»Gerd Höhler 19. Februar 2011, 15:31 Uhr

Die griechische Rentenlüge und andere Vorurteile

Wer deutsche Boulevardzeitungen liest, der glaubt zu wissen: der Grieche ist faul. Er vertrödelt die Tage beim Tavlispiel, sitzt stundenlang diskutierend im Straßencafé oder döst in einer Strandtaverne vor sich hin. Spätestens mit Mitte 50 verabschiedet sich der Grieche aus dem Berufsleben und geht in Rente. Alles auf unsere Kosten, natürlich.
Zunächst zur Rentenlüge: das tatsächliche mittlere Renteneintrittsalter in Griechenland liegt bisher bei 61,4 Jahren. Das entspricht genau dem EU-Durchschnitt. Die Deutschen gehen mit durchschnittlich 61,7 Jahren in Rente, arbeiten also gerade mal 14 Wochen länger. Wenn Griechenland die im vergangenen Jahr beschlossene Rentenreform voll umgesetzt hat, was 2015 der Fall sein soll, dann werden die Griechen sogar die längste Lebensarbeitszeit in Europa nach den Schweden haben.
Wenn man die längeren Arbeitszeiten in Griechenland berücksichtig, wird das Vorurteil von den „faulen Griechen“ erst recht unhaltbar. Während die Deutschen im Schnitt 36 Stunden pro Woche arbeiten, die Spanier und Portugiesen je 39 Stunden und die Holländer sogar nur 31, malochen die Griechen im Schnitt 42 Wochenstunden.
Allerdings – und das ist eine wichtige Einschränkung – schaffen sie in dieser längeren Arbeitszeit viel weniger als andere. Während die Griechen im statistischen Mittel in einer Arbeitsstunde eine Wirtschaftsleistung von 18,5 Euro erbringen, sind es in Spanien 24,4 Euro, in Deutschland 38,7 Euro und in Holland sogar 39,5 Euro. Unproduktiver als die Griechen sind in Westeuropa nur die Portugiesen mit 13,8 Euro pro Arbeitsstunde.
Die niedrige Produktivität ist einer der Gründe für die Schuldenkrise Griechenlands. Wer Griechenland kennt, der weiß allerdings: das liegt nicht am mangelnden Fleiß oder am DNA. Auch meine Produktivität ist in Griechenland viel niedriger als etwa in Deutschland, weil ich sehr viel Zeit mit nutzlosen Dingen verplempern muss. Jeder Behördengang dauert hier, über den Daumen gepeilt, zwei bis dreimal so lange wie in Deutschland. Ein Besuch bei der Bank, der sich auch im Zeitalter des e-Banking nicht immer vermeiden lässt, bringt ebenfalls lange Wartezeiten mit sich. Vergangene Woche musste ich ein Einschreiben beim Postamt abholen, weil mich der Briefträger, der im Schnitt nur alle zwei Tage vorbeikommt, nicht angetroffen hatte – Wartezeit: gestoppte 46 Minuten. Der schlechte Zustand der öffentlichen Nahverkehrsnetze, die ständigen Streiks, die schwerfällige, um nicht zu sagen obstruktive Bürokratie: all das bremst Griechenland bei der Produktivität aus.
Es dürfte wenige Länder geben, in denen die Menschen so viel Zeit mit Warten und Anstehen verbringen. Die Marktforschungsgesellschaft Global Link untersuchte im vergangenen Jahr, wie lange ein Kunde in 19 europäischen Ländern im Schnitt bei Banken, Postämtern, an der Supermarktkasse, in der Apotheke, im Restaurant und an der Bushaltestelle warten muss. Für 18 Länder errechneten die Marktforscher einen Mittelwert von acht Minuten. In Griechenland waren es 14 Minuten.

»Gerd Höhler 19. Februar 2011, 15:31 Uhr

    27 Kommentare zu “Die griechische Rentenlüge und andere Vorurteile”


  1. Worldwatch sagt:

    “… Es dürfte wenige Länder geben, in denen die Menschen so viel Zeit mit Warten und Anstehen verbringen. …”

    Wenn nur EU “Laender” gemeint gewesen seien, i.O.. Schon moeglich, dass es so ist. Herrn Hoehler traue ich dazu jounalistische Recherche zu.

