Slim, der Reichste der Superreichen II

Vor allem aber belegt die neue Liste, wie reich man als Unternehmer in einem Land mit 40 Millionen Armen werden kann, wenn staatliche Regulierungspolitik wirkungslos bleibt. Der Liebhaber dicker Zigarren und feiner Kunst verdankt seinen geschäftlichen Erfolg zwar in erster Linie seiner guten Nase, mit der er marode Firmen aufkaufte und sie anschließend zu rentablen Unternehmen machte. Aber er hat auch immer mit besten Kontakten in die Politik die Öffnung von Monopolen und die Zulassung ausländischer Konkurrenz auf seinen Hauptmärkten zu verhindern gewusst. In Mexiko besteht ein enges und kompliziertes Netz von persönlichen Beziehungen zwischen Politikern und der Wirtschaftselite, was dazu führt, dass die Regierenden oftmals nicht die öffentlichen Interessen und den Verbraucherschutz wahrnehmen, sondern die Interessen von Freunden und Verbündeten und in einigen Fällen sogar die ihrer eigenen Unternehmen verteidigen.

Der Sohn libanesischer Einwanderer mischt über ein weit verzweigtes Firmenimperium in fast allen Branchen Mexikos mit. Neben Telefon und Internet verfügt er über Anteile an Banken, Versicherungen, Investmenthäusern, Restaurants, Kaufhäusern, Minengesellschaften, Baufirmen und Autozulieferern. 210.000 Arbeitsplätze schafft der Milliardär in seinen Unternehmen. Und da sein Imperium fast die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung der Börse repräsentiert, muss Slim nur zuschauen, wie er täglich reicher wird. Die größte Aufmerksamkeit in der jüngsten Zeit erlangte er mit seinem Einstieg bei der „New York Times“. Slim erhöhte seine Beteiligung an dem Renommierblatt erst kürzlich auf 16,3 Prozent und ist damit nach der Eigentümerfamilie Ochs-Sulzberger größter Anteilseigner.

Slim, der medienscheu ist und lieber im Verborgenen an seinen Deals bastelt, erlangte 2007 erstmals größere internationale Aufmerksamkeit, als ihn „Forbes“ als Zweitreichsten der Welt einstufte. Während Bill Gates und Warren Buffett da längst Personen der Zeitgeschichte waren, kannten den schweigsamen Mexikaner nur Experte.

Dabei hat keiner der Superreichen in den vergangenen Jahren sein Vermögen so kräftig vermehren können wie Slim. 2002 kalkulierte „Forbes“ Slims persönliches Vermögen auf 11,5 Mrd. Dollar. Fünf Jahre später waren es dann schon 53,1 Mrd. 2008 hatte er dann bereits 60 Mrd. Dollar an Vermögen erreicht, bevor die Krise seinen Reichtum schmelzen ließ wie Schnee im Hochsommer. Der Mexikaner verlor in der Krise 35 Mrd. Dollar.

Dass in Slim eine Unternehmerseele schlummert, zeigte sich früh. Als fünftes von sechs Geschwistern verkaufte er an Wochenenden seinen älteren Brüdern Süßigkeiten. Und sein Vater, der 1902 aus dem Libanon nach Mexiko floh und mit Einzelhandel und Immobilien ein bescheidenes Vermögen erwirtschaftete, ließ seine Söhne schon als Kinder ein Sparbuch führen, das er jede Woche kontrollierte. Carlos war immer der Beste. Mit 15 besaß er ein Guthaben von 5523 Pesos und 44 Aktien der damals größten mexikanischen Bank Banamex und. Mit 17 war er dank geschickten Spekulierens mit seinen Aktien Dollar-Millionär.

Anders als die meisten Kinder der mexikanischen Oberschicht blieb Slim zum Studium im Lande. Er ließ sich zum Bauingenieur ausbilden und arbeitete anschließend einige Jahre als Aktienhändler, bevor er anfing, Unternehmen aufzukaufen. Der größte Deal gelang Slim 1990, als die mexikanische Regierung zahlreiche Staatsbetriebe privatisiert, darunter die Telefongesellschaft Telmex. Unabhängige Buchprüfer schätzten das Unternehmen, das im Festnetz des größten spanischsprachigen Landes Lateinamerikas über ein Monopol verfügt, auf einen Wert von zehn bis zwölf Mrd. Dollar. Slim erhielt an der Spitze eines Konsortiums für 1,8 Mrd. Dollar den Zuschlag und zahlt rund 80 US-Cent pro Aktie. Telmex ist noch heute ein Quasi-Monopolist in Mexiko mit entsprechenden Preisen. Nach Erhebungen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zahlen die Mexikaner im Schnitt 50 Prozent mehr als die Telefonkunden in anderen OECD-Staaten.

