»Finn Mayer-Kuckuk 10. November 2009, 02:59 Uhr

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Chinas Dilemma

Da im vergangenen Jahr erst ein aufgeblähter Markt in den USA mit lautem Krachen abgestürzt ist, sind sich die Marktteilnehmer der Gefährlichkeit von Blasen derzeit besonders bewusst. Die Investoren scheinen ihr Wissen um Marktgefahren zwar nach etwa zwei bis fünf Jahren zu vergessen und schaffen damit die Voraussetzung für den nächsten Crash. Doch derzeit sieht für die Beobachter erst einmal alles wie eine Blase aus, was nach oben geht. So auch der Immobilienmarkt in China.

Die Landpreise in Peking haben seit Februar etwa um 30 Prozent zugelegt, die in Shanghai um 50 Prozent, die in Shenzhen um 90 Prozent. Das zumindest geht aus chinesischen Zeitungsmeldungen hervor. Ganz klar eine ungesunde Übertreibung. Sowas kann doch mitten in der Krise nicht normal sein. Oder?

Möglicherweise ist trotz des schnellen Anstiegs noch alles in Ordnung, sagen dagegen Ökonomen. Xiaojia Zhi von der Bank of America/Merrill Lynch beispielsweise meint, dass die Zahlen einfach nur die schnelle Entwicklung in dem Schwellenland widerspiegeln. Das Argument hat etwas für sich.  Es zeigt, dass sich echte Blasen praktisch nur hinterher identifizieren lassen.

Mehr Sorgen als die externen Beobachter machen sich die Regierenden in China um die Immobilienpreise. In Peking herrscht durchaus Sorge, dass der Preisanstieg innen faul sein könnte.

Doch was sollen die Regierenden machen? Peking steht vor einem Dilemma. Zwar kann die Regierung die Wirtschaft und die Kreditvergabe teilweise kontrollieren. Doch wenn die Zentralbank auf die Kreditbremse tritt, dann würgt sie damit auch das schöne Wachstum ab. Das wiederum rettet derzeit den weltweiten Optimismus – und verschafft China ein enormes Prestige als Retter in der Not.

Solange Kredite jedoch allzu billig zu bekommen sind, könnte geliehenes Geld in Spekulationen fließen.  Damit fallen die Investoren fast sicher auf die Nase. Wenn viele Leute gleichzeitig ihr Vermögen verlieren, dann fehlt das Geld für Konsum und Investitionen.

Falls China so im Inland unter eine kritische Wachstumsgrenze fällt, dann gerät es schnell in eine Abwärtsspirale. Denn in der jetzigen Lage ist unter den bisherigen Importländern noch keines wieder so weit, mit Nachfrage einzuspringen.

In dem Moment, wo der Immobilienmarkt einbricht, ist es auch in anderer Hinsicht mit dem Sonderwachstum des Landes vorbei. Denn die Vermögen der Chinesen sind eng mit dem Haus- und Landpreisen verbunden.

Also erstmal wachsen lassen. Und wie gesagt: Es könnte ja durchaus alles in Ordnung sein.

»Finn Mayer-Kuckuk 10. November 2009, 02:59 Uhr

    5 Kommentare zu “Chinas Dilemma”


  1. ray sagt:

    Ich denke nicht, dass der Westen auf eine Schwäche Chinas hofft, dazu sind die Chancen dort viel zu groß. Ich glaube außerdem, dass der Anstieg der Preise an der Unterbewertung vor dem Anstieg liegt und natürlich am schnellen Wachstum.

  2. Größere Sorge als der Immobilienmarkt macht vielen Ökonomen übrigens der unterbewertete Renminbi Yuan, Chinas Währung. In diesem Punkt sind sie sich zur Abwechslung ziemlich einig. Zur weiteren Modernisierung des Landes – und dem Abbau weltweiter Ungleichgewichte – würde eine schrittweise Aufwertung des Yuan an meisten beitragen. Wieder ein Dilemma. Denn eine Freigabe der Währung würde den Export treffen. Und damit wieder das kostbare Wachstum.

  3. Thorsten Bonser sagt:

    Die Frage ist doch, welche Auswirkungen eine Schwäche Chinas auf die globale Wirtschaft und die politische Stabilität hat. Derzeit wird das Riesenreich auch durch den enormen wirt. Erfolg zusammen gehalten. Was jedoch, wenn kein Geld mehr für Multi-Milliarden-Dollar-Programme vorhanden ist? Was wenn Unruhen zunehmen? Was, wenn der Führungsanspruch der Kommunisten offen infrage gestellt wird?

    Die großen Versicherungskonzerne, etwa die Allianz, haben mittel- und langfristige Szenarien entwickelt, um Risiken entsprechend einschätzen zu können. Die fragile Situation in China steht da oben auf dem Risikoradar.

    Kann die Immobilienblase bereits der Auslöser eines Niedergangs sein oder ist China stark genug, um mit den Problemen klarzukommen.

  4. Europa und die USA müssen China als ‘equal partner’ anerkennen. Ein Hoffen, daß es mit China abwärts gehen könnte, ist ein schwerwiegender Fehler. Kulturelle eund wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China wird die globale Wohlstandsgesellschaft festigen.

    Wilhelm C. Kast

  5. [...] steht die chinesische Regierung vor einer schwierigen Entscheidung. Von Robert Finn Mayer-Kuckuk. Quelle: [...]