    Als Beschaeftigter in der Grosskinderlandverschuckung deutscher Industriemanager lernte ich dazu aber andere Laender kennen, die “Zeitverplempern” deutlich besser beherrschen.
    Stichwort hierbei: ‘Indien’
    Nach reichlich pers. “Zeitverplempern” zu Dienstanfang, erlernte ich aber rasch die tolle, indische Praxis des “zeitverplempernlassens” gegen cash kennen.
    Man beschaeftigt, meist zu wunderbar niedrigen “Zeitkaufangeboten” von professionellen “Zeitverplemperen”, und fuer nur wenigen Rupi, “Ansteher” und “Warter”, die die furchtbar langen Bank-, Post-, Apotheken-, etc.pp. Ansteh- u. Wartezeiten fuer einen selbst erledigen.
    Die professionellen “Ansteher” und “Warter” bekommen so mindestens ihr taeglich Curry und Linseneintopf, der Finanzier der Tafel kann arbeiten gehen.
    So gesehen haben von der Zeit-Effektivitaetsinkompetenz der Inder dann doch wieder viele etwas Gutes daran gefunden.
    Und die professionellen, delegierten “Zeitverplempertarife” sind bereits ueber Jahre hin relativ stabil, da das Curry um die Ecke nur um wenige Rupi teuerer wurde.

  2. germanos sagt:

    Sehr geehrter Herr Höhler,
    seit wann vertrauen Sie griechischen Statistiken zur Arbeitszeit und zum Renteneintrittsalter ? Schrieben Sie in Ihrem Artikel “Gleitzeit auf griechisch” vom 4.9.2006 nicht, dass die meisten Griechen im öffentlichen Dienst nun nur noch von 9 bis 15 Uhr arbeiten würden ? Macht in der Woche 30 Stunden !!!!! Weiterhin, dass Arbeiter in Schwerstberufen bereits mit 50 in Rente gehen (Artikel vom 29.11.2007). Zu diesen Schwerstberufen auch Nachrichtensprecher zählen und es in Griechenland 537 (!!!!!!!!!!!!) Schwerstberufe gibt. Wie sollen da die von Ihnen genannten Durchschittswerte zusammenkommen ?

  3. Android sagt:

    @Manoli: Wie kommst darauf, dass der Marshallplan gescheitert ist? Die Probleme Griechenlands, haben in den 80 iger Jahren begonnen.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Greek_economic_miracle

    Und hoffnungslos ist schonmal gar nix. Man muss nur was tun, gewisse Leute in Deutschland haben vor 4 Jahren auch von Untergang, Basarökonomie usw. geredet, nun ist das Gegenteil da. Die Dinge ändern sich schneller. als man denkt.

  4. manoli sagt:

    mac@

    ich bitte sie, schauen sie wie es lidl tut !!!!!!!!!!
    zahnpasta germany….. lidl griechenland !!!
    aber das mögen sie nicht, die einheimischen , plus hat sich zurückgezogen und hofer ist von aldi deutschland zurückgepfiffen wurden,
    spiegel online aktuell !!! die drachme kommt wieder !!
    das heißt holländische pipi (amstel) würde ca. 1000 drachmen kosten !
    dieses land ist afrikanische hoffnungslosigkeit, der marshalplan ist nach dem krieg gescheitert und alles geld der eu (aberwitzige milliarden) sind versickert (aufb konten in der schweiz ?)

    manoli

  5. Mak sagt:

    Beim Wein sind wir uns – fast – einig…..ich empfehle “Metochi”, ganz ausgezeichnet. Was die Wertschöpfungsketten angeht: ihre Zahnpasta in Griechenland kommt in manchen Regionen schlicht nicht ohne Zwischenhändler aus. Glauben Sie, P+G, Colgate und Unilever unterhielten Verkäufer für jede griechische Insel? Das müssen schon die lokalen Zwischenhändler übernehmen, die dies dann gleich für viele Unternehmen tun. Deutsche und amerikanische Unternehmen sind übrigens gerade deshalb international so erfolgreich, weil sie sich auf starke Binnenmärkte verlassen konnten um ihr Geschäft aufzubauen und die kritische Masse an Stückzahlen herzustellen in der Lage waren. Wie soll ein griechischer Mittelständler dagegen anstinken?

