Japanische Aktien verhalten sich in diesen Tagen ungewöhnlich. Sie pfeifen auf die Schlusskurse in New York. Damit durchbrechen sie das liebgewonne Muster, dass der Dow den Nikkei vorhersagt. Doch in diesen Tagen wirken noch andere Kräfte auf die Tokioter Börse.
Der Nikkei folgt im Allgemeinen zwei Vorgaben recht zuverlässig: dem Kurs des Yen zum Dollar und dem US-Aktienmarkt. Es passt recht gut, dass die Schlussglocke des Vortags in New York wegen der Zeitverschiebung nur drei Stunden vor Handelsstart des neuen Tages in Tokio erklingt.
Der Grund liegt auch in der Zusammensetzung des bekannten Index. Denn er enthält viele Exportwerte wie Toyota und Sony. Während Japan längst eine Dienstleistungsgesellschaft ist, dominieren die Exportriesen immer nach den Aktienkorb.
Wenn es der US-Wirtschaft gut gehen, können sie in Amerika mehr Hybridautos und Flachfernseher absetzen. Und wenn der Yen niedrig steht, sprudeln die Gewinne um so reichlicher. Deshalb schauen die Marktteilnehmer in Tokio so genau auf Dow und Yen.
Im Allgemeinen sinkt der Yen, wenn es der Weltwirtschaft gut geht. (Das hat etwas mit der Risikobereitschaft der Anleger zu tun.) Daher haben sich diese Faktoren bisher oft verstärkt. Steigen die US-Aktien, sinkt auch der Yen – und der Nikkei freut sich doppelt. Auf diese Weise waren oft ganz schöne Kursgewinne möglich, die bei der Rückwärtsbewegung allerdings genauso leicht in sich zusammen fielen.
Gestern stieg nun der Dow – und der Nikkei fiel, weil zugleich der Yen gestiegen war. Die Spielregeln für Japans Währung sehen eben jetzt etwas anders aus, wo es fast täglich neue Nachrichten über die künftige Rolle des Dollar gibt.
Heute fiel der Dow – und der Nikkei stieg. Der Grund für den Anstieg war leicht auszumachen: Analysten haben in den letzten Tagen laut verkündet, dass die Werte schon ziemlich billig seien.
Doch eines ändert sich nicht: Die Börse Tokio kommt nicht vom Fleck. Sie ähnelt jetzt dem Stoßmich-Ziehdich aus den Kinderbüchern um Doktor Dolittle. Denn solange Dow und Yen gemeinsam steigen, neutralisieren sie ihren Effekt auf den Nikkei.











3 Kommentare zu “Der Nikkei als Stoßmich-Ziehdich”
naja der nikkei ist weltweit um einiges wichtiger als der index in frankfurt sowohl für amis als auch für londoner, aber gut für dax-fixierte soll es wurscht sein, besser für den rest
@Krause
Gut gedichtet! :-)) Ein paar Anleger interessiert’s natürlich.
Umgekehrt gilt natürlich:
Ob der Dax nun klettert oder rutscht, ist im Sushiländle wurscht.
Und im Nikkei steckt mehr Geld. Neben den Stadtbörsen Hong Kong und Singapur repräsentiert er den einzigen richtig großen und reifen Aktienmarkt in Asien.
Ob der Nikkei sinkt oder fällt, keinen interessiert’s in der Welt.