In Deutschland werden die Rufe immer lauter, mehr Direkte Demokratie zu wagen. In der Schweiz ist die Direkte Demokratie bereits seit Jahrhunderten Säule des Staates. In seltener Eintracht verteidigen linke und rechte Eidgenossen die Volksabstimmungen. „Die Entscheidungen der Bürger konstituieren eine helvetische Ausprägung von Basisdemokratie“, erklärt der Soziologe und Sozialdemokrat Jean Ziegler. Bei den Konservativen spricht man vom „Volkswillen“, den die Eidgenossen an der Urne formulieren. Ein umstrittenes Großvorhaben wie der Stuttgarter Bahnhof könnte in der Schweiz kaum ohne Befragung des Volkes entstehen. » Weiterlesen
Artikel mit dem Tag: Schweiz
Helvetischer Expansionismus
Einflussreichen Schweizern wird die Heimat zu eng: Sie wollen grenznahe Gebiete im Ausland wie Baden-Württemberg der Eidgenossenschaft anschließen – bis hinauf nach Karlsruhe. Ist die Schweiz auf dem Weg zu einer Groß-Schweiz? Ausgebrütet hat die Idee ein gewisser Dominique Baettig, Psychiater aus dem Jura und Abgeordneter der rechtsnationalen Schweizerischen Volkspartei (SVP) – als größte und lauteste Partei mischt die SVP seit Jahren Helvetiens Politik auf. » Weiterlesen
Sympathie für die Deutschen
Im europäischen Ausland jubeln die meisten Deutschen eher verhalten über Siege ihrer Nationalmannschaft. Und bei vielen Einwohnern europäischer Staaten herrscht Schweigen, wenn die Truppe von Bundestrainer Löw siegt. So war es auch nach dem 4:0 der Deutschen gegen Mexiko. Es herrschte Stille. Eine Kolumnistin des Zürcher Tages-Anzeigers jedoch gab sich jetzt als Fan von Poldi, Schweini & Co zu erkennen. Der „Hauptgrund“ für ihre Sympathie mit den Kickern aus dem großen Kanton: Wenn andere Nationenen, die Italiener, die Spanier, die Portugiesen nur ein Tor schießen, dann geht sie los, die „elende, stundenlange Huperei“. Und wenn sie sogar gewinnen, dann bricht der totale Radau aus.
Setzen sich aber die Deutschen durch, bleibt es eben still.
Neutraler geht’s nicht
Die Schweizer sind fast von Natur aus neutral, jetzt treiben sie es auf die Spitze. Die Fachstelle für Gleichstellung von Mann und Frau in der Stadt Bern publizierte einen Sprachleitfaden „Geschlechtergerecht formulieren“. » Weiterlesen
Goldhort in den Alpen
Die Safes der Schweizer Banken gelten schon als sicher – doch die Bunkeranlagen der helvetischen Armee sind noch sicherer. Auch deutsche Anleger wissen das. Immer mehr reiche Bundesbürger lagern ihr Gold in ausrangierten eidgnössischen Festungsanlagen. » Weiterlesen
Geld für Gaddafi
In dem Konflikt mit Libyens Herrscherfamilie al-Gaddafi knicken die Schweizer ein weiteres Mal ein: Der Kanton Genf soll nach Medienberichten bereit sein, dem Sohn des Diktators Muammar al-Gaddafi für die Publikation peinlicher Polizei-Fotos ein Schmerzensgeld zu zahlen. Ob die Eidgenossen durch die finanzielle Geste die seit 2008 schwelende Geisel-Krise mit dem Wüstenstaat entschärfen können, ist jedoch fraglich. Bislang deutete der Clan des Revolutionsführers al-Gaddafi helvetische Konzessionen nur als eins: als Schwäche. » Weiterlesen
Die Menschenwürde im Test
Wie weit darf die Forschung am Menschen gehen? Ist es verantwortbar, Medikamente an Kindern oder an Demenzkranken zu erproben? Über diese Fragen im Spannungsfeld von Ethik und Freiheit der Wissenschaften streitet die Schweiz – ein Land mit großen Pharmafirmen wie Novartis und renommierten Forschungseinrichtungen wie an der Universität Zürich. Am Sonntag hat das Volk das letzte Wort; dann entscheiden die Eidgenossen über einen neuen Verfassungsartikel: Darin erhält die Regierung den Auftrag, ein einheitliches Gesetz über die „Forschung am Menschen“ für das ganze Land zu formulieren. „Die heutigen Regeln sind zu wenig einheitlich und lückenhaft“, erklärt Peter Suter, Präsident der Akademien der Wissenschaften. Bislang haben nur einzelne Kantone Regelungen. » Weiterlesen
Kriegserklärung aus der Wüste
Die Schweiz hat noch Freunde: In dem bizarren Konflikt mit Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi stellt sich der europäische UN-Chef an die Seite Helvetiens: Sergej Ordzhonikidse, Generaldirektor des europäischen Hauptsitzes der Weltorganisation in Genf, rüffelt am Freitag den exzentrischen al-Gaddafi.
Der Aufruf al-Gaddafis, die Schweiz mit einem „heiligen Krieg“ zu überziehen, sei nicht zu akzeptieren. „Solche Erklärungen eines Staatsoberhauptes sind in den internationalen Beziehungen unzulässig“, erklärte der russische UN-Spitzendiplomat.
Doch al-Gaddafi dürfte sich um die Worte aus Genf nicht sonderlich scheren. Der Herrscher des Wüstenreiches hatte mit seiner „Dschihad“-Tirade den mehrdimensionalen Streit mit dem Alpenstaat um Ehre, Geiseln und Visa bewusst verschärft – dieses Mal nahm al-Gaddafi das eidgenössische Bauverbot für Minarette zum Anlass für seine Attacke. » Weiterlesen
Zürich aus Glashütte
Die Schweizer staunen mal wieder über diese Deutschen. Jetzt
dreht es sich um die Uhrenindustrie, genauer um Nomos aus Glashütte. Was ist passiert? Die deutsche Firma kam daher, baute eine erstklassige Uhr und taufte das edle Gerät auf den Namen “Zürich”.
Das ist dann doch etwas viel für die Eidgenossen: Zuerst machen die Deutschen das Schweizer Bankgeheimnis kaputt – mit geklauten Daten. Nun greifen sie die Schweizer Uhrenindustrie an – mit dem Namen “Zürich”. Die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag nahm es dennoch gelassen: “Nomos fiel von Anfang an etwas aus dem Rahmen, da der Gründer, Roland Schwertner, etwas hat, das vielen Unternehmern der Luxusbranche fehlt: Humor.”

