Im Gesicht des Mannes fehlt die halbe Nase, der Blick des linken Auges ist leer, die linke Hand ist ein Stumpf, er hat keine Füße mehr. Die Lepra zerstörte das Äußere von Ram Kulkarni. Er sitzt stumm am Eingang seiner Hütte, seine Frau steht hinter ihm, sie ist kaum zu sehen. Lehm und Unrat häufen sich neben der Behausung der beiden zu einem stinkenden Hügel, eine struppige Katze trinkt Wasser aus einer ölig glänzenden Pfütze. Das Paar lebt in Thane, einer Kolonie für Leprakranke in Indiens Mega-Motropole Mumbay. Der Mann ist einer von etwa fünf Millionen Menschen weltweit, die von der Lepra entstellt sind. Das Schicksal dieser Unglücklichen wird am heutigen Sonntag für kurze Zeit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken: Es ist Welt-Lepra-Tag.
“Im Kampf gegen die Lepra haben wir enorme Fortschritte erzielt”, sagt Klaus Leisinger, Präsident der Novartis Stiftung
für nachhaltige Entwicklung. In den vergangenen 25 Jahren hätten 14 Millionen Männer, Frauen und Kinder eine heilende Behandlung erhalten. Viele seien früh genug zum Arzt gegangen, um Verstümmelungen vorzubeugen. Die Stiftung des
Schweizer Pharma-Multis Novartis bezahlte eigenen Angaben zufolge rund 4,5 Millionen Patienten eine Anti-Lepra-Therapie
und führt damit das private Engagement gegen die Seuche an.
In den 80er Jahren befiel die Lepra pro Jahr
Millionen Menschen. Auch wenn die Zahl der Kranken stetig zurückgeht, registrierte die Weltgesundheitsorganisation für 2008 immer noch 250.000 Neuinfektionen. “Die Schlacht ist noch nicht komplett gewonnen”, betont Novartis-Mann
Leisinger.
Die Experten der Deutschen Lepra- und
Tuberkulosehilfe (DAHW) sehen die Sache wesentlich kritischer: “Eine Ausrottung der Lepra ist nicht in Sicht”, erklärt
DAHW-Sprecher Jochen Hövekenmeier. Ein Grund dafür liege auch bei der Weltgesundheitsorganisation. “Die Erfassung der neuen Fälle laut den WHO-Richtlinien gibt kein korrektes Bild des wahren Ausmaßes der Lepra”, betont Hövekenmeier. Die Folge: Der Kampf
gegen die Lepra rutscht auf der internationalen
Gesundheits-Agenda nach unten.
Warum die Seuche sich so hartnäckig hält, erschließt sich in den
Elendsvierteln Bombays. Dort sind Menschen noch immer überzeugt, dass die Lepra eine Strafe, ein Fluch, der harte Wille
Gottes ist. Viele Infizierte verstecken die ersten sichtbaren Anzeichen, helle Flecken auf der dunklen Haut, die sich taub anfühlen.
“Nur die Mitglieder meiner Familie wussten von meiner Krankheit”, erzählt Shobha Kale und hält ihre verstümmelte Hand hoch. Sie erhält Medizin in einer Krankenstation bei Bombay. Shobha Kale
fürchtete Stigmatisierung und Diskriminierung. Sie verlor ihre Arbeit und verkroch sich in ihrem Haus. So wucherte die Lepra immer weiter – ein Teufelskreis.
Die Angst vor der sozialen Ächtung ist bei vielen stärker als das Vertrauen in die Therapie. “Behinderungen und Verunstaltungen bleiben der Hauptgrund für die Diskriminierungen”, erklärt Atul Shah. Der Mediziner kämpft im Auftrag der Novartis-Stiftung gegen die Lepra. “Leider kommen viele Patienten erst, wenn es zu spät ist.” Zwar können die Ärzte die Krankheit mit der Therapie jederzeit stoppen – doch die Verunstaltungen quälen
die Menschen ein Leben lang.
Außer in Indien ist die Lepra unter anderem in Brasilien, Indonesien, Birma, dem Kongo, Mosambik und Madagaskar verbreitet.
Nach Meinung von Experten tragen die Regierungen der Verbreitungsländer selbst dazu bei, indem sie die Krankheit ignorieren, statt sie zu bekämpfen. “Die
Lepra gilt als rückständige, mittelalterliche
Krankheit”, analysiert Hövekenmeier von der DAHW. “Politiker aufstrebender Länder wie Indien und Brasilien wollen damit nichts zu tun haben.”
