»Gerd Höhler 23. März 2011, 22:33 Uhr

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Griechisches Geld auf der Flucht

Wer eine Maschine der Swiss von Athen nach Zürich oder Genf besteigt, trifft nicht nur Touristen an. In der Businessclass sitzen meist einige Herren, die offensichtlich geschäftlich unterwegs sind: bekannte Athener Anwälte ebenso wie Schweizer Banker, die gerade vom Kundenbesuch an der Akropolis kommen.

„Das Interesse an Einlagen bei Schweizer Banken ist groß, und es wächst weiter“ sagte mir gestern zwischen ZRH und ATH ein Insider, der naturgemäß nicht namentlich genannt sein möchte, zugleich aber versichert, das von ihm vertretene Zürcher Institut leiste keine Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Drei von zehn Griechen, so eine Umfrage vom vergangenen Dezember, erwarten früher oder später einen Staatsbankrott ihres Landes. Kein Wunder, dass viele versuchen, ihre mehr oder weniger sauer verdienten (oder dem Finanzamt vorenthaltenen) Euro in die vermeintliche Sicherheit eines Schweizer Bankkontos zu bringen.

Die Kapitalflucht hat in Griechenland ein lange Tradition: in den 80er und 90er Jahren versuchten sich wohlhabende Griechen mit der Anlage in Schweizer Franken, US-Dollars oder Pfund Sterling vor der Inflation der Drachme zu schützen. Auch Gold und Immobilien standen hoch im Kurs. Jetzt ist es die Angst vor einer befürchteten Rückkehr zur schwindsüchtigen Drachme, die viele Griechen dazu bewegt, Geld ins Ausland zu schaffen. Seit die Schuldenkrise Anfang 2010 akut wurde, seien etwa 30 Milliarden Euro ins Ausland abgeflossen, schätzt das Athener Finanzministerium.

Beliebtestes Ziel ist die Schweiz. Bei den dortigen Banken hätten die Griechen rund 600 Milliarden Euro gebunkert, berichtete kürzlich der SPIEGEL – eine Phantasienummer, wie Athener Finanzmarktexperten meinen. Der Betrag entspräche mehr als dem Doppelten des griechischen Bruttoinlandsprodukts und scheint schon deshalb viel zu hoch gegriffen. Tatsächlich beliefen sich die Bankguthaben von Griechen bei den Eidgenossen „nur“ auf etwa 280 Milliarden, erklärte der Athener Finanz-Staatssekretär Dimitris Kouselas – auch kein kleiner Betrag, der allerdings legitime Guthaben griechischer Unternehmen in der Schweiz einschließt und per se keine Rückschlüsse auf das Ausmaß der Kapitalflucht erlaubt.

Die Fluchtgelder fließen überdies nicht nur auf Schweizer Bankkonten. Nach Angaben der Londoner Maklerfirma Knight Frank LLP treten Griechen auch vermehrt als Käufer von Immobilien in London auf. Dabei gilt das Interesse der griechischen Anleger vor allem Luxuswohnungen jenseits von einer Million Pfund Sterling.

Die griechischen Finanzbehörden arbeiten inzwischen eng mit den Schweizern zusammen. Dabei geht es in einer ersten Phase darum festzustelen, welche griechischen Kontoinhaber “vergessen” haben, ihre in der Schweiz erzielten Zinsen dem griechischen Finanzamt zu melden. Das wäre für sich genommen eine ziemlich nutzlose Übung, denn wer sein Geld nach Zürich oder Genf bringt, erwartet weniger Zinsen als Diskretion. In Wirklichkeit will der Athener Finanzminister vor allem die Kontodaten aus der Schweiz haben.

Zugleich versucht die griechische Regierung, die Fluchtgelder mit einer Amnestie zurück ins Land zu locken. Wer sein Geld zurückbringt, muss keine Ermittlungen fürchten und nur acht Prozent Steuern zahlen. Bisher sei die Resonanz auf die Amnestie allerdings gering, heißt es in Ministeriumskreisen.

