Nachdem er längere Zeit etwas unentschieden war, hat sich der Nikkei heute anscheinend für einen Trend entschieden: Nach unten. “Jetzt sind es nicht mehr nur die ausländischen Investoren, die aus japanischen Werten fliehen, auch einheimische Spieler verkaufen”, sagt Hiroichi Nishi von Nikko Cordial Securities. Grund für die Angst der Investoren ist der Schrecken der japanischen Wirtschaft – ihre eigene Währung.Der Dollar ist vorhin im Tokioter Handel unter 86 Yen gefallen. Das ist der niedrigste Stand seit vierzehn Jahren. Finanzminister Hirohisa Fujii führte den Anstieg der eigenen Währung darauf zurück, dass der Markt weiter niedrige Zinsen in den USA erwarte. Ein starker Yen bedeutet weniger Auslandsgewinn für Exporteure wie Toyota.
Analysten erwarten nun zwar Unterstützung von Gelegenheitskäufern, die den Nikkei im Bereich von 9300 Punkten für billig halten. Doch da die Lage fundamental gesehen ziemlich hoffnungslos aussieht, dürfte die Abwärtsbewegung der Japanwerte wohl noch anhalten.
Jetzt wird es spannend. Denn Japan könnte sehr wohl in dieser verzweifelten Lage zu einer lange gehegten schlechen Angewohnheit zurückkehren: Stützkäufen für den Dollar Von den Neunzigerjahren bis vor fünf Jahren hat Nippon so exzessiv am Devisenmarkt eingegriffen, dass in Hirohisas Schatztruhen jetzt eine runde Billion Dollar lagern.
Der Haken an der Sache: Mit diesen Dollar kann keiner etwas anfangen. Sie sind sterilisiert, wie Finanzexperten es nennen. Denn Fujii kann sie nicht verkaufen – das würde ja den Dollarkurs drücken.











2 Kommentare zu “Starker Yen stößt Nikkei über die Kante”
Aus der Börsenzeitung:
Der aktuelle Schwächeanfall des US-Dollar macht sich nicht nur in Europa bemerkbar. Auch Japans Exporteure leiden unter dem sinkenden Greenback: Gestern durchbrach der Dollar zum ersten Mal seit zwölf Jahren die Marke von 100 Yen nach unten. Doch das könnte nur ein weiterer Meilenstein in einem längerfristigen Abwärtstrend sein. Einige Analysten erwarten Wechselkurse von 95 Yen je Dollar – ein Niveau, das der gesamten japanischen Wirtschaft zu schaffen machen dürfte.
Schon in den vergangenen Monaten bekamen die Unternehmen des Landes die Trendwende an den Devisenmärkten schmerzhaft zu spüren. So verbuchte selbst Nippons Vorzeigekonzern Toyota von Oktober bis Dezember einen Währungsverlust. Zwar hält der Autohersteller für das Geschäftsjahr bis Ende März am prognostizierten Rekordgewinn fest. Doch spätestens im nächsten Turnus wird das Management allergrößte Schwierigkeiten haben, das aktuelle Gewinnniveau zu halten.
Staatliche Rückendeckung ist derzeit nicht in Sicht. Nachdem die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt jahrelang von der offensichtlichen Unterbewertung ihrer Währung profitierte, wäre ein Eingriff am Devisenmarkt derzeit schwer zu rechtfertigen. Dazu kommt, dass Japan in diesem Jahr Gastgeber für das Treffen der führenden Industrienationen (G8) ist. Da will Tokio nicht unangenehm auffallen, erst recht nicht, wenn bereits das Nachbarland China wegen seiner Währungsmanipulationen international im Kreuzfeuer steht.
Zudem ist der “reale effektive Wechselkurs”, der Japans Devise an einem gewichteten Währungskorb der wichtigsten Handelspartner sowie an der Inflationsrate misst, nach wie vor billig. Schließlich blieb die Aufwertung zum Euro bisher bescheiden. Spekulanten dürfen daher getrost auf eine weitere Verteuerung des Yen setzen. Denn ihre wichtigsten Gegenspieler, japanische Kleinanleger und Firmen, die den Yen bis 2007 unter Druck gesetzt hatten, sind zurückhaltender geworden. Der hohe Zinsabstand, der Nippons Privatinvestoren noch vor Kurzem zu Anlagen in US-Dollar verführte, ist rapide geschrumpft. Und Nippons Unternehmen dürften aus Sorge um die US-Wirtschaft und ihre eigene Gewinnentwicklung Investitionen und Akquisitionen im Ausland einschränken. Das gibt dem Yen weiteren Auftrieb.
Der langfristige Kursanstieg von Aktien scheint mir in den entwickelten Volkswirtschaften nicht mehr unbedingt zuzutreffen. Höchststände werden ewig lang nicht mehr erreicht. Vielleicht ist Japan darin ein Vorreiter? Man denke nur mal daran, dass der Nikkei im Dezember 1988 tatsächlich seinen Höchststand von 38900 Punkten hatte.