Die Geschichte der Duvaliers in Haiti beginnt, wie so viele Geschichten von Machthabern begonnen haben. Mit einer Wahl, mit viel Zustimmung und noch mehr Hoffnung. Der Arzt Francois Duvalier – „ Papa Doc“ – wurde am 22. September 1957 mit überragender Mehrheit zum Präsidenten Haitis gewählt. Vorausgegangen waren Jahre des Chaos, von Umstürzen und poltischen Morden. Duvalier war ein schmächtiger und kleiner Mann mit einem bescheidenen und zurückhaltenden Auftreten. Niemand hätte damals gedacht, dass er sich zu einem veritablen Diktator aufschwingen würde. 1961 ließ er sich wiederwählen und 1964 auf Lebenszeit im Amt bestätigen. Schon damals mit groß angelegtem Betrug. Er regierte 14 Jahre lang bis zu seinem Tod 1971.
Legendär wurden seine Raffgier und seine Brutalität. Er schuf die allseits gefürchteten „Tonton Macoutes“, die eine Mischung aus Tot-Schlägertrupp und Geheimdienst war. Schätzungen zufolge erschossen, erschlugen oder zerstückelten sie in der Doppel-Diktatur der Duvaliers 60.000 Menschen.
Papa Doc presste seinem Volk alles ab und ließ am Ende seiner Amtszeit fast die gesamte Wirtschaft für sich arbeiten. So flossen die Gewinne der staatlichen Tabakgesellschaft direkt in seine Tasche. Später erhielt der Staat auch noch das Monopol auf Mehl, Zucker, Alkohol und den Import von Fahrzeugen. Als der klein gewachsene Größenwahnsinnige auch noch eine neue Hauptstadt – Duvalierville – errichten wollte, erfand der für sein Volk auch noch neue Abgaben, um das Egomanen-Projekt zu finanzieren. So zum Beispiel eine Steuer für Telefonanschlüsse in einem Telefonnetz, das praktisch nicht existierte. Das Eintreiben der Steuern übernahmen in gewohnter Zuverlässigkeit die Tonton Macoutes, das Geld selbst floss auf Konten unter anderem in der Schweiz.
Als Papa Doc erkrankte, baute er seinen damals 18 Jahre alten Sohn als Nachfolger auf. Jean-Claude war deutlich größer als sein Vater, kräftig und linkisch. Der Alte ließ noch schnell vor seinem Tod die Verfassung ändern und setzte das Mindestalter für den Präsidenten-Job von 40 auf 18 herab. In einem Operetten-Referendum sprachen sich dann noch rasch 2.391.916 Haitianer für Duvalier II. als Nachfolger von Duvalier I. aus. Gegenstimmen wurden im Übrigen keine abgegeben. So konnte Papa Doc am 21. April beruhigt sterben und Jean-Claude mit 19 Jahren Präsident werden. „Baby Doc“ war damals jüngster Staatschef der Welt.
Ende der siebziger Jahre drehte der Wind in den USA mit Präsident Jimmy. Baby Doc machte ein paar scheindemokratische Zugeständnisse an die Opposition und die Presse, um nicht die Entwicklungsgelder aus Washington zu gefährden. Aber schon mit Amtsantritt von Ronald Reagan, kehrte er wieder zu den Unterdrückungsmethoden seines Vaters zurück: Knebelung der Presse, Knast und Mord für Oppositionelle.
Doch die zeitweilige Lockerung der Repression hatte einen unumkehrbaren Prozess in Gang gebracht, der das Ende der Duvalier-Diktatur bedeuteten sollte. Als Papst Johannes Paul II. 1983 bei seinem Besuch in Haiti mit dem berühmten Satz „il faut que les choses changent“ („Veränderung ist nötig“) der Opposition und den Priestern der Befreiungstheologie neuen Wind gab, war das Ende von Baby Doc besiegelt. In der Folge kam es immer wieder zu Protesten und Demonstrationen, ausgelöst durch Hunger und Versorgungsengpässe. Als im November 1985 Polizisten und Tonton Macoutes Demonstranten töteten, kam es in ganz Haiti zu Protesten gegen die Regierung. Schließich senkte auch US-Präsident Reagan den Daumen über Duvalier. Was blieb war die schmachvolle Flucht auf prallen Geldkoffern.
Diese traurige haitianische Parabel wiederholte sich anschließend mit dem Armenpriester Jean-Bertrand Aristide. Er war 1991 auf einer bis dahin ungekannten Woge der Zustimmung ins Amt gewählt, aber in guter haitianischer Tradition kurz danach vom Militär gestürzt worden. Zwar hievten die USA ihn 1994 mit einer Invasionsarmee wieder ins Amt, aber spätestens nach seiner Wiederwahl 2000 trat er in die Fußstapfen seiner Vorgänger und wurde ein typisch haitianischer Präsident: Er unterdrückte seine Gegner und bediente sich in der Staatskasse. Am 29. Februar 2004 musste auch er ins Exil nach Südafrika fliehen.