Auf Kritik an den hohen Preisen und seinem persönlichen Reichtum in einem armen Land, reagiert er mit sichtbarem Missfallen. Wie er sich denn so fühle als Multimilliardär, während 50 Mio. Mexikaner nur zwei Dollar am Tag hätten, fragte ihn ein Journalist vor ein paar Jahren, als Slim einmal der versammelten ausländischen Presse Mexikos Rede und Antwort stand. „Wenn ich sterbe, nehme ich nichts davon mit“, fiel er dem Fragenden ins Wort.

Karamanlis auf Tauchstation

Auch manche Anhänger der konservativen Nea Dimokratia fragen sich, warum Ex-Premier Kostas Karamanlis seit  seiner Wahlniederlage vom Oktober 2009 so tief auf Tauchstation ist.

Eine Erklärung ist natürlich: seine politische Lebensleistung ist, höflich gesagt,  nicht besonders beeindruckend. Nachdem sein Onkel Konstantin Karmanlis Griechenland 1974 nach dem Sturz der Obristendiktatur zur Demokratie zurückführte und sechs Jahre später die Aufnahme seines Landes in die damalige EWG schaffte, geht der Neffe als jener Premierminister in die neugriechische Geschichte ein, der sein Land an den Abgrund des Staatsbankrotts brachte.

Nach und nach kommen immer neue Details über die hemmungslose Ausbeutung des Staates und der Steuerzahler unter der Regierung Karamanlis ans Licht – wie dieses:

2004 kam die Athener Parlamentsverwaltung  mit 710 Beschäftigten aus. Die Zahl der Abgeordneten (300) hat sich seither nicht geändert. Unter Karamanlis aber wuchs die Zahl der Parlamentsdiener auf zuletzt 1.514.

Man wird unterstellen dürfen, dass es sich bei den Neuzugängen in erster Linie um treue Parteigänger der Konservativen handelte.

Einen besonders schlechten Beigeschmack bekommt diese Personalpolitik, wenn man bedenkt, dass die griechischen Parlamentsbediensteten pro Jahr 16 Monatsgehälter beziehen.

Die Parlamentsverwaltung ist kein Einzelfall. Karamanlis habe in seinen fünfeinhalb Regierungsjahren rund 80.000 Beschäftigte neu in den ohnehin aufgeblähten Staatasdienst geschleust und rund 200 staatliche Behörden neu geschaffen – oder soll man sagen: erfunden? -, um zusätzliche Arbeitsplätze in der Verwaltung zu schaffen, sagt Giannis Stournaras, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts IOBE.

Kein Wunder also, dass Karamanlis auf Tauchstation ist.

Slim, der Reichste der Superreichen I

Wäre Carlos Slim Sportler, dann hätte man wohl von einem Foto-Finish gesprochen. Im Rennen um die inoffizielle Krone des reichsten Menschen des Planeten hat der mexikanische Telefon-König seinem ewigen Widersacher Bill Gates gerade mal 500 Mio. Dollar voraus. So haben es jedenfalls die Rechenmeister des US-Wirtschaftsmagazins „Forbes“ ermittelt und führen Slim erstmals als den Reichsten der Superreichen. Demnach beläuft sich sein Vermögen auf 53,5 Mrd. Dollar und das des Microsoft-Gründers auf glatte 53 Milliarden. Slim konnte sein Vermögen vergangenes Jahr dabei um 18,5 Mrd. Dollar mehren.

Nun sind Slim und Gates keine Sportler, sondern Unternehmer und professionelle Geldscheffler. Und in diesem Umfeld sind die 500 000 000 Dollar Unterschied wohl die sprichwörtlichen „Peanuts“. Schließlich bewegen sich beide in Sphären, in denen der Zuwachs an Vermögen in Stunden oder Tagen ausgedrückt  wird, damit die Zahlen handlich bleiben. So vermehrte sich vergangenes Jahr also der Reichtum von Señor Slim um 2,11 Mio. Dollar pro Stunde, während Mister Gates nur um 1,48 Mio. pro Stunde zulegen konnte.