  6. manoli sagt:

    mac@

    ich bin genau wie sie kein rassist,ich habe es zumindest verniedlicht, sie sind da schon sehr konkret geworden
    ich denke sie meinen wohl die selben hilfsarbeiten die, die vielen auslandsgriechen ohne ausbildung verrichten
    was meinen sie den wohl mit wertschöpfungskette ? doch nicht wohl etwa, das eine tube zahnpasta zehn händler durchläuft ehe sie den endkunden erreicht ? und überall soll natürlich was hängenbleiben !
    nennen sie mir doch mal 3 beispiele für grieschische nachhaltige wertschöfung !!! und bitte keinen grieschischen wein, der gehört (von wenigen ausnahmen abgesehen) retzeptpflichtig in die apotheke !

    manoli

    manoli

  7. Android sagt:

    @Manoli: Herrn Höhler zu freundliche Kommentare vorzuwerfen ist schon absurd, er schreibt eher sehr kritisch über Griechenland.

    @Mak: Das mit den illegalen ist natürlich richtig, aber das hat die Politik zu verantworten, beide großen Parteien. Damit wollte man den Leuten vorgaukeln, das sie es jetzt geschafft haben, und keine Drecksarbeit mehr machen müssen.Genau wie man früher den Leuten mit der Abwertungspolitik Wettbewerbsfähigkeit vorgemacht hat. Hier liegt das Hauptproblem, innerhalb des Euros geht das nicht mehr, da muss man jetzt durch, mit allen Konsequenzen. Das andere Szenario, mit Wiedereinführung der Drachme und dann Abwertung würde das Problem nicht lösen, da die Hauptwettbewerbe nicht in Europa sitzen, sonder in Asien und soviel kann man gar nicht abwerten, um mit den Asiaten mithalten zu können. Und das mit er schlechten Ausbilung stimmt ja nicht, Ich würde sogar behaupten, die meisten griech. Politiker sind besser ausgebildet, wie z.b. die Deutschen, zumindest wenn man sich ansieht, an welchen Universitäten sie studiert haben. Nur was bringt die beste Ausbildung, wenn man nur sein eigenens Wohlergehen im Sinn hat. Papandreou und Samaras haben die selbe Klasse besucht, glaubst du, die unterscheiden sich groß im Denken, was die aufführen ist reine Show.

  8. Mak sagt:

    Der Rassist sind sie. Mein Hinweis auf die ausschließlich Hilfsarbeiten verrichteten Zuwanderer, war anklagend mit einem Ausrufezeichen versehen. Und mitnichten ist in diesem Land jeder korrupt, noch gibt es keine funktionierende Wertschöpfung, allerdings sind die Wertschöpfungsketten kurz und die geschaffenen Werte niedrig. Ich lebe seit fast 15 Jahren in Athen, aber den Spruch mit den Mercedes kannte ich nicht….außer von einigen Freunden in der Türkei, die sagten soetwas mal im Scherz über sich selber……sind “wir” am Ende ein Türke der sich Immanuel nennt? Nana…das täte dem Propheten – Friede sei mit ihm – aber garnicht gefallen!

  9. manoli sagt:

    @mak

    ich sag ja, es gibt zwei griechenlands athen und griechen…land,
    und sie sind doch nicht etwa ein kleiner rassist !!!
    zuwanderer ob legal oder illegal erledigen nur hilfsarbeiten ?????
    der grieche ist am liebsten beamter, auf dem land ote/deh dann ist er gerne busfahrer,lkw fahrer ebend fahrer im schlimmstenfalls bauer aber dann nur auf dem traktor oder nein er ist bäcker oder fleischverkäufer (wurst können sie nicht/keine ausbildung) oder hat eine taverne und brät gefrorene suflaki !!!
    wo bitte werden werte geschaffen in diesem land der wiederverkäufer ???
    grieschiches sprichwort unter geschäftsleuten:
    die griechen bescheissen sich solange gegenseitig bis jeder einen mercedes fährt !!!
    in diesem land ist jeder korrupt und mit dieser schätzung liege ich noch darunter !!!
    ich habe noch nie einen griechen mit schwielen an den händen gesehen, sie ?
    oder meinten sie die ca. 5millionen auslandgriechen ????
    noch nicht einmal gutes olivenöl können sie herstellen sie müssen es über italien vermarkten und das bei so wunderschönen bäumen ?
    sogar das versauen sie in ihren dreckigen olmühlen !!!
    und der liebe herr höler schreibt immer liebe und brave sachen , sont gibs druck vom arbeitgeber,

