Was ist nur mit Warren Buffett los? Mit 79 lässt er es noch einmal richtig krachen: Erst kündigte er an, für 34 Mrd. Dollar den Eisenbahnkonzern Burlington Northern Santa Fe zu übernehmen und weitere Milliarden in Windkraftprojekte zu stecken. Und nun folgt die nächste überraschende Strategie-Wende.
Bei der Vorlage der Quartalszahlen am Freitagabend – die fielen übrigens blendend aus - kündigte Buffetts Konzern Berkshire Hathaway an, das Rückversicherungsgeschäft künftig einzuschränken. Dabei hat das Versicherungsgeschäft im dritten Quartal entscheidend zum Milliardengewinn beigetragen.
Die Erklärung von Berkshire, man wolle keine Konzernmittel für Volumenwachstum einsetzen, klingt zwar nachvollziehbar. Insgesamt hinterlassen die Ereignisse der vergangenen Tage aber doch einen seltsamen Nachgeschmack. Ein Schwenk in der Geschäftspolitik ist jedenfalls nicht wegzudiskutieren. Setzte Buffett früher im Wesentlichen auf Geschäfte mit niedrigem Risiko und hoher Stabilität – wie eben das Rückversicherungsgeschäft – so ist das Risiko seines Beteiligungsportfolios in den vergangenen Jahren sukzessive gestiegen.
Der Mega-Deal mit Bulington ist der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung. Nicht nur, dass Buffett in ein extrem konjunktursensibles Unternehmen investiert und damit künftig noch deutlich stärker an der US-Konjunktur hängt. Erstaunlich ist auch der Kaufpreis: 34 Mrd. Dollar – inklusive Schulden sogar 44 Mrd. Dollar – hat Buffett bisher noch nie für eine Übernahme bezahlt. Eine solche hohe Summe kann auch der Star-Investor nicht mal eben aus dem Ärmel schütteln. Ergo muss er einen Teil des Kaufs von Banken finanzieren lassen.
Dass Buffett mit der Milliarden-Übernahme ungewöhnlich stark ins Risiko geht, sehen auch die Ratingagenturen so: Standard & Poor’s, das Berkshire bisher noch die Bestnote “AAA” gibt, hat dieses Rating auf den Prüfstand gestellt. Bei Fitch, das vorher schon skeptischer war, wackelt das Rating ebenfalls.
Ob Buffett zu viel Risiko geht, wird natürlich erst die Zukunft zeigen. Vielleicht macht er ja tatsächlich wie so oft in der Vergangenheit alles richtig. Vielleicht nutzt er mal wieder eine dieser großartigen Kaufgelegenheiten, bei denen der Konzern mehr wert ist als ihm die Börse zugesteht (mindestens 30 Prozent sollten es aber schon sein, denn so viel Aufschlag zahlt Buffett für die Burlington-Aktien). Vielleicht werden dem Investor in fünf oder zehn Jahren alle noch stärker zu Füßen liegen als heute, weil er bei Burlington den richtigen Riecher hat.
Vielleicht macht aber auch ein Investment-Guru gerade einen Fehler, weil er plötzlich zu hohe Risiken eingeht und die Stärken, die ihn jahrzehntelang ausgezeichnet haben, unnötig schwächt. Wie hat Buffett selbst einmal gesagt? “Es ist schmerzlich auf soviel Geld zu sitzen. Aber noch schmerzlicher ist es, etwas Dummes damit anzustellen.”











6 Kommentare zu “Warren Buffetts riskante Wende mit 79”
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Wer sich keine “B”-Aktie leisten kann…(bisher 1 dreissigstel
einer A-Aktie)…der sollte statt ausgerechnet bei einem -soliden – Buffett-Investment an Zertifikate oder gar knock-out Zertifikate zu denken…besser dem Aktienmarkt fernbleiben.Die “B” wird nun noch einmal in 50 kleinere gesplittet…kostet dann also etwa 70$.Buffett-Investments…und seine Anteilsscheine sind geeignet für Daueranleger (durchschnittliche Verweildauer bei den “A” ist bisher ca. 30 Jahre!)…nicht für irgendwelche kurzfristigen Spekulanten!
@ Kokolores:
Das ist leider richtig, Berkshire-Aktien sind für die wenigsten erschwinglich. Eine Alternative könnten Zertifikate sein. Allerdings beschränkt sich das Angebot der Emittenten im Wesentlichen auf riskante Knock-Out-Papiere. Das wäre doch mal eine Marktlücke.
Buffett ist immer für eine Überraschung gut. Wenn ich mir die Aktie leisten könnte, läge eine ordentliches Paket in meinem Portfolio. Wenn ich allerdings vernünftig diversifizieren will, muss ich bereits bei nur einer Aktie von Bershire Hathaway ein Portfolio von mind. 1 Mio. USD habem. :-(((
Buffett ist der größte Fuchs von allen.
Nirgendwo kann ich eine riskante Wende erkennen. Buffett bleibt sich treu.
Er kauft Sachwerte in der “old economy”, die er bezahlt mit fast zinslosen Bankkrediten, d.h.: sie kosten ihn so gut wie nichts.
Um die Tilgung braucht er sich ebenfalls keine grossen Sorgen zu machen, das wird sich durch die kommende Entwertung des Dollars von alleine erledigen. Am Ende wird er oder seine Erben ein Eisenbahn- und Immobilienimperium besitzen, ohne dafür wirklich etwas bezahlt zu haben.
Unsinn. Es ist die beste Investition seines Lebens.
Ein 100% Wette auf Inflation. Einen besseren Zeitpunkt hätte er kaum treffen können.