Die Herabstufung von Frankreich durch die Ratingagentur S & P ist gefährlich für Europa. Gerade haben schwache Länder wie Italien und Spanien wieder etwas mehr Vertrauen bei den Investoren gefunden, da kommt so eine schlechte Nachricht dazwischen. Aber der Effekt dürfte begrenzt bleiben.
Das ist die Wende
Die großen Anleihe-Auktionen in den ersten Wochen des Jahres sind der entscheidende Test für die Kapitalmärkte. Letztlich entscheidet sich hier auch das Schicksal der Aktienbörse. Und mit den heutigen Auktionen von Italien und Spanien scheint dieser Test gut zu laufen. Damit dürften die Sorgen über den Euro deutlich leichter werden.
Traurige Bilanz – neue Hoffnung
Um fast 15 Prozent ist der Dax im abgelaufenen Jahr gesunken. Der Eurostoxx 50, der wegen des hohen Gewichts der Banken noch stärker unter der Eurokrise leidet, musste sogar rund 18 Prozent abgeben. Der amerikanische S & P 500 lag dagegen mit plus 2,3 Prozent wenigstens leicht im Plus.
Das Minus beim Dax wiegt besonders schwer, weil dieser Index ja, anders die meisten anderen, auch die Ausschüttungen berücksichtigt. Schaut man etwas weiter zurück, so zeigt sich: Der Dax liegt zwar über zehn Jahre deutlich im Plus, über zwei und fünf Jahre hingegen auch unter Wasser. Der Eurostoxx schneidet sogar in der Zehnjahresbilanz schlecht ab. Die US-Aktien dagegen sehen zwar über fünf Jahre schlecht aus, aber liegen über zwei und über zehn Jahre im grünen Bereich. Hinzu kommt noch, dass über ein und zwei Jahre der Dollar stärker war als der Euro – jenseits der fünf Jahre sieht das freilich umgekehrt aus. Insgesamt ergibt sich ein Bild, dass wir freilich früher schon häufiger hatten: Deutschland brummt wirtschaftlich, aber an der Börse kommt das nicht wirklich an. Der US-Aktienmarkt scheint dagegen doch noch mehr zu bieten, obwohl viele Amerikaner unter der Krise leiden.
Wie sind die Aussichten für das Jahr 2012? Mit den üblichen Verfahren, Aktienmärkte zu analysieren, kommt man seit einiger Zeit nicht mehr weit. Fundamentale Faktoren, etwa die Bewertung gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, spielt nur noch eine untergeordnete Rolle gegenüber dem Einfluss der Politik. Selbst die Konjunkturaussichten stehen nicht mehr im Vordergrund. Und bei den ausgefuchsten, per Computer gesteuerten Trendfolgemodellen, den modernen Nachfolgern der alten Chart-Analyse, dürfte es auch einige Probleme geben. Es sei denn, die Computer erkennen bestimmte Muster, nach denen die Börse auf bestimmte Arten von politischen Nachrichten reagieren, und verschaffen sich dadurch kurzfristig einen Vorsprung.
Hoffnung für 2012 ergibt sich nur aus einem Szenario: dass die Politik die Eurokrise nach und nach doch in den Griff bekommt. Wenn man bedenkt, dass im abgelaufenen Jahr hin und wieder ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone zu drohen schien, sollten dann Kursgewinne zu sehen sein. Allerdings hat sich eine gewisse Beruhigung der Situation auch schon gegen Ende des Jahres 2011 ergeben und ist daher bereits in den Kursen enthalten.
Wer die Aktienbörse verfolgt, muss daher vor darauf schauen, was am Bondmarkt passiert – der gibt letztlich den Takt vor. Wenn Franzosen und Italiener ihre Anleihen in den nächsten Wochen zu erträglichen Konditionen überrollen können, dürfte auch an der Aktienbörse etwas mehr Optimismus zu spüren sein. Ich persönlich glaube, dass 2012 die Eurokrise weiter schwelt, dass es auch keine “durchgreifende” Lösung gibt, aber dass sich wenigstens der Eindruck verfestigt, dass der Politik und der Europäischen Zentralbank die Entwicklung auch nicht außer Kontrolle gerät. Daher halte ich vorsichtigen Optimismus für berechtigt.
Burger laufen auch in der Krise – Banken weniger
Krise? Welche Krise? Nicht für alle Anleger war 2011 ein Jahr zum Vergessen. In den USA jedenfalls kamen zumindest die Freunde fettiger Billigburger der Fast-Food-Kette McDonalds auf ihre Kosten. Satte 30,47 Prozent stiegen deren Aktien bislang und schlugen damit den um rund sechs Prozent angestiegenen Leitindex Dow Jones um Längen. Anders erging es dagegen den Anhängern der Hochfinanz. JP Morgan und Bank of America, die beiden größten Kreditinstitute der USA, finden sich am unteren Ende der vom Indexanbieter Dow Jones veröffentlichten Tabelle (s.u.) wieder.
Daraus könnte man folgende – zugegebenermaßen etwas undifferenzierte – Schlüsse ziehen: Ein Land, dass zur Fettleibigkeit neigt, ändert seine Sitten in der Krise nicht. Und sich mit einem Investment gegen die Schlagzeilen von “Occupy Wall Street” zu stellen, macht keinen Sinn.
