Raffen und Rauben II

Die Geschichte der Duvaliers in Haiti beginnt, wie so viele Geschichten von  Machthabern begonnen haben. Mit einer Wahl, mit viel Zustimmung und noch mehr Hoffnung.  Der Arzt Francois Duvalier – „ Papa Doc“ – wurde am 22. September 1957 mit überragender Mehrheit zum Präsidenten Haitis gewählt. Vorausgegangen waren Jahre des Chaos, von Umstürzen und poltischen Morden. Duvalier war ein schmächtiger und kleiner Mann mit einem bescheidenen und zurückhaltenden Auftreten. Niemand hätte damals gedacht, dass er sich zu einem veritablen Diktator aufschwingen würde. 1961 ließ er sich wiederwählen und 1964 auf Lebenszeit im Amt bestätigen. Schon damals mit groß angelegtem Betrug. Er regierte 14 Jahre lang bis zu seinem Tod 1971.

Legendär wurden seine Raffgier und seine Brutalität. Er schuf die allseits gefürchteten „Tonton Macoutes“, die eine Mischung aus Tot-Schlägertrupp und Geheimdienst war. Schätzungen zufolge erschossen, erschlugen oder zerstückelten sie in der Doppel-Diktatur der Duvaliers 60.000 Menschen.

Papa Doc presste seinem Volk alles ab und ließ am Ende seiner Amtszeit fast die gesamte Wirtschaft für sich arbeiten. So flossen die Gewinne der staatlichen Tabakgesellschaft direkt in seine Tasche. Später erhielt der Staat auch noch das Monopol auf Mehl, Zucker, Alkohol und den Import von Fahrzeugen. Als der klein gewachsene Größenwahnsinnige auch noch eine neue Hauptstadt – Duvalierville – errichten wollte, erfand der für sein Volk auch noch neue Abgaben, um das Egomanen-Projekt zu finanzieren.  So zum Beispiel eine Steuer für Telefonanschlüsse in einem Telefonnetz, das praktisch nicht existierte. Das Eintreiben der Steuern übernahmen in gewohnter Zuverlässigkeit die Tonton Macoutes, das Geld selbst floss auf Konten unter anderem in der Schweiz.

Als Papa Doc erkrankte, baute er seinen damals 18 Jahre alten Sohn als Nachfolger auf. Jean-Claude war deutlich größer als sein Vater, kräftig und linkisch. Der Alte ließ noch schnell vor seinem Tod die Verfassung ändern und setzte das Mindestalter für den Präsidenten-Job von 40 auf 18 herab. In einem Operetten-Referendum sprachen sich dann noch rasch  2.391.916 Haitianer für Duvalier II. als Nachfolger von Duvalier I. aus. Gegenstimmen wurden im Übrigen keine abgegeben. So konnte Papa Doc am 21. April beruhigt sterben und Jean-Claude mit 19 Jahren Präsident werden. „Baby Doc“ war damals jüngster Staatschef der Welt.

Ende der siebziger Jahre drehte der Wind in den USA mit Präsident Jimmy. Baby Doc machte ein paar scheindemokratische Zugeständnisse an die Opposition und die Presse, um nicht die Entwicklungsgelder aus Washington zu gefährden. Aber schon mit Amtsantritt von Ronald Reagan, kehrte er wieder zu den Unterdrückungsmethoden seines Vaters zurück: Knebelung der Presse, Knast und Mord für Oppositionelle.

Doch die zeitweilige Lockerung der Repression hatte einen unumkehrbaren Prozess in Gang gebracht, der das Ende der Duvalier-Diktatur bedeuteten sollte. Als Papst Johannes Paul II. 1983 bei seinem Besuch  in Haiti mit dem berühmten Satz „il faut que les choses changent“ („Veränderung ist nötig“) der Opposition und den Priestern der Befreiungstheologie neuen Wind gab, war das Ende von Baby Doc besiegelt. In der Folge kam es immer wieder zu Protesten und Demonstrationen, ausgelöst durch Hunger und Versorgungsengpässe. Als im November 1985 Polizisten und Tonton Macoutes Demonstranten töteten, kam es in ganz Haiti zu Protesten gegen die Regierung. Schließich senkte auch US-Präsident Reagan den Daumen über Duvalier. Was blieb war die schmachvolle Flucht auf prallen Geldkoffern.

