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„Die waren alle guter Dinge“

Es ist eine der schlimmsten Tragödien in den Schweizer Alpen in den vergangenen Jahren: Fünf deutsche Bergsteiger stürzten an dem Viertausender Lagginhorn (4010 Meter) im Kanton Wallis in den Tod. „Dieser Unfall war selbst für uns erfahrene Retter außergewöhnlich schrecklich“, sagte der Bergführer Rolf Trachsel in Saas Fee, er leitete die Rettungsaktion. „Die Gruppe war ganz alleine ohne Bergführer unterwegs, und sie waren nicht angeseilt.“ Dabei gilt der Berg nicht als die große alpine Herausforderung.

Die Bergkatastrophe muss sich so abgespielt haben: Die sechs Deutschen erreichen am Montag die Weissmieshütte (über 2700 Metern) oberhalb von Saas Grund. „Die Deutschen sind alle am Abend zur rechten Zeit ins Bett gegangen und sind dann um 4.30 Uhr am Morgen zum Lagginhorn-Gipfel aufgebrochen“, heißt es von dem Hütten-Personal. „Alles war ganz normal, die waren sehr guter Dinge.“

Der Anstieg dauert mehrere Stunden. Die Gruppe bewegt sich offensichtlich auf der Normalroute. Rettungschef Trachsel: „Gegen Mittag zogen Quellwolken auf, es regnete.“ Der Schnee auf dem Berg ist weich und matschig.

Rund 100 Meter unterhalb des Gipfels bricht ein Bergsteiger die Tour ab, er klagt über Übelkeit. Das rettet ihm sein Leben. Seine beiden Kinder und die drei anderen Abenteurer erklimmen den Gipfel.

Kurz nachdem sie den Gipfel verlassen, geschieht es: Die ganze Gruppe stürzte von einer Bergflanke rund 400 Meter in die Tiefe, an einer Stelle die Rettungschef Trachsel als „sehr, sehr steil“ bezeichnet. Der zurückgebliebene Vater der zwei Abgestürzten ist geschockt, er alarmiert sofort die Walliser Rettungsorganisation.

Doch es ist zu spät. Die Retter fliegen mit Helikoptern ein, sie finden nur noch die Leichen. Renato Kalbermatten von der Kantonspolizei bestätigt: „Die Bergsteiger waren sofort tot.“ Es wäre einem Wunder gleichgekommen, hätte auch nur einer der Alpinisten den Absturz überlebt.

Die genaue Ursache der Tragödie muss noch geklärt werden. Die Staatsanwaltschaft Oberwallis leitet die Ermittlungen.
Hätten die Deutschen einen Bergführer haben müssen? Hätten sie angeschnallt sein müssen? „Es ist jedem selbst überlassen, wie er sich absichert und ob er sich einem Bergführer anvertraut“, betont Renato Kalbermatten von der Kantonspolizei. „Die Berge sind für jedermann zugänglich.“

Rolf Trachsel, der die Rettungsaktion koordinierte, will nicht kommentieren, ob die deutschen Bergsteiger fahrlässig handelten: „Da wird nicht spekuliert“, sagt er.