Die Reputation der Banken wird sich im nächsten Jahr kaum bessern. Aber man darf die Prognose wagen, dass es kaum einen Sektor gibt, der positiver auf eine echte Lösung der Euro-Schuldenkrise reagieren wird. Allerdings gibt es wohl auch kaum eine Branche, die tiefer fallen dürfte, wenn die Krise eskaliert. Banken sind derzeit nur etwas für mutige Anleger.
Burger werden auch nächstes Jahr gegessen. Ob das wieder für einen Dreißigprozenter reicht, ist eine andere Frage. Spötter würden sagen, dass man ja zur Absicherung Aktien von Weight Watcher kaufen kann. Die Pfunde müssen schließlich irgendwann wieder runter.
| Dow Jones | December 23, 2011 |
| 1. McDonald’s Corp. | 30.47% |
| 2. International Business Machines Corp. | 25.89% |
| 3. Pfizer Inc. | 24.67% |
| 4. Home Depot Inc. | 20.08% |
| 5. Kraft Foods Inc. Cl A | 19.77% |
| 6. Chevron Corp. | 17.81% |
| 7. Exxon Mobil Corp. | 16.55% |
| 8. Intel Corp. | 15.88% |
| 9. Boeing Co. | 13.35% |
| 10. Verizon Communications Inc. | 11.74% |
| 11. American Express Co. | 11.72% |
| 12. Wal-Mart Stores Inc. | 11.24% |
| 13. Johnson & Johnson | 6.68% |
| 14. Travelers Cos. Inc. | 6.53% |
| 15. Coca-Cola Co. | 6.34% |
| 16. Merck & Co. Inc. | 5.16% |
| 17. Procter & Gamble Co. | 3.61% |
| 18. AT&T Inc. | 1.67% |
| 19. Walt Disney Co. | 0.51% |
| 20. General Electric Co. | -0.33% |
| 21. Caterpillar Inc. | -1.51% |
| 22. 3M Co. | -4.75% |
| 23. United Technologies Corp. | -5.77% |
| 24. Microsoft Corp. | -6.77% |
| 25. E.I. DuPont de Nemours & Co. | -7.44% |
| 26. Cisco Systems Inc. | -8.70% |
| 27. JPMorgan Chase & Co. | -20.86% |
| 28. Hewlett-Packard Co. | -38.50% |
| 29. Alcoa Inc. | -42.37% |
| 30. Bank of America Corp. | -58.02% |
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Anleger auf hoher See
Der Flop bei der Anleihe-Auktion des Bundes ist ein Warnschuss: Die Investoren nehmen Deutschland auch nicht mehr alles ab. Die Frage ist nur, in welche Richtung diese Warnung geht. Geht es gegen die viel kritisierte Zögerlichkeit der Deutschen, den Euro mit höherem eigenen Einsatz zu retten? Oder steigen nicht viel mehr die Sorgen, Deutschland könne immer mehr Risiken – zum Beispiel über Eurobonds - auf den eigenen Haushalt laden? Im zweiten Fall, für den einiges spricht, würde der Warnschuss die zögernde Politik ja sogar bestätigen.
Man darf die Absatzprobleme ohnehin nicht überbewerten. Erstens reden wir über Papiere mit einem Zinssatz von knapp zwei Prozent – also real, nach Abzug der Inflation, liegen wir etwa bei Null. Null Zins für zehn Jahre ist nicht sehr attraktiv. Wenn da nicht alle zugreifen, heißt das noch nicht, dass die Investoren das Vertrauen verlieren.
Außerdem: Wenn die Anleger einen “sicheren Hafen” suchen, werden sie an Bundesanleihen nicht wirklich vorbeikommen. Es sei denn, sie suchen gar keinen Hafen und bleiben auf hoher See, aber das macht auf Dauer auch seekrank. Was sollen die Investoren denn kaufen? Sie können bis zu einem gewissen Grad auf andere Währungen ausweichen, und diese Reaktion hat der Euro-Kurs ja auch schon angezeigt. Aber wirklich große Volumina kann nur der Dollar-Raum aufnehmen. Und dort, so hört man, steht ja auch nicht alles zum Besten.
Außerdem gibt es auch Investoren, etwa Versicherer, die nicht beliebig auf andere Währungen ausweichen können, weil ihre Verplichtungen auf Euro lauten. Wo sollen die denn hingehen? Das Geld auf dem Bankkonto liegen lassen? Das funktioniert vielleicht für Privatanleger, nicht für Großinvestoren. Außerdem fragt sich, welche Bank tatsächlich sicherer ist als die Bundesrepublik Deutschland.
Ich glaube daher, dass die Anleger letztlich immer wieder die relativ sichersten Papiere kaufen werden, und es zeigt sich nichts, was da den Bundesanleihen den Rang streitig machen könnte. Möglich ist aber, dass sie etwas andere Konditionen wollen. Oder dass sie auf kürzere Laufzeiten umschwenk
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Die jüngste Entwicklung zeigt: In Europa bewegt sich etwas, in den USA nicht. Und meiner Meinung nach hat das einen einfachen Grund: In Europa erzwingen die Finanzmärkte Veränderungen, in den USA tun sie es nicht. » Weiterlesen