Diese traurige haitianische Parabel wiederholte sich anschließend mit dem Armenpriester Jean-Bertrand Aristide. Er war 1991 auf einer bis dahin ungekannten Woge der Zustimmung ins Amt gewählt, aber in guter haitianischer Tradition kurz danach vom Militär gestürzt worden. Zwar hievten die USA ihn 1994 mit einer Invasionsarmee wieder ins Amt, aber spätestens nach seiner Wiederwahl 2000 trat er in die Fußstapfen seiner Vorgänger und wurde ein typisch haitianischer Präsident: Er unterdrückte seine Gegner und bediente sich in der Staatskasse. Am 29. Februar 2004 musste auch er ins Exil nach Südafrika fliehen.

Metro macht malade

Jetzt ist es offiziell, was alle längst wussten: Der Stress im öffentlichen Nahverkehr im Großraum Paris macht krank. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Technologia. Und nicht nur die Politik muss sich um dieses Thema kümmern.

“Die Verschlechterung der Transportbedingungen im Großraum Paris sind ein Belastungsfaktor für die Arbeitsgesundheit geworden”, warnt Technlogia-Geschäftsführer Jean-Claude Delgenes. Und empfiehlt den Unternehmen, ihre Mitarbeiter mit ihrem täglichen Martyrium in Metro und RER nicht alleine zu lassen. Denn wenn die eigenen Leute schon morgens müde und entnervt im Büro ankommen, sind sie kaum zu Höchstleistungen in der Lage.

Wollen Sie, liebe Leser, einmal einen Eindruck von der Metro-Mania bekommen, so empfehle ich Ihnen als leidgeprüfter Nutzer, doch einmal wochentags am Morgen gegen halb neun den Bahnhof Saint-Lazare zu besuchen. Helm und Ellbogenschoner nicht vergessen! An diesem Bahnhof steigen die meisten Menschen pro Tag um – in ganz Europa!

Wenn Sie hier aus einem der Vorstadtzüge aussteigen, kann es Ihnen passieren, dass Sie minutenlang regungslos auf dem Bahnsteig stehen müssen – zu viele Menschen streben Richtung Ausgang, andere drängeln in die entgegengesetzte Richtung, um den gerade angekommenen Zug zu nehmen, der nach ein paar Minuten wieder abfahren soll.

Die Verkehrsinfrastruktur ist einfach nicht mit der Bevölkerung mitgewachsen. Angesichts explodierender Wohnungspreise in Paris Stadt, ziehen vor allem Familien in die nahe gelegenen Vorstädte. Dort wird gebaut, was der Erdboden hergibt.

Zwar gibt es ein unüberschaubares Geflecht an Arbeitsgemeinschaften und Gremien, in denen sich die Kommunen rund um Paris mit der Hauptstadtverwaltung abstimmen sollen. Aber irgendwer scheint vergessen zu haben, dann mal wirklich eine Schaufel in die Hand zu nehmen und die U-Bahn-Linien zu erweitern.

Moderne Arbeitskonzepte wie Home Office wären ein Lösungsansatz, mit der Unternehmen zur Entlastung der Lage beitragen könnten. Wer täglich bis zu vier Stunden in Bussen und Bahnen hockt, könnte die Zeit daheim in Arbeitszeit verwandeln.  Aber Tele-Arbeit hat so gut wie gar keinen Eingang in die französische Arbeitskultur gefunden. Wer nicht da ist, arbeitet nicht, so die überwiegende Einstellung. 

