Jetzt ist es offiziell, was alle längst wussten: Der Stress im öffentlichen Nahverkehr im Großraum Paris macht krank. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Technologia. Und nicht nur die Politik muss sich um dieses Thema kümmern.
“Die Verschlechterung der Transportbedingungen im Großraum Paris sind ein Belastungsfaktor für die Arbeitsgesundheit geworden”, warnt Technlogia-Geschäftsführer Jean-Claude Delgenes. Und empfiehlt den Unternehmen, ihre Mitarbeiter mit ihrem täglichen Martyrium in Metro und RER nicht alleine zu lassen. Denn wenn die eigenen Leute schon morgens müde und entnervt im Büro ankommen, sind sie kaum zu Höchstleistungen in der Lage.
Wollen Sie, liebe Leser, einmal einen Eindruck von der Metro-Mania bekommen, so empfehle ich Ihnen als leidgeprüfter Nutzer, doch einmal wochentags am Morgen gegen halb neun den Bahnhof Saint-Lazare zu besuchen. Helm und Ellbogenschoner nicht vergessen! An diesem Bahnhof steigen die meisten Menschen pro Tag um – in ganz Europa!
Wenn Sie hier aus einem der Vorstadtzüge aussteigen, kann es Ihnen passieren, dass Sie minutenlang regungslos auf dem Bahnsteig stehen müssen – zu viele Menschen streben Richtung Ausgang, andere drängeln in die entgegengesetzte Richtung, um den gerade angekommenen Zug zu nehmen, der nach ein paar Minuten wieder abfahren soll.
Die Verkehrsinfrastruktur ist einfach nicht mit der Bevölkerung mitgewachsen. Angesichts explodierender Wohnungspreise in Paris Stadt, ziehen vor allem Familien in die nahe gelegenen Vorstädte. Dort wird gebaut, was der Erdboden hergibt.
Zwar gibt es ein unüberschaubares Geflecht an Arbeitsgemeinschaften und Gremien, in denen sich die Kommunen rund um Paris mit der Hauptstadtverwaltung abstimmen sollen. Aber irgendwer scheint vergessen zu haben, dann mal wirklich eine Schaufel in die Hand zu nehmen und die U-Bahn-Linien zu erweitern.
Moderne Arbeitskonzepte wie Home Office wären ein Lösungsansatz, mit der Unternehmen zur Entlastung der Lage beitragen könnten. Wer täglich bis zu vier Stunden in Bussen und Bahnen hockt, könnte die Zeit daheim in Arbeitszeit verwandeln. Aber Tele-Arbeit hat so gut wie gar keinen Eingang in die französische Arbeitskultur gefunden. Wer nicht da ist, arbeitet nicht, so die überwiegende Einstellung.
Also geht das tägliche Gequäle weiter.










