23:15
Um, wie gestern, mit Kulinarischem einzusteigen: ich habe selten so lieblos gekochte Spaghetti Vongole gegessen wie heute Abend. Aber darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an. Ich habe einen Großteil meiner komplizierten Heimreise hinter mir: ich sitze in einem Hotel über den Hafen von Ancona. Morgen kommt die Fähre aus Patras. Ich bin müde, aber eigentlich lief heute trotz des Chaos meine Reiseplanung so exakt wie ein Schweizer Uhrwerk. Insgeheim hoffe ich nur, dass ich vor den ersten Fliegern in Athen bin…
Der Tag begann, wo er am Samstag aufgehört hatte.
07:45
Im Frühstücksraum des Zürcher Flughafenhotels „Park Inn“ treffen sich die Gestrandeten: Lucy, die von Los Angeles über Zürich zur Hochzeit ihrer Nichte nach Warschau fliegen wollte; Ron aus New York, der seit Freitag auf einen Rückflug wartet; und eine fünfköpfige Familie aus Indien – die Eltern geben sich gefasst, die drei kleinen Kinder sind aber sichtlich am Ende ihrer Geduld. Durch die großen Fenster des Frühstücksraums sieht man die Schwanzflossen der geparkten Flugzeuge. Dann springt plötzlicher einer auf: „Da, es geht los“, ruft er und zeigt aus dem Fenster. Tatsächlich: drüben rollt ein Airbus übers Vorfeld. Viele greifen zu den Handys. Schon bald stellt sich heraus: Fehlalarm. Für diesen Sonntag sind in Zürich alle Flüge abgesagt. Ich muss wenigstens nicht untätig herumsitzen. Heute will ich mit dem Zug zum italienischen Ancona fahren – um von dort per Fähre nach Patras überzusetzen.
11:40
Mit dem Shuttlebus fahre ich zum Flughafenbahnhof. Neben mir sitzt Daniel, der zurück nach Tel Aviv will. Seine Idee: mit dem Zug nach Rom, denn der Flughafen sei ja noch offen. „Nicht mehr“, sagt Jenny, die ihren Laptop aufgeklappt hat und die Liste der geschlossenen Flughäfen vorliest. Mit ihrem Freund war die junge Britin vergangene Woche von Heathrow über Zürich nach Istanbul geflogen, Hin und Zurück für 149,00 Pfund. Jetzt meinen sie, davon müssten sie eigentlich mindestens die Hälfte zurückbekommen, Im Bus kommt das Gespräch auf die Frage, wen man verklagen könnte. Die Airlines? Die Flugsicherung? Die EU? Jake aus Bedford meint: „Island muss zahlen – schließlich ist es deren Vulkan.“ Ein anderer Bus-Passagier, Peter aus Birmingham, sagt: „Das ganze ist ein Racheakt der Isländer.“ Sie seien eben „pissed off“, weil die Ausländer ihre verzockten Bankeinlagen zurückverlangten. „Jetzt schicken sie uns ash statt cash“, sagt Peter.
11:55
Zürich Flughafen. Die Check In Area 3 bietet ein gespenstisches Bild. Menschenleer. Vor dem Fahrkartenschalter der SBB treffe ich Luigi aus Rom wieder, mit dem ich gestern an der Hotelbar sprach. „Alle Züge nach Rom sind bis Mittwoch ausgebucht“, sagt er verzweifelt. Gut, dass ich meine Fahrkarte nach Ancona noch gestern Abend gekauft habe.
12:55
Großes Gedränge an Gleis 4 im Zürcher Hauptbahnhof, wo der EC 19 nach Mailand abfahren soll. Viele Menschen mit viel Gepäck. Die Schweizer und Italiener sind fast in der Minderheit: vorwiegend US-Amerikaner und Kanadier, auch viele Reisende aus asiatischen Ländern, die hoffen, aus Italien schneller weiter zu kommen. Der Zug fährt pünktlich ein und pünktlich wieder ab. Ich habe Glück: mein Sitz 52 im Wagen 3 ist ein Fensterplatz.
13:30
In der Sonntags NZZ lese ich: das Zürcher Unternehmen Taxi 444 AG hat gestern ein Dänen für 4.000,- Franken nach Kopenhagen gefahren. Das ist ja noch günstig. Die hätten doch auch 4.444,44 Franken verlangen können, bei dem Namen.
14:30
Wir fahren auf den Gotthard zu. Ich bin die Strecke im Auto oft gefahren, aber so richtig genießen kann man sie nur aus dem Zug, wenn man nicht auf den Verkehr achten muss. Leider sieht man nicht viel von den Bergen, nur ab und zu glitzert der Schnee durch die Wolken. Eine junge Mutter mit einem wohl erst wenige Monate alten Baby kämpft sich durch den mit Gepäck vollgestellten Mittelgang. Da habe ich es leicht: mein einziger Anhang ist ein Bord-Trolley…sollte ja ein Kurztrip von 36 Stunden werden!