Artikel aus dem Januar 2010
Fluch Lepra
Rekordumsatz für die Mafia AG
Wieder einmal konnte die Cosa Nostra AG der weltweiten Krise trotzen. Nach Schätzungen des italienischen Unternehmerverbands Conferescenti ist der Umsatz der Mafia-Organisationen des Landes im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf 135 Mrd. Euro gestiegen. Die Initiative SOS Impresa des Verbands schätzt den Nettogewinn wird auf 70 Millionen Euro. Die neuen Zahlen entspricht einem Umsatzplus von rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
135 Mrd. Euro ist erschreckend hoch. Zum Vergleich: Fiat setzte im vergangenen Jahr gerade einmal 50 Mrd. Euro um.
Zu den verschiedenen Geschäfstzweigen gehören :Schmuggel ebenso wie Schutzgelder, die Abfallmafia ebenso wie “unternehmerische Aktivitäten”.
Die aufgeschlüsselte unrühmliche Bilanz findet sich unter :
Gebt den Griechen eine Atempause!
Aufatmen in Athen nach der erfolgreichen Platzierung der fünfjährigen Bonds am Dienstag: die Emission war fünffach überzeichnet, statt geplanter fünf Mrd. Euro konnte Finanzminister Papakonstantinou sogar acht Mrd. borgen – allerdings zu einem horrenden Coupon von 6,1 Prozent.
Doch die kalte Dusche kam schon einen Tag darauf: am Mittwoch fielen die griechischen Bonds ins Bodenlose, der Spread stieg auf den tiefsten Stand seit elf Jahren. Das zeigt: auch wenn die institutionellen Anleger begierig zu den hoch rentierenden Griechen-Bonds greifen, sind die Finanzmärkte noch nicht davon überzeugt, dass Griechenland die Schuldenkrise meistern kann.
Die Spekulanten bekommen Schützenhilfe von altklugen Politikern wie dem FDP-Abgeordneten Frank Schäffler, der den Ausschluss Griechenlands aus der Währungsunion fordert.
Solche irrealen Sonntagsreden helfen allerdings weder den Griechen bei ihren Konsolidierungsbemühungen, noch stützen sie den Euro. Auch dass gerade jetzt, in dieser kritischen Phase, neue Kritik am griechischen Sparprogramm aus Brüssel kommt, ist nicht hilfreich. Das ist ja alles bereits gesagt und muss nicht endlos wiederholt werden.
Natürlich ist Griechenland noch lange nicht über den Berg. Aber die Politiker und die Brüsseler EU-Kommission sollten der Athener Regierung jetzt wirklich eine Atempause geben. Nur dann werden auch die Finanzmärkte zu einer realistischen Bewertung der griechischen Risiken zurückkehren.
Schüsse, Schlafentzug, schwankende Häuser II
Sonntag, 17. Januar: Mittlerweile ist das Büro der deutschen NGO eine Redaktionsstube: ARD-Hörfunk, Süddeutsche Zeitung, dpa, taz und ich, ab und zu die NZZ, haben hier ihre Laptops aufgeklappt. Wir teilen Kamerakabel, Kopfhörer und Kekse. Zwei Kollegen schlagen ihre Nachtlager im Konferenzraum auf und schlafen abwechselnd in einem Schlafsack. Wir heuern einen jungen Haitianer an, da viele Menschen nur kreolisch sprechen, eine Mischung aus Französisch und afrikanischen Dialekten. Wir fahren zum Friedhof, wo aufgedunsene Bebenopfer, die wie Puppen aussehen, in Massengräber verklappt werden. Davor liegen drei Jungen, angeblich Plünderer, die vor Minuten von der Polizei erschossen wurden. Etwas abseits stirbt auf dem Bürgersteig ein vierter. Ein Dutzend Menschen sieht ihm dabei zu, eine US-Fotografin schießt ein Close-Up von der Brustwunde, aus der eine gelb-rote Masse quillt. Der Sterbende röchelt mit letzter Kraft und bittet die Reporterin um Hilfe. Sie drückt auf den Auslöser und zieht wieder ab. Zwei Stunden später fahren wir noch einmal am Friedhof vorbei. Das Massengrab ist zugeschüttet. Auf dem Bürgersteig ist die gelb-rote Lache verkrustet. Die Fotografin sitzt später im Hotel Oloffson und isst ein Omelett, während sie die Bilder auf den Computer lädt. Es ist der ganz normale Wahnsinn in diesen Tagen in einer Stadt, die wie ein Friedhof ohne Frieden wirkt.