Also geht das tägliche Gequäle weiter.

Raffen und Rauben I

Wie die Doppel-Diktatoren Duvalier aus ihrem Volk Millionen auspressten

4,6 Millionen Duvalier-Dollar. Was könnte man damit in Haiti alles machen. Schulen wieder aufbauen, Kinder aus der Sklaverei befreien. Oder Ärzte und Lehrer ausbilden. Sie fehlten in Haiti bereits vor dem Beben. Nun gibt es Mediziner und Pädagogen fast gar nicht mehr. Und die ausländischen Helfer können oft nur noch die Toten zählen: Mehr als 200.000 vermeldet die Regierung in Port-au-Prince inzwischen. Menschen, die dem armen Land ebenso fehlen wie die nötigen Finanzen für den Wiederaufbau.

Doch das Geld von Haitis Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier wird nicht den Haitianern in der Heimat zu Gute kommen. Die auf einem Schweizer Bankkonto seit fast einem Vierteljahrhundert blockierten Dollar bleiben vorerst dort nutzlos eingefroren. Das oberste Schweizer Bundesgericht befand, dass die Straftaten, die Duvalier vorgeworfen werden, verjährt sind.

Zuvor hatte das Bundesamt für Justiz entschieden, das Vermögen der Bevölkerung in Haiti zur Verfügung zu stellen. Allerdings noch Monate vor der Jahrhundertkatastrophe vom 12. Januar. Dagegen gingen Mitglieder des Duvalier-Clans gerichtlich vor. Was sie einmal erfolgreich geraubt hatten, wollten sie nicht wieder hergeben. Das Bundesgericht gab ihnen jetzt Recht. Für die Rückgabe an das Volk gebe es keine Rechtsgrundlage. Die Vorwürfe gegen den Ex-Diktator Duvalier, er habe mit den Schlägertrupps „Tonton Macoutes“ eine  kriminelle Organisation gebildet, sei verjährt.

Jean-Claude Duvalier und zuvor sein Vater Francois herrschten in dem Karibikstaat von 1957 bis 1986 in Form einer „Erb-Diktatur“. Die Gewaltherrschaft der beiden trug wesentlich zu Haitis Rückständigkeit bei. Die Diktatoren und ihre Entourage ließen nicht nur durch ihre Privatarmee „Tontons Macouts“ Zehntausende töten, sondern sie plünderten das Land aus, während Demokraten und die Intelligenzia die Flucht ins Ausland antraten.

Am 7. Februar 1986 flogen die Vereinigten Staaten ihren Schützling Jean-Claude Duvalier und seinen Clan aus dem Land, nachdem Frankreich sich bereit erklärt hatte, ihn aufzunehmen. Im Gepäck hatte die Diktatoren-Familie eine Summe, die sich irgendwo zwischen 120 Millionen und 900 Millionen Dollar bewegt. Jean-Claude Duvalier besaß Konten in der Schweiz, in den USA sowie in mehreren Steueroasen. Zudem hatte der Unterdrücker-Clan Wohnungen an den exklusivsten Adressen in Paris und New York.

Während Jean-Claude als gerademal 34-jähriger Diktator im Ruhestand das geklaute Geld verprasste, bewegt sich sein geschundenes Land auf das zu, was es schon vor dem 12. Januar war: Ein vergessenes und verlorenes Stück Erde, in dem die Menschen an Hunger und an behandelbaren Krankheiten sterben – kaum fünfhundert Kilometer von Miami entfernt.

Anna Wintours Diktat in Milano

Aus sieben mach drei. Die US-Vogue-Chefin Anna Wintour hat Mailands Modewoche auf drei Tage verkürzt. Es reicht die Ankündigung der Madame aus New York, sie komme nur für drei Tage nach Italien und schon schmeißen die Designer ihre Planungen über den Haufen und konzentrieren die Schauen so, dass sie in Wintours Reiseplanung passen.

