… und das war in der wunderschönen piemontesischen Weinregion Barbaresco lange gar nicht so einfach, wie ich gelernt habe. Heute erstaunt die Vielzahl junger Winzer, die sich den dunklen Reben verschrieben haben. Sie leben mit ihren Familien in den seichten Hügeln der Langhe und sind stolz auf ihre Arbeit. Beneidenswert, mag man meinen.

„Aber das ist relativ neu. Lange war es für uns hier ein Problem, eine Ehefrau zu finden“ weiß Giancarlo Montaldo von der Enoteca Barbaresco zu berichten. Bis in die 70er-Jahre war die schwere Arbeit auf dem Felde nicht gerade angesagt und nicht weit von Turin gelegen, lockten Fiat und dessen Zulieferer mit modernen Jobs. Die Nachkommen der Winzerfamilien zogen weg in die Stadt, ließen das Land brach liegen. Die Frauen suchten als erste die Flucht und für die daheim gebliebenen Männer besorgten noch bis vor ein paar Jahrzehnten nicht selten Heiratsvermittler Ehefrauen aus dem italienischen Süden, berichtet Giancarlo Montaldo.
Doch seit Wein in Mode gekommen ist und sich selbst Stars wie der Sänger Sting oder sein Kollege Bob Dylan für Italien, der französische Schauspieler Gerard Depardieu und der US-Regisseur Francis Ford Coppola Weingüter besitzen, umgibt auch den Anbau ein Hauch von Glamour. Geld lässt sich mittlerweile auch mit Barbaresco verdienen, wie die Preise der Flaschen und die gepflegten Häuser zeigen. Wein gehört zu den wichtigsten Export-Produkten Italiens, und auch aus Barbaresco geht ein Großteil der Flaschen ins Ausland.
Den 31-jährigen Enrico Rizzi freut die Wende jedenfalls. „Mein Vater ist noch nach Turin gegangen und ist 1974 als einer der ersten zurückgekehrt und alle haben ihn für verrückt erklärt“ erzählt der Rizzi, der das gleichnamige Weingut führt. Er selbst hat Weinbau studiert und hat nach seinen Worten „den schönsten Job der Welt“. Und viele Frauen sähen das mittlerweile auch so…

