»Frank Wiebe 09. Dezember 2009, 12:05 Uhr

Eine Pleite in Athen wäre zu teuer

Hinter vorgehaltener Hand wird schon einmal darüber geredet: Was wäre, wenn der griechische Staat pleite geht? Die Antwort: Es wäre verdammt teuer, nicht nur für die Griechen. Und genau deswegen wird es nicht so weit kommen.

Zwei Punkte würden einen Staatsbankrott auch außerhalb von Griechenland zu einem Problem machen. Erstens haben viele ausländische Investoren, darunter auch Banken, griechische Bonds gekauft. Sie können in Deutschland sogar als “Sicherheit” für Pfandbriefe eingesetzt werden. Keiner weiß genau, wo die Papiere liegen. Aber genau diese Unsicherheit würde den Schaden noch vergrößern, wenn die Anleihen plöztlich nicht mehr bedient oder zusammengestrichen würden.

Der zweite Punkt sind die griechischen Banken. Sie haben Milliarden an heimischen Staatsanleihen gekauft. Ginge der Staat bankrott, gingen die Banken mit. Deswegen kann der Staat kein Interesse haben, sich so aus der Affäre zu ziehen. Zum Vergleich: Argentinien hat es vor ein paar Jahren geschafft, seine Gläubiger vor den Kopf zu stoßen und wenig später wieder an den Kapitalmarkt zurückzukehren. Wenn die Argentinier dabei ihr eigenes Banksystem hätten ruinieren müssen, wären sie diesen Weg aber sicher nicht gegangen.

Hinzu kommt: Wenn griechische Banken in Schieflage geraten, würde das wieder Panikwellen durch die gesamte Finanzbranche jagen. Fazit: Wer den griechischen Staat nicht retten will, müsste die Banken dort retten, was auch keinen Spaß macht. Das alles spricht dafür, dass die Griechen sich, im Zweifel mit – widerwilliger – Hilfe der EU und notfalls des IWF irgendwie durchwurschteln können.

»Frank Wiebe 09. Dezember 2009, 12:05 Uhr

    10 Kommentare zu “Eine Pleite in Athen wäre zu teuer”


  1. Cangrande sagt:

    Deutschland ist, pardon, ein Land voller verantwortungsbewusster Hosenscheißer. Das gilt jedenfalls für den deutschen Journalismus. Ich habe weder Lust, für Griechenland oder sonstige PIGS zu zahlen, noch halte ich es für notwendig. Unsere Politiker und leider auch unsere journalistischen Meinungsmultiplikatoren lassen sich von den Finanzinteressen ins Bockshorn jagen wenn sie glauben, dass mit einer Staatspleite Griechenlands die Welt zusammenbricht. Genau das wird nicht passieren: wo will das Kapital denn hin, wenn nicht zu den Schuldnern? Das Kapital braucht, heute mehr denn je, die Kreditnehmer, und es wird, wie Frank Wiebe das für Argentinien dankenswerter Weise in Erinnerung gerufen hat, sehr schnell wieder zurück kehren.
    Aber leider werden wir wieder löhnen, weil die Angst allerorten die Gehirnfunktionen lähmt.
    Vgl. im übrigen auch meinen Blog-Eintrag
    “Endlich! Deutsche Nationalhymne runderneuert: Dummland Deutschland, zahlt für alle, Alle PIGS der Euro-Welt.” (http://beltwild.blogspot.com/2009/12/endlich-deutsche-nationalhymne.html)

  2. [...] bei Global Markets dagegen: Die EU und allen voran die EZB müssen Griechenland helfen, denn eine Pleite in Athen wäre zu teuer. Letztlich wird die EZB also weiterhin günstiges Zentralbankgeld bereitstellen – am Ende [...]

  3. Bürger sagt:

    Übersetzung für Durchwursteln: Bevor man GR pleite gehen lässt, wird mindestens noch 1 Bio Deutsches Steuergelder reingestekt werden. Damit es ein richtiges Feuerwerk gibt und D mitgerissen wird. Danke an den Euro und unsere genialen Politiker ! Hochverrat !
    Jede Wette, es wird wie bei der HRE laufen. Aber das \Gute\ ist, das Geld ist nicht weg, sondern das haben dann andere!

  4. Beobachter sagt:

    Ich empfehle Griechenland, auf lukrative Gegenden im Staatsbesitz
    Anleihen auszugeben: die dürfen gepfändet werden, falls der Staat Pleite geht.
    Da sind einige Milliarden drin, später dürfen dann die Neubesitzer die
    Schulden zurückzahlen – über die auf die Gebiete anfallenden Steuern. Jede Wette, dass die bundesrepublikanischen Landesbanken sofort zuschlagen werden.

  5. Armer Deutscher sagt:

    So langsam reicht es aber.
    Erst die EU uns als etwas ganz tolles verkaufen wollen,
    und jetzt sollen wir für auch noch für alles bürgen.
    Wer hat bisher von dem allen profitiert?
    Denkt mal darüber nach.
    Umverteilung von Unten nach Oben.

  6. srf sfr sagt:

    …tja. Also ob ich es gewusst hätte. Fast 4 Stunden später ist Spanien dran (S&P-Rating) und der DAX geht wieder runter. Vielleicht kommt ja morgen noch Italien dran und als Oberknaller noch England.

  7. Freiherr Ludius von Frengertshagen sagt:

    Ich hab mit griech.Staatsanleihen und Fonds nichts am Hut, aber soll mit MEINEN Steuergeldern den Spekulanten die Risiken bezahlen? Das kann nur einem vom internationalen Banksystem unterdrückten Deutschland mit seiner Marionette Merkel einfallen.

    Lasst Griechenland und den Rest der Welt pleite gehen und gebt die Billionen lieber den paar arbeitslosen Bänkern als Sozialhilfe. Man kann die Bänker allerdings auch hinrichten lassen wie soeben in China – Milliardenräuber, Vermögensvernichter, Betrüger, Landesverräter. Wir hätten es schon längst alles hinter uns. Der Laden kommt eh runter, warum müssen wir vorher noch Steuern bis zum Untergang für korrupte schwarze Löcher zahlen?

  8. bazi sagt:

    Lasst sie doch endlich verrecken!Oder wie lange soll sich der Todeskampf noch hinziehen und unschuldige mitnehmen? Habt Mitleid!Lasst sie gleich verrecken!
    Amen!

  9. [...] Auswirkungen einer – wie auch immer gearteten – Pleite Griechenlands werden auch im Global Markets Blog des Handelsblatts skizziert: Die griechischen Staatsanleihen würden nicht mehr als Sicherheit [...]

  10. srf sfr sagt:

    …fragt sich nur wie lange dieses Durchwurschtel-Prinzip funktioniert. Denn als nächsten stehen Länder wie Spanien oder Italien in der Schlange.