“Wir hatten einen guten Kalender vorbereitet, der sieben Tage dauerte und der jetzt wegen Wintour halbiert wurde”, beschwert sich Mario Boselli, der Chef der Modekammer in Mailand höchstpersönlich.

Spätestens seit “Der Teufel trägt Prada” wissen auch Nicht-Mode-Begeisterte, dass Wintour eine mächtige Frau in der Modewelt ist.

Dennoch stellt sich die Frage, warum das Gleiche nicht in Paris geschehen ist. Auch dort hat sich Wintour beschwert, dass die Franzosen wegen der nahen Oscar-Verleihung ihre Schauen auf wenige Tage beschränken sollen. Aber keiner hat reagiert. Das ist Courage. Corraggio Italiani !

“Kein Hochdeutsch mit Deutschen”

Lange hielt sich Christoph Blocher zurück. Der Anführer der rechtsnationalen Schweizerischen Volkspartei (SVP) bellte nicht, er beobachtete den Steuerstreit mit Deutschland nur. Dann brach es aus dem Volkstribunen heraus. „In der deutschen Regierung hat es Kriminelle“, hetzte Blocher in der Sendung „TalkTäglich“ von TeleZüri. Die Breitseite des Milliardärs gegen das Merkel-Kabinett in Berlin ist schriller Höhepunkt einer emotional aufgepeitschten Debatte in der Schweiz: Seit Tagen diktiert der geplante Kauf einer Liste mit deutschen Steuersündern durch Berlin die Politik des kleinen Landes. Helvetien fühlt sich von seinem wichtigsten internationalen Partner an die Wand gedrängt, verraten und gedemütigt. Das Verhältnis der beiden ungleichen Nachbarn dürfte durch Berlins forschen Coup auf lange Zeit massiv beschädigt werden: Den Preis für das Debakel könnten jetzt die Deutschen in der Schweiz zahlen.

Inzwischen leben rund 250.000 Männer, Frauen und Kinder aus dem „großen Kanton“ in der Alpenrepublik; ihre Zahl nimmt ständig zu. „Man beobachtet den Streit schon mit ernster Sorge“, sagt ein deutscher Banker aus Zürich, der anonym bleiben will. „Die antideutsche Stimmung droht zu eskalieren.“
Zumal die größte Partei des Landes, die SVP, gibt in der Kampagne gegen die Deutschen den Takt vor. In Anzeigen behauptete der Zürcher Verband der Rechtsnationalen, in der Hochschullandschaft herrsche ein „deutscher Filz“. Der SVP-Chefideologe Christoph Mörgeli zischte in einer Talkshow, es sei eine „Kriechhaltung“ gegenüber den Deutschen, dass die Universität Bern der Bundeskanzlerin Angela Merkel die Ehrendoktorwürde verliehen habe. Andere SVP-Ultras rufen immer mal wieder zum Boykott deutscher Waren auf.

