»Finn Mayer-Kuckuk 02. November 2009, 12:20 Uhr

Nippon hängt weiter durch

Die Marktbeobachter in Japan sind sich einig: Der Nikkei wird noch eine ganze Weile müde vor sich hin humpeln. Nachdem er vergangene Woche bereits hoffnungsfroh die Marke von 10300 Yen überschritten hatte, schloss er heute schon wieder fünfhundert Yen tiefer knapp über 9800. Es ist fraglich, ob er die magische Zehntausender-Marke demnächst überhaupt wieder überspringt. Hauptgrund für das schlechte Abschneiden des Tokioter Aktienbarometers ist der starke Yen. Er belastet die Importeure. Doch das ist bei weitem noch nicht die ganze Geschichte.

Mit den japanischen Aktien ist das ja so eine Sache. Anlageberater empfehlen sie zu Recht als Beimischung im Depot.  In Zeiten kräftiger Exporte erreichte der Nikkei trotz aller struktureller Probleme in Japan im Allgemeinen Werte über 18 000 Yen. Vom derzeitigen Stand aus ist eine Verdopplung also durchaus drin, wenn der mutige Anleger zwei oder drei Jahre Geduld mitbringt.

Doch eine wichtige Funktion hat der Nikkei für westliche Anleger verloren: die eines Gegengewichts zu anderen reifen Investments. Bis Ende der 80er-Jahre leistete sich Japan ein Sonderwachstum, das erst vom Fleiß und Erfidungsreichtum der Japaner angetrieben war und dann von einer gewaltigen Immobilienblase. Der Nikkei kümmerte sich damals kaum darum, was Dow und Dax machten.

Doch seitdem hat sich der Nikkei vom Geschehen in Japan weitgehend abgekoppelt und folgt jetzt hauptsächlich zwei Impulsen: den Auslandsmärkten und dem Kurs des Yen. Denn Toyota, Sony und die anderen großen Namen haben ihre Heimatinsel hinter sich gelassen. Sie entwerfen ihre Produkte zwar noch in Japan, dann lassen sie sie jedoch in Schwellenländern produzieren und verkaufen sie weltweit. Deshalb ist auch der Yen so wichtig. Steht er hoch, sind die Auslandsgewinne in den japanischen Bilanzen weniger wert.

»Finn Mayer-Kuckuk 02. November 2009, 12:20 Uhr

    Ein Kommentar zu “Nippon hängt weiter durch”


  1. Ralf Drescher sagt:

    Und doch kommt der Dezember mit den Börsenausblicken der Banken und die Experten werden Japan wieder als Geheimfavoriten für 2010 küren. So wie es eigentlich jedes Jahr läuft.