»Finn Mayer-Kuckuk 08. Januar 2010, 14:47 Uhr

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Die lose Zunge des Herrn Kan

Der japanische Finanzminister Naoto Kan hat gleich am ersten Tag im Amt mit finanzpolitischen Kanonen um sich geschossen. Der Yen sei überbewertet, tönte er gestern. Heute legte er mit der fast schon konkreten Ankündigung nach, Japan könne den Dollar durch Aufkäufe stützen. Doch der Herr Minister sollte vorsichtig sein.

Japan kann es sich derzeit gar nicht leisten, erneut hunderte Mrd. Yen in Dollar zu binden, die sich hinterher nicht verkaufen lassen. Denn für den Greenback gilt: gekauft ist gekauft. Würde ein großer US-Gläubiger wie Japan die Absicht erkennen lassen, in großem Stil zu verkaufen, würde der Dollar kräftig fallen.

Dabei stiege jedoch der Yen, was Ausfuhren verteuert. Genau das ist es jedoch, was Finanzminister Kan verhindern will. Schließlich will er Sony und Toyota einen Gefallen tun, deren Gewinn am Export hängt.

Doch Kan erweist seinem Land einen Bärendienst, wenn er glaubt, den Yen einfach billig reden zu können. Denn was auf dem Spiel steht, ist seine Glaubwürdigkeit – das vermutlich kostbarste Gut eines Finanzministers. Schließlich muss er ständig mit Märkten und Bürgern kommunizieren und dabei auch manche schwierige Nachricht überbringen.

Anstatt sich erst einen Vertrauensvorschuss zu erarbeiten, hat Kan ins Blaue geplaudert. Es ist fast sicher, dass er sich vorher nicht eingehend mit den Experten in seinem Hause beraten hat – seine politischen Lorbeeren hat er als Beamtenschreck und Feind der Bürokratie erworben.

Ich bezweifle, dass der steile Start bei den Japanern gut ankommt. Exakte Vorausplanung der eigenen Handlungen und vor allem ein demütiger Einstieg in eine neue Rolle gehören traditionell zu den guten Seiten des japanischen Managementstils.

»Finn Mayer-Kuckuk 08. Januar 2010, 14:47 Uhr

    5 Kommentare zu “Die lose Zunge des Herrn Kan”


  1. k.-h. sagt:

    Unabhängig davon, ob es klug ist, öffentlich den Dollar zu handeln, sollte es kaum Probleme geben, denselben später wieder einmal los zu werden – und u.U. noch ein Geschäft dabei zu machen. Zwar haben alle Dollar, aber gerade deswegen wird er kaum wesentlich nach unten reagieren können. Wohin sollten sie auch sonst gehen mit ihren potentiellen Erlösen aus Dollar-Verkäufen. Es gibt keinen Ersatz und nicht wirklich eine liquide Alternative. Eine sich selbst tragende Konstruktion sozusagen. Japan muß etwas tun, um die Exporte zu treiben, von denen sie abhängig sind – ähnlich wie Deutschland. Interne Nachfragesteigerungen sind kaum zu erwarten. Es bleibt also nichts anderes. Ob das erfolgreich sein kann bei der Konkurrenz und den wenigen Abnehmern, bleibt offen. Eine Alternative zu Protektionismus, der bereits sein Haupt erhebt, sollte es sein können.

  2. Anders als es im Leitartikel steht, wäre es für Japan kurzfristig das Beste, den Yen gegenüber dem Dollar künstlich niedrig zu halten. Zur Erinnerung: In Japan herrscht wieder Deflation. Kauf die BoJ Dollar an, gibt sie dafür Yen aus. Das kostet nichts, die BoJ kann die “Banknoten” einfach “drucken”. Dies erhöhte die Geldmenge und könnte so zum Verlassen der Deflation beitragen. Ferner erhöhten sich durch den schwächeren Yen die Exporte und damit auch die Exportpreise. Die Importe verteuerten sich hingegen. Kurzfristig ist die Stabilisierung des Yen also sicherlich positiv. Mittelfristig dürfte es ohnehin zu einer Abwertung des Yen kommen, da die Leitzinsen in Japan auf absehbare Zeit auf dem jetzigen Niveau verharren werden, wohingegen in den USA die Zinsen im nächsten Jahr wieder steigen sollten. Dann setzt die bekannte Carry-Trade-Dynamik wieder ein.