Die antideutschen Ressentiments breiten sich im gesamten politischen Spektrum aus. Der Medienunternehmer Roger Schawinski, ein langjähriger Kämpfer gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, verlangte, die Schweizer sollten mit den Deutschen nicht mehr Hochdeutsch sprechen. „Bei den Jugoslawen sagen wir auch, die Integration geschieht vor allem über die Sprache“, wird Schawinski in einem Beitrag des liberalen Tages-Anzeigers zitiert.
Die Medien reiten ohnehin seit Jahren Attacken gegen die Zuzügler aus dem Norden. Mal fragen Zeitungen voller Sorge: „Kommen ab heute noch mehr Deutsche in die Schweiz?“ Oder: „Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz?“ Dann wird seitenweise beschrieben „Wie sich die Germanen in der Kolonie Helvetien ausbreiten“. Und es wird unterstellt, Deutsche gierten „scharenweise“ nach dem Schweizer Pass.
Vor allem fürchten die Eidgenossen um ihre Chancen auf dem enger werdenden Arbeitsmarkt. Die Wirtschaftskrise verschärft auch in der einst so gemütlichen Schweiz die Konkurrenz. Und es sind meist gut qualifizierte Männer und Frauen aus der Bundesrepublik, die es in die Eidgenossenschaft zieht: In der Finanzbranche, in Universitäten und Krankenhäusern nimmt ihre Zahl stetig zu. So stellen die Deutschen schon fast ein Drittel der Professoren an der Universität Bern. SVP-Hardliner Mörgeli bringt den Groll vieler Schweizer über die deutschen Migranten auf den Punkt: „Wenn man hier immer Steuern bezahlt und Militärdienst geleistet hat, dann staunt man schon ein bisschen, wenn der Chef plötzlich Schulz heißt.“
Für die meisten Schweizer ist klar: Die Deutschen verdanken ihre Erfolge vor allem ihrer Ellbogenmentalität. Die Konkurrenz aus dem Norden gilt als kalt, berechnend und rücksichtslos – Charakterzüge die sich schon in der harten Sprache, dem Hochdeutschen, widerspiegeln. Das Schwyzertütsch hingegen klingt in helvetischen Ohren heimelig, stiftet Identität. Alles Negative an den Deutschen verkörpert keine Person so perfekt wie Peer Steinbrück. Erst drohte der frühere Bundesfinanzminister den Schweizern mit der „Peitsche“. Später verhöhnte er sie als „Indianer“, die bei wohldosierten Drohungen mit der „Kavallerie“ schnell die Waffen strecken. Der knorrige Ex-Kassenwart gilt in Helvetien noch immer als „Der hässliche Deutsche“. Genauso wie es vor gut einem Jahr eine Zürcher Zeitung verkündete – in Schwarz-Rot-Goldenen Balken.

Nackte Tatsachen bei Macquarie Bank

Der australische Börsenmakler David Kiely ist über Nacht eine Internet-Berühmtheit geworden, nachdem er vor laufender Fernsehkamera auf seinem Computerbildschirm Bilder einer halbnackten Frau angeschaut hatte. Der Anlageberater für wohlhabende Privatkunden bei Macquarie Bank in Sydney war sich nicht bewusst, dass hinter seinem Rücken einer seiner Kollegen dem Fernsehsender Channel Seven ein Interview zur australischen Zinspolitik gab. Ein Videoclip des Fernsehgesprächs auf YouTube wurde bis Mittwoch abend über 77000 mal aufgerufen. Darin sieht man, Kiely im Hintergrund des Fernsehbildschirms wie er eine Email-Nachricht mit Fotos des halbnackten Models Miranda Kerr öffnet. Als ihn ein Kollege auf das Fersehteam aufmerksam macht, dreht sich Kiely überrascht um. Zu spät: das Interview lief landesweit live über den Sender.

Macquarie Bank wies am Mittwoch die 115000 Angestellten in einem Email (ohne Fotos) darauf hin, dass für die Nutzung hauseigener Computer strikte Regeln gelten. Für David Kiely sieht die berufliche Zukunft eher düster aus. Am Mittwoch hatte er zwar noch seinen Job, muss sich in den kommenden Tagen aber vor seinen Vorgesetzten verantworten. Um einen Nachfolger muss sich Macquarie Bank nicht sorgen. Die erfolgreiche Investmentbank ist seit Jahren einer der gefragtesten Arbeitgeber für junge Hochschulabgänger. Nicht ohne Grund wird sie unter australischen Finanzfachleuten „Millionärsfabrik“ genannt. Selbst die Putzfrauen sollen der Legende nach Millionäre sein, da sie in den Genuss großzügiger Erfolgsbeteiligungen kommen.