    manoli

  10. Mak sagt:

    @Manoli
    Ich weiss ja nicht, wo sie so leben, aber das was sie beschreiben ist – Verzeihen Sie mir – barer Unsinn. Natürlich arbeiten die allermeisten Griechen. Gschaftlhuber und Beamte sind trotz allem in der Minderheit….die meisten Menschen in diesem Land sind anständig, arbeiten (viele malochen sogar, falls dies eine Steigerung ist, die auch anzeigt, mit wievielen Widrigkeiten man hier im Alltag zu kämpfen hat) und die (il-)legalen Zuwanderer erledigen ausschließlich (!) Hilfsarbeiten. Herrn Höhlers Artikel, der auf die niedrige Arbeitsproduktivität (also Input/Output) abzielt ist absolut richtig, genau hier liegt der Hase im Stifado…das hat vielerlei Gründe, mangelnde Ausbildung, Mentalitätsschwächen, strukturelle Probleme, Hohe Gewinnerwartungen, niedrige Wertschöpfung und kurze -ketten….in keinem Fall liegt es aber an einer fehlenden Arbeitsmoral….die Menschen in diesem Land werden nur nicht richtig geführt, angeleitet und ausgebildet.

  11. X_074 sagt:

    @manoli
    Ihr Beitrag hat mit sehr gefallen!
    Man kann leicht erkennen, dass Sie in Griechenland geboren sind, übrigens genauso wie ich.
    Was mir vorallem in dieser Diskussion ärgert ist, dass wir die eigentliche Vermittler zwischen den beiden Staaten, (die eigentlichen Europäer) sind und garnicht gefragt werden. Für die Deutschen sind wir die Migraten/Gastarbeiter etc. und für die Griechen der letzte Dreck (nicht mal Wahlrecht haben die in Deutschland lebende Griechen für Griechenland).

    So versuchen die Deutschen den “Geist des Griechen” zu ahnen und zahlen dabei in der Hoffnung dass sich etwas ändert. Dabei sind wir einerseits als steuerzahler in Deutschland und andererseits (angebliche) Nutzer! Wie Schade das unsere Meinung so wenig zählt. Wann wird man endlich auf der Idee kommen, dass die eigentliche Europäer unter uns leben und das sind die Minderheiten die man bereits in diesem Land hat. Man muss sie nur einbinden.

  12. manoli sagt:

    herr höhler in welchen teil griechenlands leben sie eigentlich, wahrscheinlich in athen..
    ich habe noch nie einen griechen erlebt der arbeitet, sie beschäftigen sich in irgendeinem amt oder sie machen geschäfte…
    arbeiten in diesem land erledigen albaner, packistani……
    schliemstenfalls sitzen sie auf einem tracktor oder sitzen in der redaktion der griechenlandzeitung und schreiben ab !
    und woher stammen diese erhebungen über den eintritt der griechen in den ruhestand ?gibt es eigentlich überhaupt grieschische statistiken die ein wenigsten ein fünkchen wahrheitsgehalt haben !
    ich persönlich kenne keinen griechen der nicht ein haus auf dem land und wenigsten eine wohnung in athen hat sowie einige stremma mit oliven hat !! somit ist auch zu erklären das es es keine sozialhilfe in diesem land gibt, es ist gar nicht nötig !!!!

    manoli

  13. X_074 sagt:

    Griechenland musste im Zuge der IWF- und EZB-Kredite die Zahl der im öffentlichen Dienst Beschäftigten erst einmal ermitteln! Und dann (Juli 2010) kam die Zahl von ca. 1.000.000 Beamten. Diese Zahl bezieht sich auf 10.000.000 Einwohner. Das entspricht 10% der Bewohner, d.h. 100 pro 1000. Wer die griechische Realität kennt, weiß auch noch, dass der Staat sehr viele befristete Arbeitsverhältnisse abschließt, z.B. kurz vor den Wahlen. Sogar gestern (20.2.2011) die Zeitung “Ta Nea” hat über 1.600 neue Stellen in öffentlichen Dienst berichtet. So gern würde ich auch hier in Deutschland, wie ein Grieche leben :)

