»Klaus Ehringfeld 17. Mai 2011, 00:17 Uhr

, ,

29 Tote nach Massaker auf Finca in Guatemala

Die guatemaltekische Polizei hat auf einer abgelegenen Farm im Norden des Landes 29 grausam zugerichtete Leichen gefunden, die vermutlich Opfer der mexikanischen Drogenbande „Zetas“ wurden. Die Opfer waren offensichtlich Tagelöhner und wurden ersten Ermittlungen vom Sonntagabend (Ortszeit) zufolge gefoltert, erschossen und dann enthauptet. Unter den Toten befinden sich auch zwei Frauen und zwei Kinder. Ein Überlebender konnte offensichtliche fliehen. Entdeckt wurde das Massaker von Händlern, die Milch und Käse zu der Farm bringen wollten.

Die näheren Umstände der Tat liegen noch im Dunkeln, es könnte sich aber um einen Racheakt im Zusammenhang mit der Tötung eines Drogenbosses handeln. Darauf deutet eine mit Blut an der Wand der Finca hinterlassene Botschaft. Guatemala, das im Norden an Mexiko grenzt, ist bereits seit Jahren Rückzugsgebiet der dortigen Drogenkartelle. Schwache Institutionen, überforderte Polizei und Jugendbanden bilden einen fruchtbaren Boden für die Mafias und ihre paramilitärische Gruppen.

Den ersten Ermittlungen zufolge fuhren in der Nacht zu Sonntag 50 schwer bewaffnete Männer auf die Finca „Los Cocos“ in der Provinz Petén und suchten den Eigentümer Otto Salguero, einen großen Viehbauern der Region im Norden Guatemalas. Als sie stattdessen die Arbeiter antrafen, brachten sie einen nach dem anderen um und verteilten die Leichenteile über die gesamte Farm. Auf die Mauer des Hauses schrieben sie: „Wir werden Dich finden, Otto Salguero, und genauso zurichten“. Gezeichnet war die Botschaft mit „Z 200“, einer Einheit der Zeta-Drogenbande aus Mexiko, die sich vor allem aus Ex-Elite-Militärs in Mexiko und auch Guatemala rekrutiert. Die Zetas haben wegen Massakern an zentralamerikanischen Migranten in den vergangenen Monaten grausige Berühmtheit erlangt.

Salguero wurde seit Anfang des Monats von Unbekannten bedroht. Den guatemaltekischen Behörden zufolge ist der Viehbauer in Drogengeschäfte in der Region verwickelt. Petén, das gut ein Drittel des guatemaltekischen Staatsgebiets umfasst und an Mexiko grenzt, ist wegen seiner dünnen Besiedelung und seiner weitgehend tropischen Vegetation seit Jahren bereits ein Drogenumschlagsplatz und Rückzugsgenbiet für die Kartelle.

Der Massenmord wirft ein Licht darauf, dass Guatemala und beinahe ganz Zentralamerika nach Erkenntnissen der US-Drogenfahnder in den Sog der mexikanischen Drogenkartelle geraten. Aufgrund der militärischen Verfolgung und dem Krieg untereinander weichen die Mafias inzwischen oft in die südlich angrenzenden Staaten aus. Neben Guatemala sind vor allem Honduras und zunehmend auch Costa Rica Umschlagplätze für kolumbianisches Kokain. Nach US-Angaben sind vergangenes Jahr 84 Prozent des Kokains auf dem Weg in die USA in einem Staat Zentralamerikas umgeschlagen worden. 2006, als Mexikos Präsident Felipe Calderón den Kartellen den Krieg erklärte, waren es nur 23 Prozent.

Inzwischen stehen fünf zentralamerikanische Staaten auf der US-Liste der 20 größten Drogenproduzenten- oder Drogenhändler-Staaten. Drei von ihnen, Costa Rica, Nicaragua und Honduras, wurden erst 2010 auf die Liste gesetzt.

»Klaus Ehringfeld 17. Mai 2011, 00:17 Uhr

Die Kommentare sind geschlossen.