Artikel mit dem Tag: Haiti

Haiti schon wieder ohne funktionierende Regierung

Haitis Staatschef Michel Martelly muss sich wieder auf die Suche nach einem neuen Premierminister machen. Gut vier Monate hielt es Gary Conille auf dem Posten aus. Am Freitag schmiss er das Handtuch. Unüberbrückbare Differenzen mit dem Staatschef, heißt es in Port-au-Prince. In seinem kurzen Kündigungsschreiben betonte Conille lediglich: „Ich sehe mich gezwungen, von meinem Posten als Premierminister zurückzutreten“. Die Demission verschärft ein weiteres Mal die politische Krise in dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre, das zudem noch mit den Nachwirkungen des Erdbebens von 2010 zu kämpfen hat. » Weiterlesen

Cholera wütet in Haiti auch nach einem Jahr noch

Ein Jahr nach Ausbruch der Cholera-Epidemie wütet die Infektionskrankheit in dem Karibikstaat Haiti weiter. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Port-au-Prince sind bis Anfang des Monats 6435 Menschen an Cholera gestorben. Knapp eine halbe Million Menschen seien mit dem Bakterium infiziert. Die schweren Regenfälle, die seit Wochen über dem Land niedergehen, haben nach ergänzenden Angaben der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ vor allem in der Hauptstadt die Zahl der neuen Infektionen hochschnellen lassen. Alleine in den drei Behandlungszentren der Organisation würden wöchentlich 850 Patienten behandelt. Vor einem Monat seien es noch 250 Fälle gewesen. Die Krankheit war Ende Oktober 2010 ausgebrochen und hatte sich rasch im ganzen Land ausgebreitet. Als Urheber wird ein Camp der UN-Blauhelme in der Nähe der Stadt Gonaives vermutet.

Haiti, das sich mit der Dominikanischen Republik die Insel Hispaniola teilt, leidet nicht nur unter der Cholera-Epidemie, sondern unter den Nachwirkungen des Erdbebens vom 12. Januar 2010, bei dem bis zu 300.000 Menschen ums Leben kamen. Die Aufräumarbeiten gehen auch knapp zwei Jahre nach dem Unglück noch schleppend voran. Die Trümmer sind nicht nicht alle beseitigt, die hygienischen Verhältnisse sehr schlecht, was weitere Ansteckungen mit der Cholera begünstigt.

Die Mehrzahl der Cholera-Todesopfer ist nach den Erhebungen der haitianischen Gesundheitsbehörden in der Provinz Artibonite im Zentrum des Landes zu beklagen. Dort sind rund 1200 Menschen gestorben. In Artibonite ist die Seuche ausgebrochen. Als Infektionsherd werden Soldaten der UN-Mission MINUSTAH aus Nepal vermutet, die das Cholera-Bakterium nach einem Heimaturlaub in den Karibikstaat eingeschleppt haben sollen. Die UNO weist die Anschuldigungen kategorisch zurück.

In der Hauptstadt Port-au-Prince sei die Zahl der Todesopfer mit 221 hingegen vergleichsweise gering. Cholera wird vor allem über verseuchtes Wasser übertragen. Da aber gerade in Port-au-Prince viele Hilfsorganisationen tätig sind, ist dort die Versorgung mit Frischwasser eher gegeben als in der unterversorgten Provinz.

„Ärzte ohne Grenzen“ forderte die haitianischen Behörden und internationalen Organisationen auf, deutlich mehr für die Behandlung und Prävention der Krankheit zu tun. „Die Gesundheitsversorgung, der Zugang zu sauberem Trinkwasser und die Abwasserentsorgung müssen dringend verbessert werden,“ erklärte Romain Gitenet, Programmleiter der Hilfsorganisation in dem Land. Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen seien für die Eindämmung von Cholera unerlässlich. „Auch wenn die internationale Gemeinschaft riesige Summen für Haiti zugesagt hat, erkranken jede Woche immer noch Tausende Haitianer an Cholera – und immer noch sterben einige daran,“ betonte Gitenet. Zur Zeit begünstige die Regenzeit die Ausbreitung der Krankheit.

Der Kampf gegen die Seuche wird dadurch erschwert, dass Haiti knapp ein halbes Jahr ohne funktionierende Regierung war. Staatschef Michel Martelly konnte erst jetzt im Kongress einen Kandidaten für den Posten des Ministerpräsidenten durchbringen. Am Dienstag trat der Arzt Garry Conille sein Amt als Premierminister an und versprach, Wiederaufbau und Kampf gegen die Cholera umgehend aufzunehmen. „Die Haitianer haben zu lange gelitten“, betonte Conille nach der Vereidigung des Kabinetts.

Seine Arbeit erschweren könnte allerdings, dass die UN-Mission MINUSTAH ihr 12.000-Mann starkes Kontingent reduzieren will. Ebenso planen einige internationale Hilfsorganisationen, den Abbau von Kapazitäten in der Karibikrepublik.

