»Gerd Höhler 15. September 2008, 21:51 Uhr

Heizöl auf Pump

Auch die Griechen werden im kommenden Winter voraussichtlich viel tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn die Wohnung warm sein soll. Übersteigen die Heizkosten das Familienbudget? Dann hilft die Bank.Wohin der Ölpreis geht, bis es bei uns hier am Mittelmeer richtig kalt wird, weiß natürlich keiner. Gesetzlich verpflichtet ist der Hausbesitzer erst ab 1. November, für seine Mieter die Heizung einzuschalten. Meist braucht man sie aber erst im Dezember oder Januar. Auch wenn der Ölpreis bis dahin weiter nachgeben könnte: mit 90 Cent pro Liter liegen die Heizölpreise in Griechenland zurzeit noch deutlich über dem Niveau des vergangenen Winters. Damals musste man rund 60 Cent bezahlen.
30 Prozent mehr für Heizkosten, das kann sich nicht jede Familie ohne weiteres leisten. Deshalb werben jetzt die griechischen Banken um neue Kunden – „Heizkredite“ heißt das Geschäftsmodell. Zwischen 500 und 3000 Euro kann man sich leihen, zu einem Zins von 5,5 bis sechs Prozent. Das klingt einigermaßen fair, wenn man bedenkt, dass man für einen normalen Verbraucherkredit in Griechenland rund zehn Prozent Zinsen zahlt. Wer das Heizöl mit seiner Kreditkarte bezahlt und abstottert, wird sogar mit 17 Prozent oder mehr zur Kasse gebeten.
Die Banken locken überdies mit schneller Abwicklung: Sicherheiten sind nicht erforderlich, in rund einer Stunde hat man sein Geld. Laufzeit der Darlehen: zwölf bis 24 Monate. Das ist die deprimierende Seite der Medaille: 2010 noch die Heizkosten für 2008 abzahlen zu müssen. Keine besonders kuschelige Vision. Da könnte man fast in Versuchung geraten, aufs Global Warming zu hoffen – sofern man wenigstens die Klimaanlage abbezahlt hat.
Aber auch aus Sicht der Banken, die ihren Kunden ziemlich aggressiv immer neue Darlehen, weitere Kreditkarten und höhere Überziehungslimits aufdrängen, könnte es Anlass geben, nachdenklich zu werden. Zwar liegt die Verschuldung der griechischen Haushalte immer noch weiter unter dem Durchschnitt der Eurozone. Aber bei den meisten Banken hält das Wachstum der Einlagen längst nicht mehr Schritt mit den ausliegenden Krediten. Sie müssen also diese Darlehen auf dem Interbankmarkt finanzieren – zu immer ungünstigeren Konditionen. Noch trösten sich die großen griechischen Banken mit den hohen Wachstumsraten, die sie im Auslandsgeschäft in den Balkanmärkten, in Osteuropa, der Türkei und auch Ägypten erwirtschaften. Der Pferdefuß: das Wachstum in diesen Märkten beruht vor allem auf dem Kreditgeschäft – und finanziert wurden diese Darlehen bisher zu einem großen Teil mit den Einlagen der griechischen Kunden auf dem Heimatmarkt. Die griechischen Banken mögen von der Immobilienkrise nicht unmittelbar betroffen sein, weil sie keine entsprechenden Papiere in den Portfolien hatten. Aber von den höheren Refinanzierungskosten sind gerade sie mit ihrem hohen Kreditwachstum betroffen.
Vorsicht also bei Heizölkrediten, möchte man den Bankern zurufen – und den Verbrauchern sowieso.

»Gerd Höhler 15. September 2008, 21:51 Uhr

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