Artikel zum Thema: Asien

Frauen (Purchasing) Power

Die Zukunft gehört den Frauen.

Jaja, diese Slogan kennen wir schon lange und so richtig überzeugen sie uns immer noch nicht.

Aber ich habe jetzt einen ganz eigentümlichen Beweis dafür gefunden: die Modebranche.

Armando Branchini, Generalsekretär des italienischen Luxusverbands Altagamma macht nämlich bei den Frauen das größte Wachstum aus. Während jahrelang die formale Herrenmode zulegte und die Damenmode an Bedeutung abnahm, ist seit einigen Jahren der neue Megatrend auszumachen, der laut Branchini auch noch die kommenden Jahrzehnte andauern wird: Frauen kaufen mehr Kleidung. 

Der Grund : Sie haben zunehmend mehr Geld und mehr Macht in Gesellschaft und Wirtschaft. » Weiterlesen

Der Tod kommt als Justizministerin

Als erklärter Gegner der Todesstrafe in einem Land zu leben, in dem es die Todesstrafe nicht nur gibt, sondern sie auch noch vollstreckt wird, ist ein eigentümliches Gefühl. Als Korrespondent unterliege ich damit der Herrschaftsgewalt einer Regierung, die ihren Bürgern das antut, was sie ihnen selbst verbietet: das Töten. In Japan wurden im letzten Jahr über ein Dutzend Verurteilte gehängt. Als besondere Grausamkeit kommt hinzu, das die Angehörigen des zu Exekutierenden erst im Nachhinein davon erfahren. Muss ich erwähnen, dass auch in Japan, wie in jedem Land, in dem Menschen über Menschen urteilen, immer wieder Fehlurteile bekannt werden?

Seit wenigen Tagen hat nun auch das Jahr 2010 seine (ersten beiden) Gehängten. Diese beiden Fälle aber haben die Todesstrafe wieder in die Diskussion gebracht. Wenngleich aus einem bizarren Grund:  Sie wurden angeordnet durch Justizministerin Keiko Chiba – die bisher als ausdrückliche Gegnerin der Todesstrafe auftrat.

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Danke Toyota!

Journalistenpreise sind so eine Sache. Bevor man sich geschmeichelt fühlt oder gar geldgierig wird, sollte man immer erst auf den Verleiher schauen. Manchmal reicht aber auch schon der Titel des Preises aus, um stutzig zu werden.

„Die deutschen Toyota-Händler sagen Danke!“, stand auf einem Schreiben, das Ende Mai bei mir in Tokio landete. Es kam zusammen mit der Post, die mir immer noch aus unserer Düsseldorfer Zentrale zugeschickt wird, und teilte mir mit, dass der Verband der Toyota-Händler mich als einen von 10 Journalisten auserwählt hatte, die es auszuzeichnen gelte – für den „am besten recherchierten Artikel über Toyota zur Zeit der Rückrufaktion“. Das Preisgeld hatte es in sich: 10.000 Euro winkten dem Gewinner. Das ist viel Geld. » Weiterlesen

Sag mir wie Du trennst …

„Bitteschön“, sagte die Damen im Einwohnermeldeamt meines Stadtteils Setagaya-ku mit einem Lächeln, und drückte mir das Informationsmaterial in die Hand. Heute zweifele ich manchmal daran, dass sie es wirklich freundlich meinte.

Angekommen in Japan wartet auf Ausländer erst einmal die Registrierung. Also stapfte ich aufs Amt, wurde nett bedient und öffnete, zuhause angekommen, erwartungsfroh den Papierbogen. Und während er sich zu einem klein- und beiderseitig bedruckten DinA3-Bogen entblätterte, sagte meine Frau schon: „Müll ist Männersache.“ Heute weiß ich, dass Frauen viel schneller antizipieren können als Männer. » Weiterlesen

Dubai, nein Danke !

Anscheinend sind Italiens Banken kaum vom Dubai-Crack betroffen. Konservativ wie sie sind, haben sie anscheinend nur “irrelevante” Summen in den Golfstaat investiert.

