Das sorgenvolle Gesicht des Bankers sagte alles: Brady Dougan, Chef der
Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) und US-Bürger, musste einen Verlust für das vierte Quartal 2011 von mehr als 600 Millionen Franken eingestehen.
Bei der Bilanzpräsentation der CS in der vorigen Woche wurde aber auch klar: Schwer zu schaffen macht dem Zürcher Finanzinstitut und seinem amerikanischen Boss auch der Steuerstreit mit den USA: Die Credit Suisse geriet ins Visier von US-Ermittlern.
Das Zürcher Geldhaus ist aber kein Einzelfall: US-Behörden durchleuchten das Geschäftsgebaren von mehr als zehn helvetischen Geldhäusern. Der Verdacht: Die Banker aus dem Alpenland halfen Kunden, die in den USA steuerpflichtig sind, ihr Geld am Fiskus vorbeizuschleusen.
Steuerbetrug also.
Das Volumen des Schwarzgeldes könnte laut Insidern mehrere Milliarden US-Dollar betragen. Rund 30.000 Kunden von Schweizer
Banken in den USA sollen gegenüber Steuerfahndern ausgepackt haben.
Die Konfrontation mit den USA ramponiert das internationale Image des
Schweizer Bankenplatz einmal mehr: Die Schweizer, so scheint es, werden
immer wieder bei Deals mit Schwarzgeld ertappt.
Schon einmal mussten die Eidgenossen einen Konflikt mit Amerikanern durch einen tiefen Griff in die Kasse lösen111.
In den neunziger Jahren verlangten US-Politiker und jüdische Organisationen, die in den USA beheimatet waren, Zahlungen von Schweizer Banken.
Damit sollten die Nachkommen von Holocaustopfern entschädigt werden. Die Nachkommen hatten bei Schweizer Banken vergeblich nach dem Geld ihrer Familienmitglieder geforscht. Die Institute wimmelten die Nachkommen
jahrzehntelang ab. Letztlich aber zahlten Schweizer Banken mehr als
zwei Milliarden Franken. Damit wurden alle Ansprüche im Zusammenhang
mit den Holocaustkonten gegen sie hinfällig.

