Wieder so ein Tag, an dem es um alles geht in Athen – ein Schicksalstag, und sicher nicht der letzte: Premier Giorgos Papandreou stellt sich mit seinem neuen Kabinett der Vertrauensabstimmung im Parlament. Wer, wie wir Journalisten, aus erster Hand wissen will, wie das Votum ausgeht, um dann gleich darüber zu berichten, muss lange wach bleiben: die namentliche Abstimmung beginnt erst um Mitternacht, unmittelbar nach dem Ende der auf drei Tage begrenzten Debatte. So bestimmt es die griechische Verfassung in Artikel 84. Sie legt auch fest, wie viele Stimmen Papandreou zur Geisterstunde braucht: mindestens die absolute Mehrheit. Das sind 151 der 300 Stimmen. Seine Regierungsfraktion zählt 155 Abgeordnete. Das müsste reichen. Aber was ist in diesen Wochen in Athen überhaupt noch vorhersehbar?
Fragt man die Demonstranten auf dem Athener Syntagmaplatz vor dem Parlamentsgebäude, die sich dort auch gestern Abend wieder versammelt hatten, bekommt man eine klare Antwort: „Unser Vertrauen hat diese Regierung nicht“, heißt es immer wieder.
Heute ist es übrigens bisher ruhig. Zwar gab es gestern einen Aufruf über Twitter und Facebook, die Zugänge zum Parlament bereits ab 7.00 Uhr heute früh zu blockieren, aber niemand scheint dem Appell gefolgt zu sein. Doch vielleicht ist das die Ruhe vor dem Sturm: heute Abend werden wieder Zehntausende auf dem Syntagmaplatz erwartet.
Artikel zum Thema: Wirtschaft
Ruhe vor dem Sturm in Athen
Der Gipfel über dem Gipfel
Die Welt schaut an diesem Wochenende auf Paris. Naja, zumindest die Finanzwelt. Denn am Wochenende vom 18. und 19. Februar treffen sich die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wirtschaftlich wichtigsten Staaten zum Gipfel in Paris. Das Treffen ist das erste Highlight von Frankreichs G20-Präsidentschaft, die bis November dauert.
Inhaltlich dürfte vermutlich nicht allzuviel dabei herauskommen. Dennoch ist die geballte Medienpräsenz für die Protagonisten – allen voran Nicolas Sarkozy – eine exzellente Bühne für die Selbstdarstellung. Gipfeln kann Sarko ja bekanntlich gut, und wenn Chinesen und Amerikaner nicht so wollen wie der umtriebige französische Staatschefs, so kann doch Supersarko zumindest sein Macher-Image in den Augen der Franzosen weiter pflegen.
Das hofft er zumindest. Aber ein anderer Franzose droht ihm die Schau zu stehlen: Dominique Strauss-Kahn, Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds. Dieser weilt auch in Paris und scheint wild entschlossen, Sarko die Gipfel-Show stehlen zu wollen.
DSK, wie er allgemein genannt wird, ist bekanntlich der Hoffnungsträger von Frankreichs oppositionellen Sozialisten, nach drei verlorenen Präsidentschaftswahlen endlich einmal wieder an die Macht zu kommen. Doch DSK ziert sich noch, sich in die Schlacht zu werfen. Sein Amt als IFW-Chef gibt ihm zwar internationales Format. Doch dummerweise verbieten ihm die IWF-Statuten, auch nur irgendetwas zu Frankreichs innenpolitischer Lage zu sagen.
Da kommt ihm der Gipfel in Paris wie gelegen, erlaubt er DSK doch, sich vor dem heimischen Publikum als Alternative zu Sarko zu präsentieren. Also hat das DSK-Lager die Vermarktungsmaschine angeworfen: Interview in 20-Uhr-Nachrichten, dazu dürfen die Leser der populären Zeitung “Le Parisien” DSK befragen. DSK auf allen Kanälen also.
Und wenn Sarko am Ende des Gipfels ohne greifbare Ergebnisse sich wieder den Niederungen der französischen Tagespolitik und dem Dauer-Umfragetief widmen muss, dürfte DSK sein Status als Präsidialkandidat gestärkt haben. Und in entspannt von Washington aus den nächsten Coup planen.
Frauen (Purchasing) Power
Die Zukunft gehört den Frauen.
Jaja, diese Slogan kennen wir schon lange und so richtig überzeugen sie uns immer noch nicht.
Aber ich habe jetzt einen ganz eigentümlichen Beweis dafür gefunden: die Modebranche.
Armando Branchini, Generalsekretär des italienischen Luxusverbands Altagamma macht nämlich bei den Frauen das größte Wachstum aus. Während jahrelang die formale Herrenmode zulegte und die Damenmode an Bedeutung abnahm, ist seit einigen Jahren der neue Megatrend auszumachen, der laut Branchini auch noch die kommenden Jahrzehnte andauern wird: Frauen kaufen mehr Kleidung.
Der Grund : Sie haben zunehmend mehr Geld und mehr Macht in Gesellschaft und Wirtschaft. » Weiterlesen
Rente mit 65 – oder eher.