  14. Machiavelli sagt:

    Aus “La Tribune”
    Im Gegensatz zur herrschenden Meinung, Griechenland ist das Land das im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die wenigsten Beschäftigte im Öffentlicher Dienst von den OECD-Länder zählt (50 für 1000 Einwohner).
    Nur Japan ist mit 40 auf 1000 Einwohner besser, Deutschland kommt gleich nach Griechenland (fast gleich)

    Contrairement à ce qu’on pourrait penser avec sa dette et ses déficits, la Grèce est l’un des pays de l’OCDE comptant le ratio le plus en nombre de fonctionnaires (50 pour 1000 habitants) même s’il est en légère progression.
    Encore une fois, la comparaison entre la France et l’Allemagne est frappante : un peu plus de 50 fonctionnaires pour 1000 habitants outre-Rhin, ils étaient près de 70 en 1995. Et pour un coût de moins de 7% du PIB. DR

  15. Norbert sagt:

    und die Behördengänge, Bank- und Postbesuche erfolgen alle während der Arbeitszeit? Wie können sie sonst als Argument für niedrige Produktivität herhalten? Kein Wunder, dass die Arbeitszeit so lang ist. Ist auch die Siesta drin?

    Der Artikel ist leider nicht sehr glaubwürdig.

  16. X_074 sagt:

    Damit man einen Eindruck über die Produktivität der griechischen Institutionen kriegt, soll man ähnlichen Institutionen hier in Deutschland besuchen. Letzte Woche hatte ich das \Glück\. Als ich vor der Tür stand, sah ich die Öffnungszeiten: Mo.-Do- 9:00 bis 14:00 und Fr. 9:00 bis 13:00.
    Nun. Herr Höhler glaubt immer noch die offiziellen Zahlen des griechischen Staates! Wie oft sollen sie lügen damit man sie glaubt?

  17. Wolfram Wiesel sagt:

    Pauschal-Urteile sind immer schlecht und man sollte sich dazu nicht hinreißen lassen. Da wir griechische Freunde haben und seit 1969 regelmäßig nach Griechenland fahren, können wir – bei aller Liebe
    zu den Griechen – sagen: die Uhren gehen in Griechenland eben etwa anders. Darunter leiden auch viele Griechen. (Z.B. auch unter der Korruption).Aber es ist nun mal so.
    Es ist nun leider auch so, daß die “griechischen Politiker” eben ordentlich
    Schulden gemachat haben – in einer Währung, die sie nicht selbst ‘drucken’ können – und nun geben die anken/Versicherungen etc.
    den Griechen kein Geld mehr, denn sie haben Angst, das Geld auch wieder zurück zu bekommen. Der griechische Staat kann also nicht mehr
    zahlen (ist ‘zahlungsunfähig’). Die Schuldden kann er schon gar nicht
    zurück zahlen. Da man die Banken/Versicherungen (besonders die französichen Banken) nicht pleite gehen lassen will (kann?), muss eben der Steuerzahler (besonders der deutsche Steuerzahler) einspringen.Da der griechische Staat mit dem geliehenen Geld seine Ausgaben teilweise
    bezahlt, obwohl er sich einen Teil dieser Ausgaben eigentlich nicht leisten kann. Deshalb muß (darf!) man nun aber nicht einfach alle Griechen zu Faulenzern etc. machen. Allerdings: das Geld der Deutschen
    ist mehr oder weniger ‘futsch’. Und da Griechenland – ebenso wie das
    Saarland und Bremen – die eigenen Ausgaben nicht mit eigenen Einnahmen bezahlen kann, werden wir in Zukunft eine sog “Transferunion” haben. Also ‘Länderfinanzausgleich’ auf europäischer Ebenen. Ende und Höhe der Zahlungen offen. Und nun wird nur noch darüber gestritten wie man den Deutschen u.a. am geschicktesten das Geld, das man haben will, abnimmt.
    Irgendwie ist das Leben doch einfach.

