Die japanische Notenbank hat ihr Versprechen von gestern wahr gemacht und den Geschäftsbanken bereits heute billiges Geld angeboten. Eine Billion Yen, über sieben Milliarden Euro, konnten die Institute gegen Sicherheiten bei der Bank of Japan abrufen. Doch es zeigte sich Japans altes Problem: Keiner will die Knete.
Zum letzten Mal hat die Zentralbank so eine Geldschwemme am 19. Dezember vorigen Jahres ausgelöst. Damals lag die Summe bei zwei Billionen Yen. Die Aktion sollte den Markt während der eskalierenden Lehman-Panik beruhigen.
Diesmal soll der Geldausstoß mit einer Rate von etwa 800 Mrd. Yen pro Woche weitergehen, um Deflation zu bekämpfen und eine Kreditklemme zu verhindern.
Premier Yukio Hatoyama lobte die Bank of Japan bereits für ihren Einsatz in Sachen Konjunktur. Er hatte zuvor ziemlichen Druck gemacht: Die Zentralbanker hätten den Ernst der Lage nicht erkannt und täten zu wenig.
Doch der Aktionismus hat einen Haken. Aller Wahrscheinlichkeit nach will das Geld keiner so richtig.
Der Zins liegt in Japan bereits seit 1995 unter einem Prozent. Immer wieder hat es die Bank of Japan zusätzlich mit “Quantitative Easing” versucht, also einer Geldversorgung auf Wegen außerhalb der üblichen Tender.
Das änderte jedoch nichts am Leid der Banken, an der Kapitalknappheit der Firmen und an der Deflationsgefahr. In den 90er-Jahren sparte die japanische Wirtschaft unterm Strich Jahr für Jahr Geld ein, um ihre Bilanzen aufzuräumen – nach einer Finanzkrise waren viele Assets entwertet.
Doch wenn die Wirtschaft nicht investiert, dann braucht sie auch keinen Kredit. Und wenn das Geld nicht für aussichtsreiche Investitionen bestimmt ist (sondern beispielsweise für den laufenden Betrieb), dann verleihen die Banken es auch nur ungern. Schließlich soll es ja mehrere Prozent Zinsen abwerfen. Tut es das nicht, hat das ganze Geschäft keinen Sinn. Nicht für die Bank, und im Gesamtbild nicht für die Volkswirtschaft.
Die neue Geldschwemme von 77 Mrd. Euro werde liegen bleiben oder zumindest nicht wie gewünscht bei den Unternehmen ankommen, sagte mir heute ein Banker. Tatsächlich fände ich es verwunderlich, wenn diesmal plötzlich alles anders wäre als sonst.











5 Kommentare zu “Zweifel an der Geldschwemme”
@Spywon: Dass die japanische Wirtschaft nicht investiert, ist Fakt. Aus der Unternehmensumfrage des Finanzministeriums für Juli bis September geht hervor, dass die Investitionen im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel, im Vergleich zum Vorquartal um neun Prozent gefallen sind.
Der Grund liegt auf der Hand, denke ich. Die Firmen können bereits weit mehr Waren ausstoßen, als sich Abnehmer finden. Toyota hat im Autoboom bis 2007 Kapazitäten geschaffen, um pro Jahr zehn Millionen Autos zu bauen. Dieses Jahr wird das Unternehmen jedoch nur ungefähr 6,5 Millionen Stück absetzen. Warum investieren? Sony hat in diesem Jahr sogar 2,5 Mrd. Euro eingespart.
Reichlich Kapazitäten, wenig Abnehmer, die eigene Bevölkerung schrumpft und hat netto jedes Jahr weniger Geld, zudem droht Deflation — also, da würde ich jetzt auch keinen fetten Kredit aufnehmen, um mal so richtig schön in die Zukunft zu investieren.
Kann den Grund nicht ganz nachvollziehen, warum die unernehmen oder Japaner an sich das billige Geld nicht wollen!!
Die Psychologie spielt sicherlich eine Rolle, nur ob sie der Hauptgrund für die verhaltene Stimmung (was wietere Investitionen angeht) in Japan ist mag ich bezwifeln… zumal die es in Europa und USA zumindest die Medien überwiegend in der “die Ralley geht Weiter” stimmung sind.
wie gesagt kann es irgendwie nicht ganz nachvollziehen warum sich Investitionen nicht lohnen sollten
@Matthias:
Es stimmt, das Quantitative Easing lief von 2001 bis 2006. Doch im Gesamtbild ist es der Versuch, den Nullzins irgendwie noch zu steigern, und schon der hatte bereits nichts bewirkt. Unterm Strich bleibt: Die Geldpolitik hat sich in Japan als völlig machtlos erwiesen, die Konjunktur zu beleben.
Die Wirtschaft lief von 2002 bis 2007 tatsächlich sehr gut, was sich Japans Politiker als eigenen Erfolg anheften. Rückblickend wurde jedoch klar, dass der Aufschwung von der Subprime-Blase in den USA getrieben war. Viel von dem Geld, das bei diesen Geschäften an Haushalte mit schwachen Einkommen ging, floss in den Konsum – und damit in Waren aus Asien, wovon Japan direkt wie indirekt profitierte.
(Die Subprime-Papiere hatten ja zwei Seiten: Einen Kredit, insbesondere für einen Häuslebauer, und die Verbriefung der künftigen Rückzahlungen. Das Wegbrechen der Rückzahlungen ruinierte die Banken, während die Geldnot der Schuldner die Exportindustrie weltweit traf.)
Für Experten: Der Grund, warum in Japan die Geldpolitik nicht wirkt, war damals ein etwas anderer als heute. In den 90er-Jahren steckte Japan in einer eigenen Bilanzrezession, die Unternehmen zahlten also unterm Strich mehr zurück, als sie investierten. Das ist heute nicht der Fall, trotz des Umsatzeinbruchs sehen die Bilanzen in Japan ganz gut aus. Heute investieren sie nicht (und fragen also auch das Zentralbankgeld nicht nach), weil sie in der alternden Gesellschaft plus Krisenstimmung schlicht wenig Hoffnung haben, dass es lohnt.
Quantitative Easing wurde von der BoJ nur zwischen 2001 und 2006 eingesetzt und nicht schon in den 1990er Jahren. Der Gesamteffekt dieser Maßnahmen wird leicht positiv beurteilt.
Ja, macht nur weiter mit dem Quantitative easing – irgendwann muß der Erfolg ja eintreten!