„Wie war es damals“, frage ich Bill Lange. Er lächelt verschmitzt und antwortet dann: „Ich war deutlich jünger.“ Bill Lange ist 51 Jahre alt. Was mich interessiert, ist seine Beteiligung an einem Unternehmen im Jahr 1985. Exakt heute vor 25 Jahren wurde im Nordatlantik das Wrack der Titanic entdeckt. Bill Lange war als junger Ingenieur und Spezialist in Unterwasserfotografie dabei. » Weiterlesen
Erneut blutiges Wochenende in Mexiko
Nur wenige Tage nach dem Mord an 72 Migranten im Norden Mexikos hat der Drogenkrieg am Wochenende erneut mehrere Dutzend Menschen das Leben gekostet. Nach Angaben der Behörden wurden alleine bis zum Sonntag an verschiedenen Orten des Landes 48 Menschen tot aufgefunden. Die große Mehrzahl von ihnen wurde offensichtlich hingerichtet. » Weiterlesen
Konsens statt Konfrontation
Der politische Kuhhandel in Canberra geht in die zweite Woche. Die großen Parteien verhandeln weiter mit den vier Unabhängigen, die vorletzten Samstag ins Parlament gewählt worden waren. Labor-Premierministerin Julia Gillard und ihr konservativer Herausforderer Tony Abbott werden sich gegenseitig mit Zugeständnissen überwerfen, um den Zuschlag der Vier zu erhalten. Labor hat es in den Wahlen auf nur 72 Sitze im Unterhaus geschafft, die Konservativen auf nur 73. Um die Regierung stellen zu können, braucht eine Partei mindestens 76 Sitze im 150sitzigen Repräsentantenhaus.
Eine solche Pattsituation hat es in Australien seit 70 Jahren nicht mehr gegeben. Seit 70 Jahren teilten sich Labor und die Konservativen quasi die Macht – abwechslungsweise. Doch von dieser inzestuösen Situation haben die Australierinnen und Australier offenbar genug. Denn wer auch immer den Zuschlag der Unabhängigen erhalten wird, sieht sich mit einer komplett neuen politischen Realität konfrontiert. Künftig wird der Konsens regieren müssen. Nicht nur muss die neue Regierung die Ansprüche und Forderungen der Unabhängigen berücksichtigen. Eine weitere Neuheit ist ein grüner Parlamentarier, der es ins Repräsentantenhaus schaffte.
Gerade revolutionär ist die Situation im Senat. Im Oberhaus, dessen neue Legislaturperiode im Juli nächsten Jahres beginnen wird, werden neun grüne Abgeordnete das Zünglein an der Waage spielen. Dass bedeutet: jedes Gesetz der Regierung wird nur passieren, wenn es den Zuschlag der Umweltpartei erhält. Erst aber müssen sich die Parteien um die Unabhängigen kümmern. Die Verhandlungen finden zwar weiterhin hinter geschlossenen Türen statt. Doch es ist klar, dass die vier viele und substanzielle Konzessionen für ihre ländlichen Wahlkreise herausschlagen werden.
Die neue politische Situation, die Konsens fordert statt Konfrontation, irritiert einige konservative Parlamentarier. Sie haben eine Schmutzkampagne gegen einen der Unabhängigen gestartet. Sie werfen Rob Oakeshott vor, zu progressiv zu denken. Er hat sich für Maßnahmen gegen den Klimawandel ausgesprochen, und für eine menschlichen Umgang mit Asylbewerbern. Doch die Charakter-Attentäter spielen mit dem Feuer: ihr Opfer hält ihre politische Zukunft in der Hand.
Griechen fliehen vor der Krise
Immer mehr junge Griechen sehen in ihrem Land keine Zukunft. Sie wollen im Ausland Arbeit suchen. Ausgerechnet die Qualifiziertesten wollen dem Land den Rücken kehren: Hochschulabsolventen. Neben der akuten Wirtschaftskrise treiben auch die grassierende Korruption und mangelndes Vertrauen in Politiker und Parteien die jungen Griechen in die Flucht. Griechenland droht ein Akademiker-Aderlass. » Weiterlesen
Chinesen kopieren Carrefour
Die Manager des Handelskonzerns Carrefour staunten nicht schlecht: Einer chinesischen Marktstudie zufolge sollte es in der Stadt Fuyang schon 160 Supermärkte der französischen Marke geben. Dabei waren sie nach Wissen der Zentrale gar nicht dort präsent. Im ganzen Land hat der Konzern bisher nur 157 Filialen.
Ein Ortstermin klärte das Rätsel. Schon seit 2002 betreibt eine chinesische Firma dort Märkte mit dem gleichen chinesischen Namen “Jialefu” und einem blauen Logo – dem Original zum Verwechseln ähnlich. Carrefour zieht jetzt vor Gericht, doch die Chinesen verteidigen sich bereits mit ziemlich dreisten Argumenten.
Mexiko-Stadt verbannt Plastiktüten
Wer bisher in Mexiko-Stadt einkaufen ging, musste sich um den Transport seiner Waren keine Gedanken machen. An der Kasse des Supermarktes standen die Einpacker und wuchteten Wurst und Wein in Plastiktüten. Wer mit der eigenen Jutetasche oder dem Rucksack kam, erntete verständnislose Blicke. Schließlich gab es die dünnen Plastebeutel umsonst. 20 Millionen von ihnen werden täglich in Supermärkten, auf Märkten und in Tante-Emma-Läden in der Hauptstadt an den Kunden gebracht. » Weiterlesen
Summer in the City
Mitte August in Athen: da zeigt die griechische Metropole ihr menschliches Gesicht. Denn geschätzt zwei der vier Millionen Hauptstadtbewohner sind in Ferien.
