Artikel mit dem Tag: Europa

Selbsttest Griechenland-Anleihe

Am Telefon mit meiner Bankberaterin in Deutschland:

“Ich wollte mich mal informieren, wie es mit Griechenland-Anleihen aussieht”

“Das ist nicht Ihr Ernst, oder ?”

“Vielleicht schon. Ich wollte mal hören, wie das theoretisch geht und was sich da anbietet. Ich habe bisher ja nie einzelne Anleihen gekauft, außer die Ihrer Bank…”

“Also da müssen Sie die WKN-Nummer selbt raussuchen. Ich will damit nichts zu tun haben. Ich habe schon genug Kunden mit Argentinien-Bonds gesehen. Sie wissen ja nicht, ob Sie ihr Geld jemals wieder sehen, ob die die Zinsen überhaupt bezahlen können..”

“Aber das weiß ich doch bei Ihrer Bank auch nicht…”

“Aber da steht der Staat hinter”

Hmmm.

Tricksen und täuschen

Alle Welt regt sich – völlig zu Recht – über die Fälschung der griechischen Budgetzahlen auf. Schließlich hätte Griechenland ohne Tricks nie der Eurozone beitreten dürfen, und ohne Täuschung hätte sich die Schuldenkrise womöglich rechtzeitig entschärfen lassen. » Weiterlesen

Hammerschläge vor den Kopf

Noch nie haben die Bürger eines europäischen Landes über so eine Frage abgestimmt: Soll der Bau von Minaretten verboten werden? Die Schweizer entscheiden darüber am kommenden Sonntag. Bei der Volksabstimmung zwischen Basel und Chiasso geht es aber nicht nur um die Zukunft der Moscheetürme. Es geht auch um ein „Plebiszit über den Islam in der Schweiz“, wie der liberale Zürcher Tages-Anzeiger schreibt. Und das Ergebnis wird widerspiegeln, wie weit die Integration der Muslime in dem christlich geprägten Land im Herzen Europas gelungen ist. Seit Wochen beherrscht eine Debatte über Religion, Toleranz, Terrorismus und Islamisierung die Eidgenossenschaft. » Weiterlesen

Was die EU so fordert

Man macht sich ja selten die Mühe, EU-Beschlüsse zu lesen. Klar, die Brüsseler Korrespondenten müssen auch die so genannten ?Schlussfolgerungen? der Ratstreffen auswerten. Doch meist sind die Texte so dröge, dass sie kaum zitiert werden. Dabei hätte es der Beschluss der Außenminister zum neuen Nahostkrieg durchaus verdient… » Weiterlesen

Arcelor-Mittal? Brüssel schweigt!

Es ist die größte Fusion aller Zeiten im Stahlsektor. Der Übernahmekampf dauerte fünf Monate – auch das ein Rekord. Doch die EU-Kommission hat zur schließlich doch noch einigermaßen glücklichen Ehe Arcelor-Mittal nichts zu sagen. Dabei äußert sie sich sonst zu jedem Sch… » Weiterlesen

Mein zweiter Bush-Besuch

Als US-Präsident George W. Bush vor einem Jahr nach Brüssel kam, da war das noch eine kleine Sensation. Der Mann, der Europa mit dem Irak-Krieg gespalten hatte, wollte der EU seine Referenz erweisen! Alle waren aufgeregt, ?Doubleju? auch. Am Ende eines langen Tages stellte er sich schließlich der Presse im großen Saal des Brüsseler Ratsgebäudes. Jeder durfte rein, jeder durfte Fragen stellen ? es war ein kleines Wunder. Bushs Charmeoffensive hatte funktioniert.

Jetzt, bei seinem zweiten EU-Besuch, war alles anders. » Weiterlesen

Verfassung adé?