»Gerd Höhler 23. März 2011, 22:33 Uhr

    9 Kommentare zu “Griechisches Geld auf der Flucht”


  1. [...] und Architekten im Jahr 2008 bei 10.000 Euro, das der Händler und Unternehmer bei 13.000 Euro. Das Fluchtgeld vermögender Griechen sammelte sich unterdessen milliardenschwer auf europäischen [...]

  2. civis zeus sagt:

    Krise? Welche Krise? Ach die des Kapitalismus, mit den Ueberschusslaendern, so langsam werden wir hier in Gr wie Deutschland, bald haben wir auch Ueberschuesse in unserem “Haushalt”, so hat das unsere Regierung den Buergern erklaert. Also die Meinungen ueber die Krise scheinen mir von Zeit zu Zeit immer laecherlicher…

  3. Immobilien in den USA?Die USA sind praktisch Bankrott, die US Konsumenten hoffnungslos überschuldet, die US-Sparquote minimal. Sowohl der US Finanzminister als auch Herr Bernanke warnen inzwischen öffentlich vor dem drohenden Staatsbankrott. Die US Geldmenge wird seit Jahren aus gutem Grudn nicht mehr veröffentlicht. Der US-Dollar wird künstlich am Leben erhalten da Erdöl in US-Dollar fakturiert wird und China (bisher) die Erlöse aus seinen riesigen Exportüberschüssen in Amerikanische Staatsanleihen anlegt. Die Staaten mit den höchsten Devisenreserven sind Japan, Russland, Indien, Republik China (Taiwan) und Südkorea…

  4. Bjarki sagt:

    In die Schweiz tragen ist sicher der falsche Weg. Immobilien in den USA werden stark steigen und zeigen jetzt schon einen extrem starken Mietmarkt. Ich besitze seit einem Jahr ein Paket von Häusern mit fast 20% Nettorendite. Die Mieter rennen mir die Türe ein. In Bälde werden die Europäer kommen, denn sowohl der Euro als auch die europäischen Immobilienpreise werden auf der Strecke bleiben. Wozu also die Schweiz.

  5. [...] Global Reporting: Griechisches Geld auf der Flucht [...]

  6. Münchner sagt:

    Von Deutschland nach Griechenland und von dort in die Schweiz. Nicht nur nach Griechenland !

  7. matt_us sagt:

    Was, mindestens 280 Mrd Euro liegt schon auf Schweizer Bankkonten, nur von den Griechen dahin bugsiert?

    Dann scheint ja genug Geld dazusein, die griechischen Staatsschulden abzuzahlen, die ungefaehr genau so hoch sind. Die Schweizer sollen das mal alles einsammeln, und zurueck nach Athen schicken, dann waeren die Griechen Ihre Schulden los. Und die Eurokrise waere vorbei.

    Was soll die ganze Panik, dann, bitte, wir muessen Umschulden, und so?

    Und man sollte endlich mal ein Gesetz einfuehren, das Geldueberweisungen in oder von der Schweiz (oder sonstigen Piratensteuerparadiesen) mit 30% besteuert.

  8. Euro in die Schweiz zu bringen, ist wie Eulen nach Athen zu tragen. Die Schweizer Großbanken haben ein viel zu geringes Eigenkapital, um Anleger-Vertrauen zu rechtfertigen. Außerdem weigern sich die Großbanken zur Zeit, das bei Ihnen gebunkerte Geld an ihre Auslandskunden zurückzuzahlen. Und zwar mit Hinweis auf die Vereinbarungen mit der EU, im Kampf gegen die Geldwäsche hilfreich zu sein.
    Bleibt nur die Flucht in Edelmetalle und Sachanlagen.

  9. Jürgen sagt:

    In 2010 tauschte ich ein 1. Päckchen Euro in Schweizer Franken. Dieses Jahr kommt ein Immobilienkauf oder ein weitere Tausch.

    Der Euro ist auf Sicht von Jahren meines Erachtens entweder am Ende, oder die EZB druckt Riesensummen Geld, was den wert nach unten drücken wird.

    Für den Erhalt von vermögenswerten über längere Zeit halte ich den Euro (wie auch Dollar und Yen) für ungeeignet.