Montag, 18. Januar: Ein Glas Saft kostet inzwischen fünf Dollar. Unser Fahrer hat den Tarif verdoppelt. Das Bargeld wird knapp, denn die Banken sind noch immer zu. Ich erfahre, dass Micha Gaillard, ein Intellektueller, den ich immer interviewte, wenn ich in Haiti war, in den Trümmern des Justizpalastes starb. Er hatte erst vor einem Jahr seine Frau verloren, jetzt sind seine Kinder Vollwaisen. Im Hotel gegenüber unseres improvisierten Büros schlafen die Chirurgen von „Ärzte ohne Grenzen“ in Zelten. Ich habe inzwischen ein Bett im Haus meines Gastgebers ergattert. Aber Strom gibt es dort nicht mehr, weil der Generator ausgefallen ist. Ich schreibe meine Artikel nachts bei Kerzenschein oder nach Sonnenaufgang. Die Tage haben 18 bis 20 Stunden.
Dienstag, 19. Januar: Der Verkehr in der Stadt nimmt massiv zu. Die Lkw und Container-Laster mit Hilfslieferungen kommen rein und verstopfen die Straßen. Manche Wege sind weiter unpassierbar, weil der Schutt den Weg versperrt. Kleinste Distanzen mit dem Auto dauern eine Stunde. Die Gallone Sprit kostet auf dem Schwarzmarkt zwölf Dollar. Nachts liefen sich vor unserem improvisierten Büro Unbekannte eine Stunde lang Schusswechsel.
Mittwoch, 20. Januar: Um 6.03 Uhr bebt die Erde erneut. Ich merke es, weil es in den Wänden knirscht und das Haus wankt wie ein Schiff bei Seegang. Mein Herz beginnt zu rasen, ich springe auf. Als ich an der Tür ankomme, ist alles vorbei. Die Kabel vor dem Fenster baumeln noch mehrere Minuten weiter. Später höre ich, dass das Beben vom 12. Januar 32 Mal stärker war als das Nachbeben. Mittags sind wir mit der Kindernothilfe verabredet. Die Duisburger kümmern sich um Tausende Waiseninder, die in einem Zeltlager in einem Slum von Port-au-Prince betreut werden. Sie umringen die Reporter und fragen nach Essen. Manche streichen sich nur über den Magen, andere umklammern ein Bein und würden es am liebsten nicht mehr loslassen. Ich merke, dass ich an meine Grenzen komme. Mir gelingt es jeden Tag weniger, Haiti nur als Reporter zu sehen.
Donnerstag, 21. Januar: Der erste Tag ohne Recherche. Ich will mein Material aufarbeiten. Aber ich merke, dass ich für meine Texte die dreifache Zeit brauche. Ich sitze an dem Reporter-Tagebuch, schaue die Bilder an, die ich den vergangenen Tagen gemacht habe und kämpfe mit den Tränen.
Freitag, 22. Januar: Ich wache vor Morgengrauen auf und sehe aus dem Fenster meines Gastgebers, wie die Sonne über Port-au-Prince aufgeht. Von hier oben sieht es fast so aus, als liege die Stadt friedlich und unversehrt da. Ein Kollege aus Deutschland hat für uns Geld mitgebracht. Wir wollen heute in die Provinz fahren. Südlich des Epizentrums liegt Leogane, eine Stadt, die schlimmer zerstört sein soll als Port-au-Prince. Ich zweifle einen Moment, ob ich das sehen will.
Samstag, 23. Januar: Nach einer Woche das erste Mal raus aus Port-au-Prince. Der Weg nach Leogane hat was Surreales. Der Blick rechts fällt auf das Türkis des karibischen Meeres. Links Palmen und Bananenstauden. Kurz vor Leogane erreicht mich wieder die Realität. Wir fahren durch das Epizentrum. Zentimeterbreite und meterlange Risse im Asphalt. Hier hat sich am 12. Januar förmlich die Erde aufgetan. Die Zerstörung in Leogane ist unvorstellbar. Am Hauptplatz steht nur noch das Hauptschiff der Kathedrale. Der Rest sind Trümmer, Berge von Steinen und Schutt. Und Menschen, die einfach sitzen und starren. In die Zerstörung.
Sonntag, 24. Januar: Tag zehn in Haiti. Abreisetag. Mich und zwei Kollegen plagen Zweifel. Es gibt noch so viele Geschichten zu erzählen, so viele Schicksale zu beschreiben. Aber wir wissen, dass wir wieder kommen werden. Schon ganz bald.