Meistens erfährt man die wichtigen Dinge in Brüssel nicht auf einem “Gipfel” oder in einem “Pressesaal”, sondern außerhalb des Europaviertels. Im Palais Egmont nahe dem berühmten Sablon zum Beispiel. » Weiterlesen

Kein WM-Fieber in Brüssel

Wer in Brüssel nach Anzeichen von WM-Fieber sucht, wird enttäuscht. Im Europaviertel weisen weder Plakate noch Fahnen auf das sportliche Großereignis hin. » Weiterlesen

Schröder geht, Merkel kommt

Als strenggläubiger Muslim hält sich der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan peinlich genau an die Gebote des Korans. Jetzt, im Fastenmonat Ramadan, verzichtet er zwischen Sonnenaufgang und -untergang auf alle leiblichen Genüsse. Erst nach Einbruch der Dunkelheit nimmt er wieder Nahrung zu sich. An diesem Mittwoch kann Erdogan zum Fastenbrechen, dem traditionellen abendlichen Mahl, einen prominenten Gast begrüßen: Gerhard Schröder kommt aus Berlin eingeflogen, zum Abschiedbesuch. Tränen werden wohl nicht fließen, aber die Visite dürfte in melancholischer Stimmung stattfinden: Schröder geht, Merkel kommt – damit ist auch für die Türkei eine Ära zu Ende.

Mit Gerhard Schröder verliert Erdogan einen der engagiertesten und verlässlichsten Förderer der türkischen EU-Beitrittskandidatur. In Ankara und am Bosporus war der Kanzler ein oft und gern gesehener Gast. Nicht weniger als drei Doktorhüte türkischer Universitäten hat Schröder sich schon in der Türkei abgeholt. Obwohl der Kanzler und der türkische Premier ganz unterschiedliche Charaktere sind und nur über Dolmetscher kommunizieren können – Erdogan spricht keine Fremdsprache -, bezeichnen sich die beiden Männer als Freunde. Wenn Schröders Luftwaffen-Challenger am Donnerstagmorgen vom Flughafen Ankara-Esenboga zum Heimflug nach Berlin startet, wird der türkische Regierungschef der Maschine wohl noch etwas wehmütig hinterher sehen.

Wenn das nächste Mal eine Kanzlermaschine nach Ankara kommt, wird Angela Merkel aussteigen. Dass sich da eine politische oder gar persönliche Freundschaft entwickelt, ist nicht zu erwarten. Erstens hält Erdogan als glaubensstrenger Muslim sowieso Distanz zu fremden Frauen, und zu Merkel wohl besonders. Denn die hat sich in der Türkei als Erfinderin der “privilegierten Partnerschaft” in Verruf gebracht – ein Konzept, das Erdogan öffentlich als “unsittlichen Antrag” abqualifizierte, “so als ob sich der Bräutigam an die Hochzeitstafel setzt und der Braut sagt: ,Lass uns doch einfach gute Freunde bleiben’”. Die “glücklichen Tage” in den türkisch-deutschen Beziehungen seien wohl “erst einmal vorüber”, kommentierte heute die Turkish Daily News. Ein “Alptraum” sei Merkel aber für die Türkei nun auch wieder nicht, meint das Blatt. Schließlich sei ihr Wahlsieg alles andere als grandios ausgefallen. Türkische Kommentatoren führen das nicht zuletzt auf Merkels “Anti-Türkei-Kampagne” zurück, die nach hinten losgegangen sei. Erdogan würdigte die Stimmenverluste der Union sogar als “erfreuliches Ergebnis” und gratulierte nicht etwa Merkel zum Wahlausgang – sondern seinem Freund Schröder. Die Aussicht auf eine große Koalition in Berlin sorgt jetzt in Ankara für neue Erleichterung. In einem Regierungsbündnis mit der SPD sei Merkel “neutralisiert”, meint der außenpolitische Kolumnist Sami Kohen.

Aber sorgenfrei ist man in Ankara nicht. Zwar liegt der EU-Beitritt, den die designierte Kanzlerin verhindern möchte, sowieso noch in weiter Ferne. Erleben werden ihn wohl weder Merkel noch Erdogan als aktive Politiker – sofern er überhaupt kommt. Aber die jetzt beginnenden Beitrittsverhandlungen sind voller Hürden und Klippen für die Türkei. Und da wird Erdogan seinen Fürsprecher Schröder sicher manches Mal schmerzlich vermissen.

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Heisser Herbst

Thessaloniki, 11. September. Spätsommerliche 30 Grad sind es in der nordgriechischen Metropole Thessaloniki. Die Hotels der Stadt sind restlos
ausgebucht. Aber nicht wegen des schönen Wetters. An diesem Wochenende öffnete hier die 70. Internationale Handelsmesse ihre Tore. » Weiterlesen