Artikel mit dem Tag: Italien

Als Europäerin diskriminiert – vom Vize-Bürgermeister

Gestern habe ich mich zum ersten Mal in Italien diskriminiert gefühlt – und zwar vom Mailänder Vize-Bürgermeister persönlich.

Riccardo De Corato machte Wahlkampf auf dem Corso Buenos Aires in der Mailänder Innenstadt. Ich hatte mich, dazugestellt, als er mit den Bürgern sprach,  um mich als Wahlberechtigte zu informieren.

Da er hat mich persönlich angesprochen hat, machte ich ihn darauf aufmerksam, dass er meine Stimme offensichtlich nicht haben will. Denn sein Slogan lautet “Prima gli Italiani” – Italiener zuerst. Ich klärte ihn auf, dass ich als Deutsche EU-Bürgerin sei und daher bei den Kommunalwahlen wählen darf.

“Wir wenden uns an die italienischen Bürger, also auch an jene Ausländer, die nach zehn Jahren die italienische Staatsbürgerschaft erlangt haben”, antwortete er mir.

Ich stellte klar, dass ich keine italienische Staatsbürgerschaft habe, aber als EU-Bürgerin trotzdem wählen dürfte – wie die vielen Italiener bei den Komunalwahlen in Deutschland auch. Darauf bekam ich zur Antwort, dass es sich nur an die italienischen Staatsbürger wendet. Er will meine Stimme also wirklich nicht. » Weiterlesen

Frauen (Purchasing) Power

Die Zukunft gehört den Frauen.

Jaja, diese Slogan kennen wir schon lange und so richtig überzeugen sie uns immer noch nicht.

Aber ich habe jetzt einen ganz eigentümlichen Beweis dafür gefunden: die Modebranche.

Armando Branchini, Generalsekretär des italienischen Luxusverbands Altagamma macht nämlich bei den Frauen das größte Wachstum aus. Während jahrelang die formale Herrenmode zulegte und die Damenmode an Bedeutung abnahm, ist seit einigen Jahren der neue Megatrend auszumachen, der laut Branchini auch noch die kommenden Jahrzehnte andauern wird: Frauen kaufen mehr Kleidung. 

Der Grund : Sie haben zunehmend mehr Geld und mehr Macht in Gesellschaft und Wirtschaft. » Weiterlesen

Prassen und Sparen: Die Schizophrenie der Italiener

Italien ist Europameister im staatlichen Schuldenmachen. Aber Klassenstreber bei den privaten Schulden.

Während Italiens Staat über Jahrzehnte unverantwortlich gehaushaltet hat und seine Schulden mittlerweile bei weitem das Bruttoinlandsprodukt übersteigen, gehen die Italiener privat ganz anders mit ihrem Geld um.

In diesen Zeiten der Sparpakete – Italien will 24 Milliarden Euro in zwei Jahren einsparen – lohnt sich ein Blick auf die Schizophrenie des Mittelmeerlands:

Und der zeigt ein ganz anderes Bild als das des spendierfreudigen Südländers, der nicht auf den Cent achtet.

Laut Statistikinstitut Istat legen die Italiener auch in diesen Krisenzeiten durchschnittlich mehr als 15 Prozent ihres Einkommens beiseite. Das ist eine der höchsten in Europa und liegt auch deutlich über den rund elf Prozent, die die Deutschen zur Seite legen. Rund 80 Prozent der Italiener wohnen in den eigenen vier Wänden, zum größten Teil abbezahlt.

Italienische Familien sind auch deutlich weniger verschuldet als etwa deutsche, französische oder spanische Familien, von den Briten ganz zu schweigen. Die Gesamtverschuldung der italienischen Familien macht gerade einmal 34 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. In Deutschland sind es meh als 63 Prozent. In Großbritannien haben die Familien sogar mehr Schulden, als das Land insgesamt erwirtschaftet.

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Späte Genugtuung für die Erdbeben-Kassandra

 

Er hatte gewarnt. Vor dem verheerenden Erdbeben von L`Aquila im vergangenen Jahr hat er Alarm geschlagen. Und ist als lästiger Panikmacher abgewimmelt worden.

