Für seine Anhänger kommt Daniel Nalliah gleich nach Jesus. Sie nennen ihn liebevoll „PastorDanny“. Er ist Gründer und oberster Priester der evangelischen Freikirche „Catch the Fire“ (Fange Feuer) – das Feuer des Glaubens, des christlichen allerdings nur. Nalliah ist nicht ein Priester, der sich auf das Erzählen der biblischen Geschichte beschränkt. Er hat eine Meinung, und er scheut sich nicht, sie zu sagen. Seine Predigten gleichen zeitweise den Hetzkampagnen rechtsextremer Hassparteien. Homosexuelle sind Sünder, der Islam ist eine Bedrohung für die westliche Zivilisation, muslimische Flüchtlinge, die in zerbrechlichen Booten nach Australien kommen, solle man gleich wieder aufs Meer hinaus schicken. Doch nichts reibt Pastor Danny so auf wie der Anblick der neuen australischen Premierministerin Julia Gillard: „Eine Premierministerin zu haben, die mit ihrem Lebenspartner in die offizielle Residenz einzieht, ist eine Schande für die Gemeinde“, sagte der Priester kürzlich im australischen Rundfunk. Und sie setze ein schlechtes Signal für die nächste Generation.
Julia Gillard ist nicht verheiratet, hat keine Kinder, keine Familie, sondern lebt in wilder Ehe mit Tim zusammen, einem ehemaligen Friseur und Immobilienhändler. Die beiden werden nach den Wahlen am 21. August in die Residenz in der australischen Hauptstadt Canberra ziehen – natürlich nur, wenn Gillard und ihre Laborpartei gewinnen. Dazu darf es schlicht nicht kommen, wettert Nalliah. Er fordert alle Christen auf, bei den kommenden Wahlen Gillard eine Abfuhr zu erteilen.
Der Priester ist nicht alleine mit seinem Gillard-Hass. Die Frau mit den roten Haaren ist ein rotes Tuch für fundamentalistische Christen im ganzen Land. Und von denen gibt es zehntausende. Obwohl Australierinnen und Australier traditionell mit Religion wenig am Hut haben, verzeichnen evangelische Freikirchen seit Jahren massiven Zulauf. Wie etwa Hillsong in Sydney. Tausende von Gläubigen wippen im Takt christlicher Rockmusik, halb in Trance, die Arme in Richtung Himmel gestreckt. Vor allem in den anonymem Vororten der Großstädte bieten Freikirchen, was außer im Rugbyclub kaum noch zu finden ist: das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Junge sind besonders angetan von der Mischung aus Jubel und Jesus, Pop und Petrus, Kult und Kommerz, die Gottesdienste der Freikirchen auszeichnen. Konsum ist gut, reich sein eine Ode an Gott, so die frohe Botschaft.
Für Politiker sind die Heerscharen von in Trance betenden Wählerinnen und Wähler eine Herausforderung – und eine Chance. Regelmäßig pilgern sie vor den Wahlen vor tausende von Kirchengängern, um ihren Glauben bekannt zu geben. Das wird Julia Gillard nicht tun können. Sie ist eine bekennende Atheistin und hat klar gesagt, sie sei nicht bereit, aus taktischen Gründen einen Glauben vorzutäuschen, den sie nicht habe.So stehen denn fast alle Freikirchen hinter ihrem Gegenspieler, Tony Abbott. Der Führer der Liberalen ist bekennender Katholik und erzkonservativ in all seinen Ansichten. Für Pastor Danny ist jedenfalls klar, wer am Abend des 21. August Premierminister sein muss. Nur Tony Abbott habe „die moralische Qualifikation“ für das oberste Amt, predigt der Priester jeden Sonntag.











Ein Kommentar zu “Fundi-Christen hassen Gillard”
[...] This post was mentioned on Twitter by Reto, Aktive Humanisten. Aktive Humanisten said: Julia Gillard [http://bit.ly/dse2wH] ist bei Twitter: @JuliaGillard [...]