»Finn Mayer-Kuckuk 11. November 2009, 03:55 Uhr

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Abrakadabra! Japans Schuldentrick

Der japanische Staat ist so hoch verschuldet wie nie zuvor.  Nach Statistik des Finanzministeriums in Tokio von heute standen Ende September japanische Staatsanleihen im Wert von knapp 6,5 Billionen Euro aus. Da der Schuldenschneeball weiter rollt, kommen auf Japan auf echte Probleme zu. Die neue japanische Regierung hält nicht viel vom Sparen. Sie verspricht den Bürgern liebern mehr Sicherheit und ein besseres Leben. Bisherige Entwürfe für den Haushalt 2010 sehen Ausgaben vor, die noch über dem Wert des laufenden Jahres mit seinen Konjunkturprogrammen stehen.

Ratingagenturen erwägen daher bereits, wichtige Klassen japanischer Staatsanleihen schlechter zu bewerten. (So wie für Großbritannien.) Das wäre eine Katastrophe für den japanischen Finanzminister. Weil laufend alte Anleihen das Ende ihrer Laufzeit erreichen, muss er neue Anleihen als Ersatz ausgeben.

Wenn jedoch das Rating schlechter wird, muss der Staat mehr Zinsen bieten. Die Kosten für die Umwälzung der Anleihen von alt nach neu würden dann explodieren.

Die Regierung tut daher alles, um die Lage schön zu reden. Japan überschulde sich gar nicht so schlimm, fand Vizepremier Naoto Kan heute plötzlich. Das ist bemerkenswert, weil er noch im Sommer vor einem finanziellen Kollaps gewarnt hatte. Damals war Kan aber noch Wahlkämpfer in der Opposition.

Auch in anderer Hinsicht haben sich die Ansichten des guten Mannes gewandelt. Die Neuverschuldung könne Japan auf 44 Billionen Yen deckeln, sagte Kan plötzlich. Vor einigen Wochen hielt er eine Begrenzung in dieser Zone noch für unrealistisch.

Die Regierung wird jetzt wohl wieder zu einem dieser japanischen Tricks greifen. Das Schlagwort vom “Fiskaljahr mit 15 Monaten” macht bereits die Runde: Der Finanzminister könnte auf den letzten Drücker noch einen Nachtragshaushalt für 2009 durchs Parlament peitschen, die Mittel absichtlich nicht ausschöpfen und sie für 2010 nutzbar machen.

Abrakadabra! Die Neuverschuldung fürs kommende Jahr wäre damit optisch kleiner. Das japanische Volk wäre jedoch leider keinen Yen weniger verschuldet. (Der Stand liegt bei 50 000 Euro pro Kopf.)

Anleiheexperte Chotaro Morita von Barclays Capital in Tokio kann dieser Praxis nichts Gutes abgewinnen. Die Regierung habe kein wirtschaftspolitisches Konzept, das solche Tricks rechtfertigen würde. Er meint: Wenn das freigesetzte Geld wenigstens nachhaltiges Wachstum bringen würde, dann ließe sich dem Zaubertrick noch etwas abgewinnen.

Doch wenn Japan unseriös wird und die Marktpreise für die Anleihen zusammenbrechen, hat keiner etwas davon: Weder die japanische Regierung, noch die Kleinsparer, noch die professionellen Investoren.

»Finn Mayer-Kuckuk 11. November 2009, 03:55 Uhr

    Ein Kommentar zu “Abrakadabra! Japans Schuldentrick”


  1. [...] dazu lesen Sie im Blog unseres Tokioter Korrespondenten Finn Mayer-Kuckuk: http://blog.handelsblatt.com/globalmarkets/2009/11/11/abrakadabra-japans-schuldentrick/ »Dirk Hinrich Heilmann 11. November 2009, 10:50 Uhr     « Ältere [...]