Mit Sicherheit gegen Ozawa

In Sichtweite des Hauptquartiers der Demokratischen Partei Japans (DPJ) steht eine Frau im Rentenalter. Sie hält eine unwahrscheinlich hohe Fahnenstange hoch, etwa viermal länger, als die Dame selber groß ist. Auf der ganzen Länge ist ein Spruchbanner aus schwerem Stoff angebracht: „Gib alles zu, Ozawa Ichiro, Du Lügner!“ Gemeint ist der Generalsekretär der DPJ, der derzeitigen Regierungspartei. Leute wie diese Dame könnten die Mächtigen derzeit ernsthaft in Schwierigkeiten bringen. » Weiterlesen

Fluch Lepra

Im Gesicht des Mannes fehlt die halbe Nase, der Blick des linken Auges ist leer, die linke Hand ist ein Stumpf, er hat keine Füße mehr. Die Lepra zerstörte das Äußere von Ram Kulkarni. Er sitzt stumm am Eingang seiner Hütte, seine Frau steht hinter ihm, sie ist kaum zu sehen. Lehm und Unrat häufen sich neben der Behausung der beiden zu einem stinkenden Hügel, eine struppige Katze trinkt Wasser aus einer ölig glänzenden Pfütze. Das Paar lebt in Thane, einer Kolonie für Leprakranke in Indiens Mega-Motropole Mumbay. Der Mann ist einer von etwa fünf Millionen Menschen weltweit, die von der Lepra entstellt sind. Das Schicksal dieser Unglücklichen wird am heutigen Sonntag für kurze Zeit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken: Es ist Welt-Lepra-Tag.
“Im Kampf gegen die Lepra haben wir enorme Fortschritte erzielt”, sagt Klaus Leisinger, Präsident der Novartis Stiftung
für nachhaltige Entwicklung. In den vergangenen 25 Jahren hätten 14 Millionen Männer, Frauen und Kinder eine heilende Behandlung erhalten. Viele seien früh genug zum Arzt gegangen, um Verstümmelungen vorzubeugen. Die Stiftung des
Schweizer Pharma-Multis Novartis bezahlte eigenen Angaben zufolge rund 4,5 Millionen Patienten eine Anti-Lepra-Therapie
und führt damit das private Engagement gegen die Seuche an.
In den 80er Jahren befiel die Lepra pro Jahr
Millionen Menschen. Auch wenn die Zahl der Kranken stetig zurückgeht, registrierte die Weltgesundheitsorganisation für 2008 immer noch 250.000 Neuinfektionen. “Die Schlacht ist noch nicht komplett gewonnen”, betont Novartis-Mann
Leisinger.
Die Experten der Deutschen Lepra- und
Tuberkulosehilfe (DAHW) sehen die Sache wesentlich kritischer: “Eine Ausrottung der Lepra ist nicht in Sicht”, erklärt
DAHW-Sprecher Jochen Hövekenmeier. Ein Grund dafür liege auch bei der Weltgesundheitsorganisation. “Die Erfassung der neuen Fälle laut den WHO-Richtlinien gibt kein korrektes Bild des wahren Ausmaßes der Lepra”, betont Hövekenmeier. Die Folge: Der Kampf
gegen die Lepra rutscht auf der internationalen
Gesundheits-Agenda nach unten.
Warum die Seuche sich so hartnäckig hält, erschließt sich in den
Elendsvierteln Bombays. Dort sind Menschen noch immer überzeugt, dass die Lepra eine Strafe, ein Fluch, der harte Wille
Gottes ist. Viele Infizierte verstecken die ersten sichtbaren Anzeichen, helle Flecken auf der dunklen Haut, die sich taub anfühlen.
“Nur die Mitglieder meiner Familie wussten von meiner Krankheit”, erzählt Shobha Kale und hält ihre verstümmelte Hand hoch. Sie erhält Medizin in einer Krankenstation bei Bombay. Shobha Kale
fürchtete Stigmatisierung und Diskriminierung. Sie verlor ihre Arbeit und verkroch sich in ihrem Haus. So wucherte die Lepra immer weiter – ein Teufelskreis.
Die Angst vor der sozialen Ächtung ist bei vielen stärker als das Vertrauen in die Therapie. “Behinderungen und Verunstaltungen bleiben der Hauptgrund für die Diskriminierungen”, erklärt Atul Shah. Der Mediziner kämpft im Auftrag der Novartis-Stiftung gegen die Lepra. “Leider kommen viele Patienten erst, wenn es zu spät ist.” Zwar können die Ärzte die Krankheit mit der Therapie jederzeit stoppen – doch die Verunstaltungen quälen
die Menschen ein Leben lang.
Außer in Indien ist die Lepra unter anderem in Brasilien, Indonesien, Birma, dem Kongo, Mosambik und Madagaskar verbreitet.
Nach Meinung von Experten tragen die Regierungen der Verbreitungsländer selbst dazu bei, indem sie die Krankheit ignorieren, statt sie zu bekämpfen. “Die
Lepra gilt als rückständige, mittelalterliche
Krankheit”, analysiert Hövekenmeier von der DAHW. “Politiker aufstrebender Länder wie Indien und Brasilien wollen damit nichts zu tun haben.”

