»Jan Keuchel 16. Juni 2010, 10:36 Uhr

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Danke Toyota!

Journalistenpreise sind so eine Sache. Bevor man sich geschmeichelt fühlt oder gar geldgierig wird, sollte man immer erst auf den Verleiher schauen. Manchmal reicht aber auch schon der Titel des Preises aus, um stutzig zu werden.

„Die deutschen Toyota-Händler sagen Danke!“, stand auf einem Schreiben, das Ende Mai bei mir in Tokio landete. Es kam zusammen mit der Post, die mir immer noch aus unserer Düsseldorfer Zentrale zugeschickt wird, und teilte mir mit, dass der Verband der Toyota-Händler mich als einen von 10 Journalisten auserwählt hatte, die es auszuzeichnen gelte – für den „am besten recherchierten Artikel über Toyota zur Zeit der Rückrufaktion“. Das Preisgeld hatte es in sich: 10.000 Euro winkten dem Gewinner. Das ist viel Geld.

Bevor nun gleich einer Bestechung ruft: Natürlich nehme ich Preise von einem Unternehmen, über das ich zu berichten habe, nicht an. Auch nicht von dessen Händlerverband. Immerhin hatten sich die Händler um eine Jury „von außen“ bemüht und waren nicht selbst zur Tat geschritten. Die Wahl der Juroren allerdings war etwas unglücklich. Mit Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft, saß etwa ein Hochschullehrer mit am Tisch, dessen Institut auch von Aufträgen der Automobilindustrie lebt. Es geht sicher noch ein bisschen unabhängiger.

Das eigentlich Komische aber war: Beim Blick auf die anderen Nominierten wurde mir klar, dass ich der einzige Korrespondent unter ihnen war – und damit auch der einzige, der fernab von Berlin in Tokio lebt. Den Preis und damit das Preisgeld, so das Schreiben des Verbandes, könne aber „nur an anwesende Personen übergeben werden“. „Sollte der Gewinner nicht anwesend sein, erhält der nächstnominierte den Preis in Höhe von 10.000 Euro.“

Nimmt man die Händler beim Wort, hätte ich also  auf eigene Kosten (weil unabhängiger Journalist) zur Preisverleihung nach Berlin reisen müssen. Wer aber würde geschätzte 3500 Euro, vier Tage und zwei Jetlags investieren, ohne vorher zu wissen, ob er auch der Preisträger ist?

Daran hatte die Händlervereinigung aber offenbar auch schon gedacht  – und das Einladungsschreiben mit der Nominierung gleich an die Düsseldorfer Handelsblatt-Adresse geschickt. Von dort weitergeleitet erreichte es mich in Tokio am 29.5. Am 31.5. war die Preisverleihung.

Ein merkwürdiger Vorgang. Ich habe die Geschäftsführer des Händlerverbands angeschrieben, um der Sache mal nachzugehen. Meine Mail ist über zwei Wochen her, bisher habe ich keine Antwort erhalten.

Vielleicht ist ja doch etwas faul im System Toyota. Vielleicht keine Bremsen-Panne, aber eine Panne in punkto Öffentlichkeitsarbeit. Vielleicht steckt hinter den Umständen der Preisverleihung aber auch einfach nur Gedankenlosigkeit und ein bisschen Unvermögen.

Mir haben die Toyotaner immerhin einen kurzen Moment der Belustigung beschert und einen weiteren Artikel für meinen Japan-Blog. Der deutsche Journalist sagt „Danke Toyota!“

»Jan Keuchel 16. Juni 2010, 10:36 Uhr

    Ein Kommentar zu “Danke Toyota!”


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