In Griechenland liefern sich jetzt Aegean Airlines, die größte Fluggesellschaft des Landes, und die Anfang Oktober als Privatunternehmen neu gestartete Olympic Air einen unerbittlichen Verdrängungskampf. Ausgetragen wird er nicht nur mit Sondertarifen, von denen die Passagiere profitieren. Beide Airlines arbeiten auch eifrig an ihrem Image.
Andreas Vgenopoulos, zu dessen Marfin Investment Group (MIG) die einstige Staatslinie Olympic jetzt gehört, setzt dabei vor allem auf patriotische Töne: er versucht, an die glorreiche Ära anzuknüpfen, als Olympic zum Imperium des Tankerkönigs Aristoteles Onassis gehörte und der fliegende Stolz der Nation war. „Η Ελλαδα ψηλα!“ lautet der zentrale Werbeslogan der Fluggesellschaft, was frei übersetzt etwa so viel bedeutet wie „Griechenland ganz oben“. Der Spruch soll suggerieren: auch die neue Olympic ist so etwas wie der griechische „Flag carrier“, auf den die Griechen stolz sein können.
Da will Aegean, die von sechs griechischen Großaktionären kontrolliert wird, nicht nachstehen. Heute Nachmittag präsentierte die Airline zwei ihrer neuesten Airbus-Flugzeuge in neuer Bemalung. Die Maschinen sind fliegende Werbeflächen für das neue Athener Akropolismuseum: sie tragen am hinteren Rumpf große Abbildungen einer Karyatide, einer jener sechs Frauskulpturen, die auf der Akropolis das Dach der Vorhalle des Erechteions trugen und heute im neuen Akropolismuseum ausgestellt sind – bis auf die sechste Statue, die im Britischen Museum in London zu sehen ist. Neben dem Abbild ist auf den beiden Airbus-Maschinen die Aufforderung „Discover the new Acropolis museum“ und die Internetadresse des Museum zu lesen. Eine der beiden Maschinen trägt den Namen „Phidias“, jenes antiken Bildhauers, der die Bauarbeiten auf der Akropolis geleitet haben soll, die andere heißt „Kleisthenes“, nach dem berühmten athenischen Staatsreformer.

v.r.n.l.: Aegean-Präsident Theodoros Vassilakis, Tourismus-Staarssekretärin Angela Gerekou und Dimitris Pandermalis, Direktor des Akropolis Museums
Kurz vor der Präsentation der neuen Maschinen hatte Aegean übrigens die Neunmonatszahlen veröffentlicht: zehn Prozent Passagierzuwachs gegenüber dem Vorjahr, drei Prozent mehr Umsatz und eine Steigerung des Nettogewinns um 42 Prozent auf 37,7 Mio. Euro sind keine schlechten Resultate – vor allem nicht vor dem Hintergrund der aktuellen Krise im Luftverkehr. Profitiert haben dürfte Aegean nicht zuletzt von der engen Kooperation mit Lufthansa im Deutschlandverkehr. Im nächsten Frühjahr wird sie außerdem vollwertiges Mitglied des weltweit größten Airline-Bündnisses, der Star Alliance.
Olympic hat bisher keine Zahlen veröffentlicht. Nach eigener Aussage will das Unternehmen 1,1 Mrd. Euro in den Ausbau der Flotte und die Expansion des Streckennetzes investieren. Spätestens 2011 wolle man profitabel fliegen, heißt es inoffiziell in Unternehmenskreisen. Die Passagiere werden wohl auch in den kommenden Monaten die Nutznießer eines knallhart geführten Konkurrenzkampfes am griechischen Himmel sein. Wie er ausgehen wird, weiß heute noch niemand. Fast alle Fachleute sind sich aber einig: der griechische Markt mit seinen rund elf Millionen Menschen ist zu klein für zwei Fluggesellschaften. Einer der beiden Konkurrenten wird letztlich wohl auf der Strecke bleiben.