  18. saden sagt:

    natürlich alles lüge was haben wir anderes erwartet die medien sind auf einer welle der entrüstung gesurft wurden getragen durch den mob dem sie dann die informationen gegeben haben die sie erwartet haben es verkauft sich halt besser wenn alle das gleiche glauben dann gibt man ihnen das wasser dem sie bedürfen

  19. hg sagt:

    Die Produktivität der Deutschen: wie hoch muss diese in der deutschen Industrie sein, wenn ich auf der anderen Seiten meine letzten Besuche im Zollamt betrachte. Dort habe ich jeweils 30min gebraucht (es war niemand vor mir in der Schlange) um jeweils ein Päckchen im Wert von 39U$ abzuholen. Das das Paket einmal 0Euro Zoll gekostet hat und einmal 6,01 Euro bei gleichem Inhalt lasse ich mal aussen vor. Das Ausfüllen der 6,01Euro Quittung per Hand hat weitere 10min Zeit in Anspruch genommen, inkl Kassiervorgang..

  20. Die griechische Krise ist eigentlich eine europäische Krise mit graduellen und nicht fundamentalen Unterschieden. Die Griechen haben die schwergängiste Infrastruktur. Das ist sicherlich ein Nachteil, aber wiegen die schwerer als andere?
    Hierzulande zum Beispiel ist seit 1957 von Ordoliberalismus der Sozialen Marktwirtschaft (Walter Eucken, Wilhelm Röpke, Alfred Müller-Armack) auf Gefälligkeitsdemokratie umgeschaltet worden, nach der jeder gefördert wird, der besonders laut schreit und glaubhaft machen kann, daß seine Stimmen bei den nächsten Wahlen besonders zählen. So hat dieser Staat, von seinen Bürgern unbemerkt, eine Schuldenlast offen und verdeckt von 6 Bio. € (238% des BIP statt der offiziell genannten 60%) aufgebaut, was im Augenblick zu einem eigentümlichnen Wechselspiel zwischen Bund-Ländern-Gemeinden im Finanzausgleich führt (ei, wer hat denn noch Geld bzw. Schuldaufnahmekapazität?) und ferner zunehmend dazu zwingt, über den Marektpreis zu subventionieren (Windmüller, Sonnenanbeter, Bänker uÄ.) und die Preise hochzutreiben.
    Bertolt Brecht hat einmal geschrieben: Mögen Andere von Ihrer Schande sprechen, ich spreche von der Meinen. So sollten wir es halten.

  21. Amolofo sagt:

    Ich lebe nun schon viele Jahre in Griechenland und finde die Behauptung die Griechen seien faul sehr voreingenommen. Die städtischen Angestellten (ein großteil von ihnen) sind gerade nicht die Fleißigsten. Zum Renteneintrittsalter von 61,4 bin ich skeptisch. Von all den Angestellten, die ich kenne und das sind nicht wenige ist keiner mit
    61 in Rente gegangen. Sie lagen so alle zwischen 48 und 59 Jahren. Die in der Bauernkasse und Geschäftsleutekasse waren haben mit 65 ihre Rente einreichen können. Das ganze Rentensystem ist ungerecht.

  22. realo sagt:

    Die Hauptsache, die andern sind immer schuld und man kann sich reinwaschen! Warum werden in einem befriedeten Europa überhaupt Rüstungsgüter gekauft? Es obliegt doch den Staatsdienern, (die keine mehr sind!), sich für die beste Verwendung von Geldern einzusetzen. Die schlampige Bürokratie ist keine Sonderinstitution, die sich von der sonstigen Gesellschaft trennen lässt. die Griechen haben 4mal soviele Staatsbeamte wie in Deutschland, müssten also viel schneller die Vorgänge bearbeiten können. Es gibt keine Entschuldigung, die Griechen müssen sich selber auf die Füße stellen und etwas dafür tun, nicht die Franzosen oder die Deutschen. Dafür haben doch alle ihre politische Selbstbestimmung behalten wollen, damit sich machen können, was deren Parlamenten beliebt.