Die Daheimgebliebenen, wie ich, haben vor allem eins: viel Platz.
Der Autoverkehr läuft flüssig, selbst im Zenmrum findet man Parkplätze. Und die Luft enthält weniger Abgase. » Weiterlesen
Grünes Zünglein an der Waage
Vier Sitze. Das ist die Mehrheit, die laut Meinungsforschern die Laborpartei nach den Wahlen am Samstag im australischen Repräsentantenhaus noch haben könnte. Ein Verlust von neun der bisher 88 Labor-Sitze im 150sitzigen Unterhaus. Seit Wochen zittert die australische Premierministerin Julia Gillard, sie könnte ihren Job an den konservativen Herausforderer Tony Abbott verlieren. Vielleicht aber sitzt der wirkliche Gegner für beide Politiker ganz woanders.
Das Singen der Nationalhymne durch eine Gruppe Schulkinder war so ziemlich der einzige Beitrag mit Unterhaltungswert während der Lancierung der Labor-Wahlkampagne in Brisbane diese woche. Sparen war angesagt; nicht mal eine australische Flagge stand im Hintergrund, als Premierministerin Julia Gillard die Parteiparolen verlas. Und selbst diese erinnerten zeitweise an die eines anderen Politikers.
„Ja wir wollen. Ja wir wollen mit Selbstvertrauen und Optimismus vorwärts gehen, ja wir wollen unsere Wirtschaft stärker werden lassen, Tag für Tag“, meinte die Regierungschefin. Die schamlose Anlehnung an Barack Obama’s „Yes we can“, ist eines von vielen Zeichen dafür, dass die Parlamentswahlen in Australien in den letzten Jahren präsidialer geworden sind. Man wählt die Person mehr als die Partei, man hört auf die besten Parolen. Die sind in diesem Wahlkampf überlebenswichtig geworden. Denn wirkliche Inhalte, politische Substanz, hört man in diesen Wochen kaum.
Kein Wahlkampf in der Geschichte Australiens war so orchestriert wie dieser. Jedes Wort ist geplant, Sätze sorgfältig von politischen Beratern auf ihre Wirksamkeit geprüft. Gillard hat einen Slogan: sie will „vorwärts gehen“, während ihr Herausforderer Tony Abbott ein rückwärts denkender Mann sei. Abbott hat einen anderen: er wirft Gillard „Verschwendung von Steuergeldern“ vor. Die Laborregierung hatte während der Finanzkrise Milliarden investiert, um das Land vor der Rezession zu retten. Erfolgreich übrigens, wie internationale Experten loben.
Die Parolen sind zwar anders, die politischen Programme dagegen in vielem ähnlich. Beispiel Bootsflüchtlinge, ein Hauptthema. 5000 kommen pro Jahr von Indonesien aus in australische Gewässer. Gillard will sie nach Osttimor schicken, Abbott auf die Pazifikinsel Nauru. Enden werden sie so oder so in Australien. Wie die Vergangenheit zeigt, handelt es sich bei fast allen um echte Flüchtlinge mit Anspruch auf Asyl. Doch das Thema ist emotional, und beide Politiker nutzen es, um die Massen mit ein bisschen Xenophobie von der größten Herausforderung abzulenken, die Australien hat.
„Die großen Parteien wissen, dass das Volk Maßnahmen gegen Klimawandel will. Aber sie sind in der Tasche der vorwiegend ausländischen Kohlebaron“. Das sagt Bob Brown, Chef der Grünen Partei. Die Grünen sind die einzigen Hoffnungsträger für tausende progressiv denkender Australierinnen und Australier; eine nicht zu unterschätzende Zahl. Die Unterstützung summiert sich. Die Partei könnte in beiden Häusern des Parlaments ihre Position ausbauen. Im Senat, der Vertretung der Bundesstaaten, könnten Grüne mit bis zu zehn Sitzen zum Zünglein an der Waage werden. Bisher sind sie dort mit drei Sitzen vertreten, zu wenig für wirklichen Einfluss. Sogar ein Sitz im Unterhaus scheint nun möglich.
Sie kommt nicht von links, sie kommt nicht von rechts, sie kommt von grüner Seite: Gillard und Abbott beginnen sie erst gerade zu spüren, die drohende Gefahr für ihre Jahrzehnte lange Dominanz in der australischen Politik. Während sich die beiden auf ihre Parolen konzentrierten, begannen die Grünen als einzige Partei echte Programme zu liefern. Konkrete Schritte gegen Klimawandel, erneuerbare Energien. Genau das, von dem die beiden Großparteien Abstand nahmen, nachdem letztes Jahr ein Klimagesetz im Parlament unter dem Druck der Kohleindustrie und am Widerstand Abbotts’ gescheitert war. Doch Gillard und Abbott haben die Rechnung ohne die Wähler gemacht. Am Samstag könnte die Quittung kommen.
84 und ein bisschen leise (II)
Aber was Castro, der Ältere, eigentlich für eine Funktion hat im Kuba des Sommers 2010, darüber gibt es noch keine Klarheit. » Weiterlesen
Theodorakis und die Krise
Mikis Theodorakis hat sich heute zur Krise seines Landes geäußert, wieder mal. In einem Brief, den die Zeitung “Ta Nea” abdruckt, fällt das Wort “Besatzung” » Weiterlesen

