Ein Tokioter Gericht hat heute den prominenten Wirtschaftswissenschaftler Kazuhide Uekusa wegen sexueller Belästigung in öffentlichen Verkehrsmitteln verurteilt. Der Fall erregt in Japan erhebliches Aufsehen: Uekusa war nicht nur Professor an der Spitzenuni Waseda, er hat auch im Fernsehen bei hohen Einschaltquoten das Wirtschaftsgeschehen erklärt.Mit allen Anzeichen der Entrüstung beteuerte der 46-Jährige heute seine Unschuld. Mehrere Zeugen bestätigten jedoch die Version der betroffenen jungen Frau. Andere Richter haben den ehemalige Professor zudem in zwei anderen Fällen wegen Belästigung verurteilt.
Im April 2004 beispielsweise soll er einen Spiegel benutzt haben, um jungen Mädchen auf der Rolltreppe unter den Rock zu schauen. Deswegen hat er seinen Job an der Waseda-Universität verloren. Seine Anhänger bestehen dennoch darauf, dass er einfach wiederholt Opfer von Verleumdung wurde.
Der Hintergrund des Urteils wie auch der Zweifel an Uekusas Schuld: Seit einer Verschärfung der Gesetze zum Schutz von Frauen vor Übergriffen liegt es beim Täter, seine Unschuld zu belegen. Damit ist aus praktischen Gründen die übliche Beweislast umgekehrt.
Angeblich treiben in den U-Bahnen nun auch jugendliche Erpressergangs ihr Unwesen. Während der Rush-Hour ruft ein Mädchen in Schuluniform plötzlich: “Sexuelle Belästigung!”. Ihre Spießgesellen zerren einen möglichst betucht aussehenden Fahrgast auf den Bahnsteig und in Richtung Polizeibox. Unterwegs eröffnen sie dem Opfer eine Option: Gegen Zahlung von 600 Euro ließen sich Ruf, Karriere und Ehe vor der sicheren Verurteilung wegen eines U-Bahn-Übergriffs retten…
Uekusa jedenfalls muss erst einmal für vier Monate ins Gefängnis. Und eines ist klar: Der prominente Fall dürfte künftig abschreckend wirken.











3 Kommentare zu “Ökonom wegen Belästigung in der U-Bahn verurteilt”
Ist Tradition in Japan.
Die meisten Frauen laßen es geschehen, wenn keine Möglichkeit zur Flucht, im Gedränge der U-Bahn besteht.
Die Grapscher wollen und können es sich nach jahrzentelanger Gewohnheit nicht mehr abgewöhnen.
Die Kids sind eh skrupellos, vor allem Gaijins gegenüber.
Im sexuell verklemmten Japan ist das Unter-den-Rock-mit-Spiegel-schauen noch “in”?
Haben die keine Porno, Pornomanga oder Freundenhäuser?
Welche Zeitzone ist Japan? 1973?
Manchmal wünschte man sich, kein Mann mehr zu sein.
Gerechtigkeit hat man im Alltag, im Familien-, im Arbeitsrecht ohnehin kaum zu erwarten. Jetzt muss man fürchten, wegen jeder Kleinigkeit oder auch vorsätzlich falsch angezeigt zu werden, gegebenenfalls seinen Job, sein heim zu verlieren.
Gewaltschutz nennt sich sowas und Gleichberechtigung – lädt aber gerade zu Unrecht ein.