990 verlangt wurde. Viele Japener haben auf diese Weise alle Ersparnisse verloren. Sie zahlen Hypotheken ab, denen kein Wert gegenueber steht. Klar kaufen die keine Aktien. Wer was hat legt in Austral$ oder NZ$ an. Da gibt es gute Zinsen.
Richtig ist auch, dass das Finanzminsterium damals das Problem nicht sehen wollte. Die Konsequenzen fuer Nichtausrauemen sind MoF (Ministry of Finance) schon klar gemacht worden. Nur, man hatte zwar intellektuell verstanden, was falsch lief, konnte aber, mit einem japanischen Herz in der Brust nicht anders, als vertuschen. Die Folgen dauern an.
Um so mehr freue ich mich, dass Obama richtig reinhaut. Die USA muessen sich wieder einmal, jedenfalls was die Investmentbanken anbelangt, neu erfinden. Und ich denke, sie werden es schaffen. Europa sollte sich anschliessen. Unterstuetzt den Mann.
Die Loesung ist ganz einfach: fuer jedes Geschaeft muss eine wesentlich erhoehte echte Kapitalunterlegung vorgeschrieben werden. Fuer Banken, Nichtbanken und Kunden. Beleiht Aktien nur noch mit 3o% und Anleihen mit 5o% und verlangt bei allen Termingeschaeften 5o% Kasse.
Euer
Rainer
“Müssen” scheint Land auf Land ab das falsche Wort. Das “heraushauen müssen” hat einen Schrecken ohne Ende geschaffen; vielleicht wäre ein Ende mit Schrecken besser gewesen.
Allerdings wäre dann “nicht alles so geblieben wie es ist”.