Haiti findet nach fünf Monaten Premier

Regierungsbildung in Haiti gleicht immer ein bisschen einem Lotteriespiel. Wenn der Präsident dem Parlament einen Kandidaten für das Amt des Premierministers vorschlägt, weiß er nie, ob er einen Volltreffer oder eine Niete zieht. So ging es auch Staatschef Michel Martelly, der jetzt nach einem knappen halben Jahr und im dritten Anlauf einen Bewerber fand, den das haitianische Parlament akzeptierte. » Weiterlesen

Geber erneuern Verpflichtung gegenüber Haiti

Internationale Geber haben ihre Verpflichtung gegenüber dem Krisenstaat Haiti erneuert und die Entsendung von mehr Entwicklungs- und Wiederaufbauhelfern zugesagt. Haitis scheidender Staatschef René Préval forderte bei einem Treffen im UN-Sicherheitsrat in New York mehr Polizisten und Ingenieure und weniger Soldaten: „Wir sind ja nicht im Krieg”, sagte Préval. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Gebergemeinschaft gemahnt, die vor einem Jahr zugesagten Milliarden für das geschundene Land endlich auszuzahlen. Bisher seien erst 37 Prozent der zugesagten zehn Mrd. Dollar überwiesen, kritisierte Ban. Den Wiederaufbau wird der künftige Präsident Michel Martelly gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft koordinieren. Der Sänger ist nach Angaben der Wahlbehörde vom Montag als Sieger aus der Präsidentenwahl am 20. März hervor gegangen. » Weiterlesen

Haiti sucht den Mutmacher

Die Präsidentenwahl in Haiti hielt am Sonntag gleich ein paar Überraschungen bereit: Die Abstimmung verlief fast störungsfrei, es kam kaum zu Gewalt und Ausschreitungen wie bei der ersten Runde Ende November. Zudem mischten sich weder Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide noch Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier ein, und der Andrang der Wähler war so groß, dass die Schließung der Wahllokale nach hinten verschoben werden musste. » Weiterlesen

Haiti wählt neuen Präsidenten

Dem karibischen Krisenstaat Haiti droht wenige Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt weitere politische Instabilität. Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide, vor sieben Jahren in einem Volksaufstand davongejagt, will noch vor der Abstimmung am Sonntag in seine alte Heimat zurückkehren. Die USA und die UNO warnten, Aristides Ankunft würde das Chaos in Haiti noch vergrößern. Im Januar war bereits der frühere Diktator Jean-Claude Duvalier aus dem Exil in seine Heimat zurückgekehrt. » Weiterlesen

Chile ist nicht Haiti

Es war eines der schwersten Beben, seit Erdstöße überhaupt aufgezeichnet werden. Bis 8,8 schlug am 27. Februar um 3.34 Uhr die Richter-Skala aus, als die Erde etwa hundert Kilometer nordwestlich der südchilenischen Stadt Concepción, im Pazifik bebte. Das Epizentrum lag in rund 65 Kilometern Tiefe. Die Wucht des Bebens war rund hundert Mal stärker als bei dem Beben von Haiti sechs Wochen zuvor, aber die Schäden waren ungleich geringer. 555 Menschen starben oder gelten noch heute als vermisst. 220.000 Unterkünfte wurden zerstört oder schwer beschädigt. Noch in Erinnerung sind die Bilder aus Orten wie der Hafenstadt Talcahuano, wo große Boote plötzlich im Stadtzentrum strandeten wie Treibholz, angespült von einem wütenden Tsunami, den das Beben ausgelöst hatte. » Weiterlesen

Musiker gegen Professorin

Mehr als zwei Monate hat Haitis Wahlrat CEP gezählt, gezögert und vermutlich auch geschoben, bis am frühen Donnerstagmorgen das Ergebnis der Präsidentenwahl vom 28. November bekanntgegeben wurde. Demnach ist der umstrittene Regierungskandidat Jude Célestin ausgeschieden. Das Rennen um das höchste Staatsamt im ärmsten Land Amerikas bestreiten die Professorin und frühere Präsidentengattin Mirlande Manigat und der Sänger Michel Martelly. Die Stichwahl soll nun am 20.März stattfinden. Die Amtsübernahme ist dann für Mai geplant, drei Monate nach dem eigentlich in der Verfassung vorgeschriebenen Datum des 7. Februar. » Weiterlesen

Haitis Regierungspartei zieht Kandidaten vor Stichwahl zurück

Im Streit um die Präsidentenwahl in Haiti hat die Regierungspartei „Inité“ überraschend ihren Kandidaten Jude Célestin zurückgezogen. Nach zweitägigen kontroversen Beratungen entschied die Parteispitze am Mittwoch, den umstrittenen Bewerber aus dem Rennen zu nehmen und so eine Kontroverse mit der internationalen Gemeinschaft zu vermeiden. Damit ist der Weg für die Stichwahl zwischen Mirlande Manigat und dem Sänger Michel Martelly. » Weiterlesen

Was will Baby Doc wieder in Haiti?

Blauer Anzug, Krawatte, Diplomatenpass. Ebenso unspektakulär wie überraschend kehrte Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier am Sonntag nach 25 Jahren im französischen Exil nach Haiti zurück. Kurz vor 18 Uhr landete er mit einer Maschine der Air France in Port-au-Prince. Vier Stunden hielten sich Duvalier und seine Frau Véronique in der Diplomaten-Lounge auf, während sich die Nachricht seiner Rückkehr in Port-au-Prince verbreitete. „Ich bin gekommen, um zu helfen“, sagte er Journalisten. » Weiterlesen