  3. rainer repke sagt:

    und jetzt zum Artikel:

    Im Moment geht es allen Laendern nicht darum, eine starke Waehrung zu haben, sondern eher eine schwache. Hilft dem Export, bremst den Import und die importierte Inflation. Kostet bei Rohstoffen, was aber durch die Wertschoepfung in der Produktion mehr als kompensiert wird.

    Japan moechte daher einen schwachen Yen und ich denke, Herr Kahn hat nicht nur die Exportfirmen erfreut sondern auch die Millionen Privatpersonen, die im Ausland angelegt haben (weil es in Japan keine Zinsen mehr gibt) und die dann, bei einem schwaecheren Yen, mehr Gewinn nach Hause holen koennen.

    Und dann das Geld zuhause augeben. In Japan gibt es seit einger Zeit die These, dass man einen Garten (und wenn er nur aus einem Blumenopf besteht) haben muss und ein Haustier. Hintergrund: es haelt die Menschen beschaeftigt und…im Inland.

    Wenn man Devisenpopsitionen als Zentralbank abbauen will, macht man das nicht ueber den Markt, sondern ueber befreundete Zentralbanken und dann im Terminmarkt. Der Markt kriegt das irgandwann mit, dann aber kann Japan glatt gestellt haben. Ausserdem sehe ich eher, dass Japan (und China) weiter im US$ bleiben, einmal weil sie muessen (irgendwo muss der Ueberschuss ja angelegt werden und die USA sind der groesste Handelspartner) zum anderen, weil es in den USA auf lange Anleihen (noch) richtig Zinsen gibt. Dann verkauft man Yen, die Nichts kosten und kauft US$. Kann man ja endlos laufen lassen. Japan kann die Zinsen nicht erhoehen. Einfach weil weder Banken noch der Staat die Finanzkraft haben, Zinsen zu bezahlen.

    Was Japan ueberlegen sollte ist, so wie China das geschickt macht, den Yen qusai an den US$ binden. Das wuerde Verwerfungen vermeiden und Spekulation auch. Es waere fuer jeden der exportiert oder importiert ein Segen. Und wenn man dann noch zwischen dem US$ und dem Euro eine Bindung herstellen wuerde, waere das noch besser. Es ginge zu Lasten der Banken, Broker und sonstigen, die als Spekulanten im Markt sind.

  4. rainer repke sagt:

    Zunaechst zu Jonas:

    Viele Japaner haben im Ausland angelegt, weil sie zuhause keine Zinsen mehr bekommen. Mit einem schwaecheren Yen hat man mehr Gewinn, wenn man zuruecktranferiert und dann….das Geld zuhause ausgibt. Das foerdert dann die lokale Wirtschaft.

    Ausserdem foerdert ein schwachen Yen den Expport und bremst Importe. Da kauft man dann eher heimische Produkte. Ist doch ein Vorteil fuer Japan.

    Wechselkurse manipulieren: 99% des Deivenhandels sind heutzutage spekulativ. Dagegen koennte man nur etwas tun, imdem man die Liquiditatesgrundsaetze weltweit verschaerft. Tut man das?

    Ich habe dem japanischen Finanzministerium schon vor 2o Jahren vorgeschlagen, den Yen locker an den US$ zu binden, etwa so wie die Chinesen es sehr praktisch tun. Waere vielleicht zu ueberlegen?

    Zum Artikel selbst folgt ein Kommentar.

    Wie immer
    Euer
    Rainer

  5. Jonas sagt:

    Herr Kan vergisst offenbar auch, daß ein niedriger bewerteter Yen zu ärmeren Bürgern führt, die sich weder Urlaube so leicht leisten können wie bisher, noch Importwaren.
    Und das alles, damit die Bilanz eines Unternehmens besser aussieht ?

    Währungswechselkurse sollten nie absichtlich manipuliert werden, denn auf lange Sicht bringen sie den Ausgleich und ermöglichen den Vergleich von Wohlstand und Wirtschaftskraft eines Landes mit anderen Ländern.

    Manipuliert man sie zu kursfristigen Effekten, ist der Ruck später nur um so stärker.