Rekordumsatz für die Mafia AG

Wieder einmal konnte die Cosa Nostra AG der weltweiten Krise trotzen. Nach Schätzungen des italienischen Unternehmerverbands Conferescenti ist der Umsatz der Mafia-Organisationen des Landes im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf 135 Mrd. Euro gestiegen.  Die Initiative SOS Impresa  des Verbands schätzt den Nettogewinn wird auf 70 Millionen Euro. Die neuen Zahlen entspricht einem Umsatzplus von rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

135 Mrd. Euro ist erschreckend hoch. Zum Vergleich: Fiat setzte im vergangenen Jahr gerade einmal 50 Mrd. Euro um.

Zu den verschiedenen Geschäfstzweigen gehören :Schmuggel ebenso wie Schutzgelder, die Abfallmafia ebenso wie “unternehmerische Aktivitäten”.

Die aufgeschlüsselte unrühmliche Bilanz findet sich unter :

www.sosimpresa.it

Gebt den Griechen eine Atempause!

Aufatmen in Athen nach der erfolgreichen Platzierung der fünfjährigen Bonds am Dienstag: die Emission war fünffach überzeichnet, statt geplanter fünf Mrd. Euro konnte Finanzminister Papakonstantinou sogar acht Mrd. borgen – allerdings zu einem horrenden Coupon von 6,1 Prozent.

Doch die kalte Dusche kam schon einen Tag darauf: am Mittwoch fielen die griechischen Bonds ins Bodenlose, der Spread stieg auf den tiefsten Stand seit elf Jahren. Das zeigt: auch wenn die institutionellen Anleger begierig zu den hoch rentierenden Griechen-Bonds greifen, sind die Finanzmärkte noch nicht davon überzeugt, dass Griechenland die Schuldenkrise meistern kann.

Die Spekulanten bekommen Schützenhilfe von altklugen Politikern wie dem FDP-Abgeordneten Frank Schäffler, der den Ausschluss Griechenlands aus der Währungsunion fordert.

Solche irrealen Sonntagsreden helfen allerdings weder den Griechen bei ihren Konsolidierungsbemühungen, noch stützen sie den Euro. Auch dass gerade jetzt, in dieser kritischen Phase, neue Kritik am griechischen Sparprogramm aus Brüssel kommt, ist nicht hilfreich. Das ist ja alles bereits gesagt und muss nicht endlos wiederholt werden.

Natürlich ist Griechenland noch lange nicht über den Berg. Aber die Politiker und die Brüsseler EU-Kommission sollten der Athener Regierung jetzt wirklich eine Atempause geben. Nur dann werden auch die Finanzmärkte zu einer realistischen Bewertung der griechischen Risiken zurückkehren.