Schon während der Subprime-Krise sind die italienischen Häuser erstaunlich glimpflich davon gekommen. Sicher, zum Teil lag es auch daran, dass sie auf dem Heimatmarkt ihre Kunden besser schröpfen konnten als etwa deutsche Banken und daher weniger Ausschau nach lukrativeren, aber risikoreicheren Gecshäften halten mussten. Andere Beobachter sagen mehr oder weniger scherzhaft, es lag daran, dass italienische Banker “kein Englisch können”, sich also im angelsächsischen Investmentbankinggecshäft nicht zurecht finden.  Wie dem auch sei: Dank ihres konservativen Ansatzes bleiben die Italo-Banken wohl auch diesmal vom Schlimmsten bewahrt.

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Veränderung

Ich habe knapp zehn Jahre lang nicht in Japan gelebt. Dem ersten Anschein nach hat sich nicht viel verändert; weniger jedenfalls, als ich an Veränderung für die zehn Jahre davor, die Zeit von 1987 bis 1997, vermute. Die Leute kommen mir größer vor und scheinen schneller zu sprechen. » Weiterlesen

Ankunft

Statt auf einem Stuhl sitze ich erstmal auf einem Metallgestell – und natürlich auf dem Boden. Am 30. Dezember habe ich in Japan als neuer Korrespondent des Handelsblatts angefangen, jetzt ist Neujahr und natürlich habe ich noch keine Möbel. » Weiterlesen

Wahlkampf im Pressesaal

Jean Quatremer ist kein gewöhnlicher Journalist. Der EU-Korrespondent der linken Pariser Tageszeitung “Libération” geht gerne ‘mal auf die Barrikaden – zur Not auch im Pressesaal der Brüsseler EU-Kommission.

Letzten Freitag war es wieder so weit. Erst warb Quatremer für eine Solidaritäts-Veranstaltung zugunsten zweier Journalisten von “Libé”, die im Irak entführt worden waren. Dann ging er die Brüsseler Behörde massiv an: Kommissionschef José Manuel Barroso habe wohl keine Ahnung von der Lage in Frankreich, schimpfte Quatremer. Dort mache sich eine massive antieuropäische Stimmung breit – und Barroso gieße mit Kommentaren zur umstrittenen Dienstleistungsrichtlinie noch kräftig Öl ins Feuer.

Das saß. Barroso-Sprecherin Francoise Le Bail wirkte wie gelähmt – bis einige Journalisten “Buh” riefen und Quatremer zum Schweigen nötigten. “Wir sind hier nicht im Wahlkampf”, brachte Le Bail schließlich heraus. Es habe wohl “enorme Mißverständnisse” gegeben. Natürlich mache sich die Kommission “Sorgen” um die Stimmung in Frankreich, wo Ende Mai über die geplante EU-Verfassung abgestimmt wird.

Genützt hat der Schlagaustausch wenig: Quatremer warf der Kommission am nächsten Tag in einem Zweispalter vor, die Verfassungs-Debatte zu “erschweren” und “das Spiel der Nein-Sager” zu spielen.

“Will Barroso, dass die Franzosen beim Referendum am 29. Mai gegen die Verfassung stimmen?”, lautete gleich der erste Satz – entsprechend polemisch ging es weiter.

Ob Barroso den “Libé”-Artikel gelesen hat, ist nicht bekannt. Doch kurz darauf wies der Kommissionschef jede Verantwortung für die wachsende Unzufriedenheit in Frankreich mit der EU-Politik zurück. Nun warten die Journalisten im Pressesaal gespannt auf den nächsten Showdown. Sollten die Franzosen am 29. Mai tatsächlich die EU-Verfassung ablehnen, dürfte es hoch hergehen – denn dann haben alle Europäer ein massives Problem. » Weiterlesen

Malen statt Zahlen

In Mexiko können Künstler ihre Steuerschuld mit eigenen Werken begleichen. Angenommen, Sie sind ein begabter Maler, Bildhauer oder Zeichner. Stellen Sie sich vor, Sie gehen einmal im Jahr bei Ihrem Finanzamt vorbei und stellen dem Beamten ein Gemälde oder eine Skulptur auf den Schreibtisch. Und sagen: “Hier sind meine Steuern”. Gibt es nicht, sagen Sie Doch, in Mexiko, und zwar schon seit fast einem halben Jahrhundert. “Pago en Especie” (Zahlung in Naturalien) heißt das Programm, das mexikanischen Künstlern erlaubt, ihre Steuerschuld mit eigenen Werken zu begleichen. Ein auf der Welt einmaliges Steuersystem, wie Juana Inés Abreu, Generaldirektorin für Kulturförderung im mexikanischen Finanzministerium, sagt.