Für den Geologen Giampaolo Giuliani dürfte es eine späte Genugtuung sein, dass seit gestern gegen die Verantwortlichen ermittelt wird, ob sie die Gefahren unterschätzt haben. » Weiterlesen

Von falschen Blinden und Söhnen

Ein Italiener hat seinen Vater der Polizei gemeldet, der als Blinder eine Invalidenrente bezieht. Diese Meldung über soviel Korrektheit gegen die eigene Familie lässt aufhorchen. Geschichten über Auto-fahrende Blinde und Fußball-spielende Lahme gibt es zuhauf in Italien. Aber die hat stets die Polizei aufgedeckt. Nicht die eigene Familie! » Weiterlesen

Musizierende Minister

Silvio Berlusconi ist längst nicht der einzige “Musiker” in seiner Regierungsband, wie das folgende Video zeigt:

Maronis Band Distretto 51

Dort steht der Innenminister Roberto Maroni am Keyboard seiner Band Distretto 51. Ein Benfiz-Konzert für Haiti zum 24 jährigen Jubiläum der Band. Der heutige Hardliner von der Lega Nord hat nämlich eine Vergangenheit als Revoluzzer.

Die Musiker harmonieren manchmal besser als die Regierungsmitglieder…

Die Stillen Reichen Italiens

Silvio Berlusconi ist der reichste Mann Italiens ? Weit gefehlt !

Wie bei den deutschen Albrecht-Brüdern sind auch in Italien sind die Reichsten die Stillsten im Lande. Auf Platz 1 steht Michele Ferrero, der Patron des gleichnamigen Nutella-Hersteller. Er hat laut Forbes-Liste ein vermögen von 17 Milliarden Dollar. Auf Platz 2 folgt mit immerhin 10,5 Milliarden Dollar Leonardo Del Vecchio der verschwiegene Gründer des weltgrößten Brillenherstellers Luxottica und des immobilien-Riesens Beni Stabili.  Und dann erst folgt Silvio Berlusconi – mit nur neun Milliarden Dollar.

Das Überraschungsei ist eines der bekanntesten Produkte von Ferrero. Quelle: dpa

Foto: dpa

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Schicht im Pantheon

“So, es ist jetzt sechs Uhr. Das Pantheon macht zu. Bitte gehen Sie alle zum Ausgang !”

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Tremonti und Papst vereint gegen die Ökonomen

 Wer hätte das gedacht, dass Italiens Finanzminister Giulio Tremonti vom Heiligen Vater persönlich Schützenhilfe bekommt ?

 Der Anlass ? In seiner Predigt am Sonntag mahnte Benedikt XVI, die Menschen sollten nur Gott und nicht den Vorhersagungen von Zauberern und Ökonomen trauen ! Das Wasser auf den Mühlen Tremontis, hatte der doch bereits im Sommer die Ökonomen mit Harry Potter verglichen und ihnen geraten, zum Wohle des Gemeinwohls zwei Jahre still zu sein. Die Schelte des Ministers hatte einen Protestbrief renommierter Wirtschaftswissenschaftler zur Folge.

 Nun fühlt sich Tremonti vom Heiligen Vater höchst persönlich bestätigt, denn er schon in der Vergangenheit für dessen weise Vorhersehung der Finanzkrise gelobt hat: 1985 habe der damalige Kardinal Ratzinger in einem Artikel geschrieben, dass eine ungeregelte Wirtschaft zum Kollaps führen werde.

 Die Wege des Herrn sind unergründlich.

Das Facebook-Volk demonstriert gegen Berlusconi

minibanner

„No Berlusconi Day“ heißt die Großdemonstration, die für diesen Samstag Nachmittag in Rom angekündigt ist.

Diesmal sind es nicht die Gewerkschaften, Parteien oder die Regierung, die die Menschen auf die Straße rufen, sondern zum ersten Mal die Benutzer des Internets, insbesondere die des Virtuellen Sozialen Netzes Facebook. Am 9. Oktober ist die Idee auf Facebook geboren und zählt schon jetzt fast 400 000 Fans. Ziel der Demo ist es, Berlusconis Rücktritt zu fordern. 700 Busse sind bereits gebucht, Hunderttausende Menschen werden erwartet.

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