Todeszug aus Mailand
Binario 21. So heißt das Gleis des Mailänder Hauptbahnhofs, von dem die Züge nach Auschwitz abfuhren. Hier wird heute der erste Stein für ein Denkmal der Shoa gelegt.
Nach jahrezehntelangen Bemühungen und noch bevor auch die letzten Überlebenden gestorben ist, gedenkt auch Mailand der Juden, die in die nationalsozialistischen Vernichtungslager abtransportiert wurden. Eindrucksvoll beschreibt heute in einem Artikel des Corriere della Sera eine Überlende, wie die Menschen die Fenster schlossen, als die Opfer zum Bahnhof geführt wurden.
Trotz des Schreckens ist es erfreulich, dass in diesen Tagen, in denen ein polnischer Bischof wieder einmal Zweifel am Holocaust hegt, in Mailand ein Schritt in Richtung Erinnerung gemacht wird.
Artikel und Video:
Tod auf Probe
Selbserfahrungskurse gibt es bekanntlich in allen Variationen. Doch trotz glühender Kohlen und Regenwürmerfressen dürfte kaum einer so weit gehen wie der neueste Schrei aus Korea: das „Sargseminar“. » Weiterlesen
Schüsse, Schlafentzug und schwankende Gebäude
Ein Reporter-Tagebuch aus Haiti
Dienstag, 12. Januar: Die Nachricht vom Beben erreicht mich am Flughafen von Mexiko-Stadt: „Was machst Du mit Haiti“, fragte mich ein Kollege per Mail. Ich war gerade aus Deutschland gelandet und wusste von nichts. 36 Stunden später bin ich auf dem Weg.
Freitag, 15. Januar: Ich fliege mit dem Kollegen vom ARD-Hörfunk von Mexiko aus in die Dominikanische Republik. Haiti ist nur über dem Landweg zu erreichen. In Santo Domingo kursieren Gerüchte über horrende Taxi-Preise und elend lange Wartezeiten an der Grenze. Wir finden Felipe und machen mit ihm zwei Preise aus. Einen bis Port-au-Prince, einen bis zur Grenze. Wenn er uns rüberbringt, wird er einen Monat nicht mehr arbeiten müssen. Sechs Stunden dauert die Fahrt zur Grenze, zehn Minuten die Formalitäten. Den dominikanischen Grenzern reicht der Presseausweis, die haitianischen sind schon gar nicht mehr da. Wir sind in einem Land ohne Staat. Die Fahrt nach Port-au-Prince dauert nochmal eine Stunde. Die Ankunft in der zerstörten Stadt ist chaotischer als sonst. Trauben von Menschen stehen am Straßenrand, der Blick ausdruckslos, andere Hetzen mit Koffern auf dem Kopf durch die Trümmer. Wir wissen noch nicht, wo wir schlafen oder arbeiten können. Die Hotels sind zerstört oder überfüllt mit Helfern und Journalisten. Erster Anlaufpunkt wird das Büro der Welthungerhilfe. Als die Nacht hereinbricht, tauchen Ölfunzeln, Kerzen und brennende Müllberge die Stadt ins Zwielicht. Die Dunkelheit ist erfüllt vom Wispern der Menschen, die zu Zehntausenden auf Gehwegen, Plätzen oder vor Geschäften campieren. Der Chef der Welthungerhilfe bietet mir für die erste Nacht seine Couch an.
Sonnabend, 16. Januar: Ich fürchte das erste Licht des Tages und den Blick auf die Zerstörung. Ich kannte Haiti von drei Reisen vorher, aber ich erkenne viele Ecken nicht wieder. Vorher war Port-au-Prince bettelarm, jetzt ist es zerstört, in vielen Ecken tot. Ich ahne, was mich in den kommenden Tagen erwartet. Angesichts der Fassungslosigkeit wirken die logistischen Probleme gering. Wir überzeugen Felipe, den dominikanischen Fahrer, zu bleiben, teilen uns mit mehreren den Preis, den er fordert. Taxis gab es schon vor dem Beben nicht in Port-au-Prince, jetzt sind selbst die Tap-Taps verschwunden, die bunt bemalten Busse. Es gibt keinen Sprit, die Tankstellen sind zu. Auch die Banken. Geschäfte haben aus Angst vor Plünderungen geschlossen. Am ersten Tag essen wir die Müsliriegel, die wir aus Mexiko mitgebracht haben. Arbeiten dürfen wir weiter bei der Welthungerhilfe. Strom und Internet gibt es den Tag über. Meistens. Kaffe gibt es immer. In der zweiten Nacht darf ich nochmal auf der Couch der Bürochefs pennen.
Καλη Χρονια!