Alle Griechen sind gleich. Mit diesem Grundsatz verteidigt die Athener Regierung ihre Rentenreform, die voraussichtlich am Donnerstag vom griechischen Parlament verabschiedet werden soll. Für alle soll künftig gelten: Rentenalter 65. » Weiterlesen
Danke Toyota!
Journalistenpreise sind so eine Sache. Bevor man sich geschmeichelt fühlt oder gar geldgierig wird, sollte man immer erst auf den Verleiher schauen. Manchmal reicht aber auch schon der Titel des Preises aus, um stutzig zu werden.
„Die deutschen Toyota-Händler sagen Danke!“, stand auf einem Schreiben, das Ende Mai bei mir in Tokio landete. Es kam zusammen mit der Post, die mir immer noch aus unserer Düsseldorfer Zentrale zugeschickt wird, und teilte mir mit, dass der Verband der Toyota-Händler mich als einen von 10 Journalisten auserwählt hatte, die es auszuzeichnen gelte – für den „am besten recherchierten Artikel über Toyota zur Zeit der Rückrufaktion“. Das Preisgeld hatte es in sich: 10.000 Euro winkten dem Gewinner. Das ist viel Geld. » Weiterlesen
Prassen und Sparen: Die Schizophrenie der Italiener
Italien ist Europameister im staatlichen Schuldenmachen. Aber Klassenstreber bei den privaten Schulden.
Während Italiens Staat über Jahrzehnte unverantwortlich gehaushaltet hat und seine Schulden mittlerweile bei weitem das Bruttoinlandsprodukt übersteigen, gehen die Italiener privat ganz anders mit ihrem Geld um.
In diesen Zeiten der Sparpakete – Italien will 24 Milliarden Euro in zwei Jahren einsparen – lohnt sich ein Blick auf die Schizophrenie des Mittelmeerlands:
Und der zeigt ein ganz anderes Bild als das des spendierfreudigen Südländers, der nicht auf den Cent achtet.
Laut Statistikinstitut Istat legen die Italiener auch in diesen Krisenzeiten durchschnittlich mehr als 15 Prozent ihres Einkommens beiseite. Das ist eine der höchsten in Europa und liegt auch deutlich über den rund elf Prozent, die die Deutschen zur Seite legen. Rund 80 Prozent der Italiener wohnen in den eigenen vier Wänden, zum größten Teil abbezahlt.
Italienische Familien sind auch deutlich weniger verschuldet als etwa deutsche, französische oder spanische Familien, von den Briten ganz zu schweigen. Die Gesamtverschuldung der italienischen Familien macht gerade einmal 34 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. In Deutschland sind es meh als 63 Prozent. In Großbritannien haben die Familien sogar mehr Schulden, als das Land insgesamt erwirtschaftet.
Steuerfrei und stolz dabei
“Ich dachte auch, ich bekomme bei der Bank keinen Immobilienkredit”, erzählt mir der Mann ohne jede Scham. ”Ich gebe ja nur 10 000 Euro im Jahr bei der Steuer an”. Dann eine nicht ernst gemente Nachfrage: “Sie sind nicht etwa vom Finanzamt, oder ?” . Ein Lachen, wir wissen doch wie es funktioniert.
Der Mann, ein Immobilienmakler in Italien. Ohne Probleme erzählt er wie er die letzten Deals gemacht hat. Zwei Drittel offiziell, ein Drittel schwarz auf die Hand. Normal eben.
Der Ort Sizilien oder Klabrien ? Nein, das saubere norditalienische Mailand. Und den Kredit hat der Herr übringes dennoch bekommen.
Tricksen und täuschen
Alle Welt regt sich – völlig zu Recht – über die Fälschung der griechischen Budgetzahlen auf. Schließlich hätte Griechenland ohne Tricks nie der Eurozone beitreten dürfen, und ohne Täuschung hätte sich die Schuldenkrise womöglich rechtzeitig entschärfen lassen. » Weiterlesen
Slim, der Reichste der Superreichen II
Vor allem aber belegt die neue Liste, wie reich man als Unternehmer in einem Land mit 40 Millionen Armen werden kann, wenn staatliche Regulierungspolitik wirkungslos bleibt. Der Liebhaber dicker Zigarren und feiner Kunst verdankt seinen geschäftlichen Erfolg zwar in erster Linie seiner guten Nase, mit der er marode Firmen aufkaufte und sie anschließend zu rentablen Unternehmen machte. Aber er hat auch immer mit besten Kontakten in die Politik die Öffnung von Monopolen und die Zulassung ausländischer Konkurrenz auf seinen Hauptmärkten zu verhindern gewusst. In Mexiko besteht ein enges und kompliziertes Netz von persönlichen Beziehungen zwischen Politikern und der Wirtschaftselite, was dazu führt, dass die Regierenden oftmals nicht die öffentlichen Interessen und den Verbraucherschutz wahrnehmen, sondern die Interessen von Freunden und Verbündeten und in einigen Fällen sogar die ihrer eigenen Unternehmen verteidigen. » Weiterlesen


