»Matthias Eberle 12. November 2009, 06:38 Uhr

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Fröhliches Aufblasen an der Wall Street

Gerade erreicht mich die frohe Botschaft der Hausbank, dass die Guthabenzinsen meines Girokontos ab 1. Dezember auf 0% gesenkt werden – in Worten: nullkommanull Prozent! Nicht dass ich vorher noch reichlich beschenkt worden wäre. Aber der offizielle Nullzins ist nochmal eine ganz besondere Ansage, womöglich eine mit Signalwirkung auch für Privatinvestoren. Schließlich wirft Geld auf dem Bankkonto jetzt die gleiche Rendite ab wie der längst verlachte Sparstrumpf unter Omas Kopfkissen.

Wohin also mit der Kohle? Wer nach dem Anstieg der jüngsten Monate jetzt noch in Aktien investiert, sollte wissen, dass er mitspielt beim fröhlichen Aufpumpen der nächsten Blase: Gut möglich, dass noch jede Menge Luft in den Ballon passt - das frisch gedruckte Geld aus der Notenpresse will ja irgendwo angelegt sein. Außerdem sprechen nachhaltig tiefe Zinsen wie eh und je für sonniges Wetter an den Weltbörsen.

Am Ende eines nicht allzu fernen Tages wird es aber so sein wie 2008: Je mehr Luft im Ballon, umso lauter der Knall. Das will im Moment freilich keiner hören, es ist Bullenzeit. Wie sagte der Ex-Chef einer berühmten US-Bank, die heute unter einem großen Sauerstoffzelt in Washington liegt? “Solange die Musik spielt, musst Du tanzen!”

New York tanzt schon wieder. Weil Aktien weltweit so schön steigen, malen sich die Vorturner der Wall Street ihre Welt, wie sie ihr gefällt. Dass ihr jüngstes Konjunkturwachstum fast ausschließlich aus dem Steuersäckel kommt und dafür die Staatsschulden galoppieren, kein Problem. Dass bald jeder fünfte Amerikaner unterbeschäftigt ist und keine Familie mehr ernähren kann, deren Problem. Und dass Aktien aus dem US-Börsenindex S&P 500 inzwischen bald das 20-Fache der Unternehmensgewinne kosten? Auch kein Problem – so lange jedenfalls, bis die Konzerne einräumen, dass sie den Hochsprung über die frisch gelegte Messlatte nie und nimmer schaffen können; mit oder ohne Doping aus dem Staatssäckel.  

Bis zu diesem Eingeständnis scheint Omas Sparstrumpf (für eine Übergangsphase) nicht mehr die schlechteste aller Anlagen. Man will sich schließlich nicht mit Null-Prozent-Banken rumärgern, die einem bald womöglich noch Servicegebühren vom Ersparten abziehen.

»Matthias Eberle 12. November 2009, 06:38 Uhr

    3 Kommentare zu “Fröhliches Aufblasen an der Wall Street”


  1. Schlimm ist, dass im Unterschied zum letzten Crash aktuell nicht eine, sondern gleich mehrere Blasen aufgepumpt werden … Kreditblase in China, Gold-, Öl, Aktienblase … Natürlich kann man wie immer darüber streiten, ob es sich überhaupt um Blasen handelt. Aber es fällt angesichts der Kakophonie der Meldungen zunehmend schwerer zu unterscheiden, welche Informationen auf das dahinter liegende Bild der wirtschaftlichen Realität weisen und welche nicht. Der Wall-Street-Jubel ist Show, das scheint klar. Doch wie es wirklich aussieht, das lässt sich aus dieser Feststellung leider noch nicht ableiten.

  2. F. Mueller sagt:

    Man kann derartige Entwicklungen nicht scharf genug kommentieren und anprangern. Denn man hat leider den Eindruck, dass die Menschen bei ihrer gewissenlosen und gierigen Jagd nach immer mehr Geld weder aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat (sprich, Mass zu halten), noch Besserung in Aussicht ist. Allerdings ist das auch kein Wunder, schliesslich bleiben spuerbare Konsequenzen aus – ausser fuer die Steuerzahler sowie die kommenden Generationen. Møglicherweise ændert sich das ja, wenn nach der næchsten geplatzten Blase der Mob auf die Strasse geht. Vielleicht heisst es aber auch wieder lapidar, es hætte niemand das Malheuer kommen sehen.