»Rolf Benders 01. Januar 2010, 17:02 Uhr

,

Terrorfurcht kehrt 2010 an die US-Börsen zurück

Banges Warten bestimmt die Szene rund um das Hauptquartier der US-Börse Nasdaq am frühen Silvesterabend. Mit Robotern untersucht die Polizei am letzten Tag es Jahres 2009 einen verdächtigen, herrenlosen Lieferwagen am Times Square in direkter Nähe der Börse. Eine Reihe von Gebäuden und Straßen an einem der geschäftigsten Plätze New Yorks muss geräumt werden, darunter auch Büros der Nasdaq. Eine kurze Verkaufswelle rollt durch die Systeme der elektronischen Börse, die bis zum Schluss durchhandeln lässt. Am Ende findet die Polizei zum Glück keinen Sprengstoff. Tausende Menschen am Times Square können in Ruhe die traditionelle Silvesterfeier genießen.

Trotz des beruhigenden Ausgangs wirft das Ereignis am letzten Tag des alten Jahres ein Schlaglicht auf das nun beginnende Börsenjahr 2010. Der Antiterrorkampf gegen El-Kaida, die Kriege in Afghanistan und dem Irak sowie die Spannungen mit dem Iran und Jemen dürften nicht nur das Geschehen an den US-Kapitalmärkten in den kommenden zwölf Monaten prägen. Die Bemühungen, die Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten zwei Jahre in den Griff zu bekommen, haben diese Gefahren zuletzt aus dem Blickwinkel vieler Marktteilnehmer verschwinden lassen. Das versuchte Attentat auf ein US-Flugzeug an Weihnachten hat die Unruhe auch am Parkett wieder wachsen lassen, wie der Fehlalarm in der Nähe des Nasdaqhauptquartiers zeigt. Mit anderen Worten: Es ist nicht mit einem Ende der Turbulenzen in der Wirtschaft und den Märkten zu rechnen. Die Auslöser könnten 2010 möglicherweise einfach nur andere sein.

Die meisten Ausblicke der Banken auf das Börsenjahr an der Wall Street sind daher mit einem “Terrordisclaimer” versehen. So lange kein Krisenherd explodiert und kein Anschlag die USA erschüttert, rechnet man mit einer Fortsetzung der Erholungsrally. Im Schnitt soll es rund neun Prozent beim S&P-500 nach oben gehen. Mehr ist schon allein wegen der vermutlich sehr langsamen Erholung der US-Wirtschaft nicht drin. Wenn die geopolitischen Spannungen zunehmen sollten, kann das die Wirtschaft und damit die Kapitalmarktaussichten schnell beschädigen. Anschnallen ist also Pflicht für alle, die 2010 an der Börse aktiv sein wollen.

»Rolf Benders 01. Januar 2010, 17:02 Uhr

    Ein Kommentar zu “Terrorfurcht kehrt 2010 an die US-Börsen zurück”


  1. [...] blog.handelsblatt.com: Terrorfurcht kehrt 2010 an die US-Börsen zurück [...]