Griechenland in der Krise? Nicht beim Simsen. Eifriger als je zuvor sausten die Daumen der Hellenen während der zurückliegenden Festtage über die kleinen Handy-Tastaturen, um einander Glück zu wünschen – können sie ja auch gebrauchen, angesichts des Finanzdesasters, das dem Land droht.
415 Millionen SMS versandten die Griechen zwischen Heiligabend und Neujahr – überwiegend wohl Wünsche wie καλα Χριστουγεννα (Frohe Weihnachten) und καλη Χρονια (Gutes neues Jahr). 2008 hatten die drei griechischen Mobilfunkbetreiber nur 311 Millionen Botschaften registriert. Mithin ergibt sich für das Jahr 2009 eine Zunahme von 33 Prozent.
Die kommunikationsfreudigen und mitteilungsbedürftigen Griechen gehören zu den eifrigsten Handy-Benutzern in Europa. Sie geben fast 20 Prozent mehr für Mobilfunkgeräte und Gespräche aus als die Deutschen.
Viele werden sich über die Glückwünsche zu den Festtagen gefreut haben, vor allem aber die Mobilfunkbetreiber. Ihnen bescherten die Festtags-SMS einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro.
Größter Nutznießer war mit 199 Millionen SMS der Marktführer Cosmote, eine Tochter von Hellenic Telecom (OTE), an der die Deutsche Telekom eine strategische Beteiligung von 30 Prozent hält. Auf dem zweiten Rang folgt der Netzbetreiber Wind mit 111 Millionen SMS, auf dem dritten Vodafone mit 105 Millionen.
Von den vielen Glückwunsch-SMS profitiert übrigens auch der Athener Finanzminister: die Sondersteuern auf Mobilfunkrechnungen wurden erst kürzlich kräftig erhöht.
Tremonti und Papst vereint gegen die Ökonomen
Wer hätte das gedacht, dass Italiens Finanzminister Giulio Tremonti vom Heiligen Vater persönlich Schützenhilfe bekommt ?
Der Anlass ? In seiner Predigt am Sonntag mahnte Benedikt XVI, die Menschen sollten nur Gott und nicht den Vorhersagungen von Zauberern und Ökonomen trauen ! Das Wasser auf den Mühlen Tremontis, hatte der doch bereits im Sommer die Ökonomen mit Harry Potter verglichen und ihnen geraten, zum Wohle des Gemeinwohls zwei Jahre still zu sein. Die Schelte des Ministers hatte einen Protestbrief renommierter Wirtschaftswissenschaftler zur Folge.
Nun fühlt sich Tremonti vom Heiligen Vater höchst persönlich bestätigt, denn er schon in der Vergangenheit für dessen weise Vorhersehung der Finanzkrise gelobt hat: 1985 habe der damalige Kardinal Ratzinger in einem Artikel geschrieben, dass eine ungeregelte Wirtschaft zum Kollaps führen werde.
Die Wege des Herrn sind unergründlich.
Hilfe
Es war eine üble Rutschpartie: Vor wenigen Tagen besuchte ich den Walliser Skiort Haute Nendaz. Alles so richtig schön Schweiz dort, die Chalets, das Raclette und die gesalzenen Preise. Als ich alles gesehen hatte, wollte ich zurück nach Genf fahren. Doch das Glatteis vereitelte die Pläne. Mein Auto, ein BMW 525i, Baujahr 1993, sehr zuverlässig, sehr schwer, packte den steilen, geschlängelten Weg zur Hauptsraße nicht. Die Reifen drehten durch, das Gefährt rutschte immer wieder das Sträßchen runter. So gut zwanzig Minuten kämpfte ich gegen den Berg an. Umsonst. Als ich aufgab, tauchte hinter einer Kurve ein Deutscher auf, ich kannte ihn nicht. Er winkte mit einer Tasche – Schneeketten. Sofort machte er sich ans Werk, Eisregen und Kühlhaus-Temperaturen konnten ihn nicht entmutigen. Kurz darauf tauchte ein zweiter Deutscher auf. Auch er half. Klaus und Daniel tricksten 45 Minuten, dann saßen die Schneeketten. Mein Wagen schob sich den Weg hinauf. Die beiden bibberten, hatten Öl verschmierte Hände, waren total nass und lachten: Sie waren meine Retter in der Not. Ihre Aktion beeindruckte mich stark. Ich gab ihnen eine Flasche Champagner, Rotwein und Pralinen. Nicht jeder hätte an diesem scheußlichen Frosttag einem Unbekannten aus der Patsche geholfen.