Über die Jahrzehnte hat der mexikanische Fiskus so mehrere tausend Kunstwerke gesammelt. Die wertvollsten rund 3600 Stück werden seit acht Jahren in einem eigenen Museum im ehemaligen Erzbischöflichen Palast in der Altstadt von
MexikoStadt aufbewahrt. “Es ist die umfassendste Sammlung zeitgenössischer mexikanischer Kunst”, betont Abreu. Werke von Rufino Tamayo, Antonio Ruíz, Adolfo Best Maugard und dem bekanntesten mexikanischen Wandmaler, Diego Rivera, sind im
SteuerMuseum ausgestellt. Insgesamt beteiligen sich heute 300 Künstler an Pago en Especie. Jeder Dritte von ihnen ist Ausländer.

Die Idee zu dem ungewöhnlichen Programm hatte Riveras Kollege David Alfaro Siqueiros im Jahre 1957. Gemeinsam mit einem kunstbegeisterten Abteilungsleiter im Finanzministerium suchte der Muralist nach einer Lösung für einen Kollegen,
der keine Steuern zahlen wollte, weil er mit seiner Arbeit kaum was verdiente. Der Finanzbeamte akzeptierte schließlich statt Pesos ein Bild als
Steuerleistung, und schon war die Idee für Pago en Especie geboren. Anders als Rivera beteiligte sich Siqueiros allerdings nie an dem Programm.

Der Sinn von “Pago en Especie” ist ein doppelter. Zum einen solle den Künstlern so das Zahlen der Abgaben vereinfacht werden, betont Direktorin Abreu. “Denn in Mexiko ist es sehr unpopulär, Steuern zu zahlen.” Und da seien die Kunstschaffenden keine Ausnahme. Auf der anderen Seite wollte der Staat so eine Kunstsammlung von Wert zusammentragen.

1974 regelte die mexikanische Regierung in einer Verordnung die Abgabepflicht bis ins Detail. Je mehr Gemälde, Skulpturen oder Radierungen ein Künstler verkauft, desto mehr muss er auch dem Finanzministerium abliefern. Wer 21 oder
mehr Werke pro Jahr verkauft, muss sechs weitere Arbeiten als Abgabe entrichten. Diejenigen, die nur ein Kunststück veräußern, müssen ein zusätzliches an den Staat geben, und wer lediglich ein Bild los wird, muss trotzdem noch eins für
das Finanzamt malen. Foto, Video oder Installationsarbeiten werden nicht akzeptiert. Und wie es in Mexiko bei der Steuerverteilung üblich ist, geht ein Drittel der Abgaben in die Bundesstaaten. Per Los werden diejenigen Stücke
ermittelt, die als Wanderausstellungen in die Provinzen gehen.

Doch der Fiskus akzeptiert nicht jedes Werk. “Manchmal geben die Künstler die Stücke ab, die unverkäuflich sind”, sagt die Zeichnerin Carla Rippey, die selbst seit Jahren ihre Steuern in Naturalien zahlt. Deshalb begutachtet ein
Sachverständigengremium jedes Werk. Werden die eingereichten Arbeiten drei Mal abgelehnt, muss der Künstler seine Steuern ganz normal in Peso entrichten. Und wer die festgesetzten Abgabetermine überzieht, muss ein weiteres Werk pro Quartal als Säumnisgebühr abgeben. Ist ein Kunstwerk einmal angenommen, wird es aber
noch nicht unbedingt ausgestellt. Nur wenn dem Stück “Calidad museo” bescheinigt wird, kann es im Museum gezeigt werden. Diejenigen Stücke, die als
Steuerbetrag akzeptiert, aber nicht als museumstauglich eingestuft werden, hängen in
den Amtsstuben des Finanzministeriums.
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Maybach in Genf

Vor dem Hotel Beau Rivage, dort wo ein deutscher Ministerpräsident tot in der Badewanne lag, rollt ein Maybach aus. » Weiterlesen