14:40
Von Frühling noch keine Spur hier oben, nur ganz vereinzelt ein paar Blüten an der Bäumen. Der Zug scheint Mühe zu haben mit der Steigung. Jemand beginnt laut zu schnarchen. Es ist die attraktive Italienerin schräg gegenüber. Sie verpasst nicht viel. Unser Zug verschwindet in der schwarzen Röhre des Gotthardtunnels. Das ist fast wie fliegen.
15:26
Bellinzona – fand ich immer schon viel trister als der Name klingt. Erst recht aus der Bahndamm-Perspektive.
15;46
Auf die Minute pünktlich erreichen wir Lugano. Mein Sitznachbar steigt aus, ein Herr mit schwarzer Lederjacke ergattert den Platz sofort. Er bearbeitet mit den Zähnen ein Kaugummi, leider aber meist mit offenem Mund. Wenn er ihn schließt, wird es nicht viel besser. Dann dringen seltsam knackende Geräusche nach außen. Vielleicht ein schlecht sitzendes Gebiss? Ich ahne: die Stunde bis Mailand wird lang.
16:52
Endlich sind wir da. Beim Aussteigen höre ich Griechisch. Offenbar bin ich nicht der einzige mit Ziel Hellas. Auf dem Bahnhof herrscht das totale Chaos. Von Gleis 3, wo wir angekommen sind, bis Gleis 15, wo es weitergehen soll, brauche ich eine geschlagene Viertelstunde. Immer wieder stecke ich minutenlang fest in einem Knäuel aus Menschen, Kindern und Koffern. Wenigstens im Anschlusszug ist jede Menge Platz. Es ist der Eurostar nach Napoli. Vielleicht will unter der Wolke keiner an den Vesuv? Ich fahre auch nur bis Bologna mit.
17:45
Auf halber Strecke dorthin kommen zwei Kellner mit der rollenden Minibar vorbei. Sie tragen weiße Handschuhe. Auch das hätte ich im Flieger nicht geboten bekommen.
18:20
Pünktlich ist der Eurostar in Bologna. Auch hier viel Betrieb für einen Sonntag. Und der Hinweis auf der elektronischen Anzeigetafel: „Alle Züge nach Nordeuropa sind ausgebucht bis Freitag, 23.4.“ Aber wer will von hier nach Nordeuropa? Die Abendsonne taucht die Kuppeln und Kirchtürme in ein mildes, warmes Licht. Die Kastanien stehen in voller Blüte. Aus einem offenen Fenster schallt Musik zum Bahnsteig herüber: „volare, cantare…“. Cantare: ja. Volare nein.
19:45
Im Anschlusszug. Bei Rimini bricht die Dämmerung herein. Es zieht sich. Ich hätte in Zürich doch einen Krimi kaufen sollen. Den iPod habe ich auch in Athen vergessen.
20:49
Sechs Minuten vor dem Fahrplan kommt mein Zug in Ancona an. Es ist kühl. Zehn Minuten warte ich am Bahnhof auf ein Taxi. Das Hotel über dem Hafen kenne ich aus den 80er Jahren. Es hat inzwischen einen neuen Namen, sich aber nicht wirklich verbessert. Immerhin gibt es jetzt WLAN. Gleich werde ich ins Restaurant runtergehen und Spaghetti Vongole bestellen – das wird ein Fehler sein, wie ich inzwischen weiß.
23:15
Aus meinem Zimmer sehe ich auf den Hafen hinab. Dort müsste Morgen gegen elf Superfast VI aus Patras anlegen. CNN meldet gerade, ab Morgen werde wohl wieder geflogen. Ich bin trotzdem froh, schon mal hier zu sein – auch wenn ich vielleicht zwölf Stunden später in Athen bin, als die ersten Flieger.











2 Kommentare zu “Danke, Eyjafjallajökull! (2) – Oder: ash statt cash”
As a business user Office 2007 Professional I don’t really have anything good to Office 2007 Enterprise say about Office 2007. The new interface now requires 3-4 mouse clicks where 2-3 were needed previously. Many of the keyboard shortcuts no longer work Microsoft Office 2010 or don’t work the way they used to. It’s Office 2010 Pro not possible to customise Win 7 the menu structure to any extent as Microsoft have imposed the “ribbon” structure with it’s fixed content. As a heavy office user, I found the new version of office restrictive and Windows 7 Professional un-instinctive, as if Microsoft Windows 7 have told me how i will 007 dvd work and what commands I will have easily available instead bones dvd of me being able to select my own. Oh, and you buffy the vampire slayer dvd can’t even customise a charmed dvd macro button image now! Instead dexter dvd you have to use the ones provided frasier dvd which are an anonymous dvd bunch at best.
Um auch während des Vulkan-Chaoses eine sichere Kommunikation zu garantieren, empfiehlt sich die Organisation von Webkonferenzen. In unserem oben verlinkten Blog habe ich ein Artikel speziell zu diesem Thema geschieben.
Mikogo ist ein kostenloses Desktop Sharing Tool mit dem Web Konferenzen mit bis zu 10 Personen organisiert werden können. Die Software is für private und kommerzielle Nutzung kostenlos. (www.mikogo.de)