  23. Android sagt:

    Im Ansatz hast schon recht, nur machst es dir auch zu einfach. Das bei Rüstungsgütern einiges falsch läuft, darüber brauchen wir nicht zu reden. Die meisten Geschäfte wurden nur gemacht, damit sich einige Politiker und Zwischenhändler die Taschen voll machen können. Der größte Skandal überhaupt ist, wieso man für ein Rüstungsgeschäft Zwischenhändler braucht, das Verteidigungsministerium kann sich doch direkt an z.b. KMW wenden, wenn man was braucht.
    Anders schaut es bei den von dir angeführten Luxusartikeln aus, dabei handelt es sich in erster Linie um Autos, oder französische Modeprodukte. Diese zu kaufen wird niemand gezwungen, wenn jemand meint einen dämlichen Geländewagen oder eine Hermestasche zu kaufen, dann kann er das tun, aber das kann in der heutigen Zeit weder die griechische noch die deutsche Regierung verhindern, es sei denn man führt irgendwelche Zölle ein. Es ist natürlich ein Unsinn in Griechenland eine Auto oder Rüstungsindustrie aufzubauen, aber man hat andere Bereiche vor die Hunde gehen lassen, wie die Textilindustrie, die Möbelindustrie und vorallem die Nahrungsmittelindustrie, aber das ist eine Sache der Verbraucher, da muss sich jedern an die eigene Nase fassen, und nicht warten, bis irgendwelche korrupte Politiker etwas unternehmen.

    Hier mal eine Geschichte, wie Importeure verhindern, dass einheimische Unternehmen Fuss fassen können.

    http://www.nytimes.com/2011/01/30/business/30greek.html?_r=1&pagewanted=all

  24. Machiavelli sagt:

    Die Verleumdungskampagne in Deutschland gegen Griechenland hatte nur den Zweck von wahren Grund der Finanzkrise abzulenken und eine Mitschuld Deutschlands zu verschleiern.
    Man weist heute mehr über den Kreditfinanzierten Export von Rüstungsgüter nach Griechenland. Man hat auch von Schmiergeldzahlungen von namhaften deutscher Firmen an griechische Beamten gehört.
    Durch diese überwiegend von deutschen und französische Banken gewährte Kredite wurden überwiegend Importe von Rüstungsgüter und Luxusgüter aus Deutschland finanziert. Für die Banken war das Risiko eines Zahlungsausfalles sehr gering, wie man festgestellt hat, sie wurden durch den Rettungsfond in Wirklichkeit gerettet und nicht Griechenland.
    Aber auch was die Leistung betrifft, wenn die Griechen in dieser längeren Arbeitszeit viel weniger schaffen als andere, liegt es in erster Linie an der Arbeitsteilung innerhalb der Eurozone aber auch an der Rückständigkeit der Produktionsmitteln.
    Solange die Eurozone keine Fiskalunion hat, werden diese Unterschiede noch größer werden.
    Dazu kommt das Problem der deutsch-französische Achse, die jede notwendige Regeländerung die diesen Missstand beenden könnte konsequent verhindert weil für beide Länder die nötige Änderungen der Eurozonenregeln vom Nachtteil wäre.

  25. Xenofon sagt:

    Hierzu meine Sicht als IT-Berater. In Deutschland tut jedes Unternehmen alles und investiert in IT um seine Prozesse zu optimieren. Die sehr rückständige IT der Unternehmen in Griechenland ist für mich nur ein kleines Indiz dafür, dass dieses stetige Bemühung, um Optimierung der Prozesse, um bessere Performance und Produktivität fehlt.

    Andererseits sind die allermeisten Unternehmen in Griechenland recht klein. Die größten sind wohl in öffentlicher Hand. Daher auch: am allermeisten muss natürlich die Effektivität der öffentlichen Hand verbessert werden. Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer. Ich beobachtete die Aktivitäten im folgenden Forum für die Entwicklung innovativer Konzepte:

    http://labs.opengov.gr/

    Was man da verfolgen kann, macht Mut. So kann die Krise zur Chance werden.

  26. [...] This post was mentioned on Twitter by Jens, Jan Ruehmling. Jan Ruehmling said: Die griechische Rentenlüge und andere Vorurteile: Wer deutsche Boulevardzeitungen liest, der glaubt zu wissen: d… http://bit.ly/ikhZco [...]