Slim, der kürzlich 70 Jahre alt wurde, ist seit 1994 der erste Milliardär an der Spitze der Liste, der nicht aus den USA kommt. Damals galt der japanische Unternehmer Yoshiaki Tsutsumi als Reichster der Reichen. Seither teilten sich Gates und der Investor Warren Buffet die Spitzenplätze. Slim ist auch der erste Unternehmer an der Spitze der Liste, der aus einem Schwellenland kommt. „Wir haben ihn schon eine ganze Weile beobachtet und uns gefragt, wann er ganz nach oben vorrücken würde“, sagte Luisa Kroll, leitende Redakteurin bei „Forbes“.

Dass es jetzt passierte, hat vor allem mit América Móvil zu tun, seinem Unternehmen für Mobiltelefonie, mit dem er in Lateinamerika Marktführer ist. Der Wert der Aktien konnte im vergangenen Jahr um 56 Prozent zulegen. Auch Slims Festnetzunternehmen Telmex ist ein Goldesel. Auf dem Heimatmarkt telefonieren acht von zehn Mexikanern über seine Leitungen. Mit den Gewinnen kaufte er Festnetzanbieter in der ganzen Region. „Das gute Management von América Móvil ist der Hauptgrund für seinen Reichtum“, glaubt José Miguel Garaicochea von der Santander-Bank. „Und wenn er außerhalb von Mexiko investiert, macht er das immer sehr gut“.

Der Wechsel an der Spitze der Forbes-Liste 2010 zeigt möglicherweise, dass sich die Unternehmen in Schwellenländern rascher von der Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise erholen als die in den großen Industrienationen.

Die Stillen Reichen Italiens

Silvio Berlusconi ist der reichste Mann Italiens ? Weit gefehlt !

Wie bei den deutschen Albrecht-Brüdern sind auch in Italien sind die Reichsten die Stillsten im Lande. Auf Platz 1 steht Michele Ferrero, der Patron des gleichnamigen Nutella-Hersteller. Er hat laut Forbes-Liste ein vermögen von 17 Milliarden Dollar. Auf Platz 2 folgt mit immerhin 10,5 Milliarden Dollar Leonardo Del Vecchio der verschwiegene Gründer des weltgrößten Brillenherstellers Luxottica und des immobilien-Riesens Beni Stabili.  Und dann erst folgt Silvio Berlusconi – mit nur neun Milliarden Dollar.

Das Überraschungsei ist eines der bekanntesten Produkte von Ferrero. Quelle: dpa

Foto: dpa

» Weiterlesen

Schicht im Pantheon

“So, es ist jetzt sechs Uhr. Das Pantheon macht zu. Bitte gehen Sie alle zum Ausgang !”

» Weiterlesen

Sidney Crosbys Hockeyschläger

Ich habe mir am Wochenende noch einmal alle Fotos genau angesehen, die ich vor einer Woche nach dem Siegtor von Sidney Crosby beim Goldmedaillenspiel im Eishockey Kanada gegen die USA machte. Leider musste ich danach feststellen, dass auch meine Fotos nicht zur Klärung des Rätsels beitragen werden: Wer hat den Hockeyschläger, mit dem Crosby am Schlusstag der Olympischen Winterspiele von Vancouver das goldene Tor für Kanada schoss? Er ist spurlos verschwunden. Bereits seit einer Woche versucht der kanadische Hockeyverband, das wertvolle Sportutensil zu finden. Hockey Canada und die Polizei von Vancouver sichten alle Videoaufnahmen vom dramatischen Ende des Finales gegen die USA und dem darauffolgenden Chaos auf dem Eis. Vergeblich! Es gibt keinen Hinweis darauf, wer den Hockeyschläger entwendet haben könnte. » Weiterlesen

Die Menschenwürde im Test

Wie weit darf die Forschung am Menschen gehen? Ist es verantwortbar, Medikamente an Kindern oder an Demenzkranken zu erproben? Über diese Fragen im Spannungsfeld von Ethik und Freiheit der Wissenschaften streitet die Schweiz – ein Land mit großen Pharmafirmen wie Novartis und renommierten Forschungseinrichtungen wie an der Universität Zürich. Am Sonntag hat das Volk das letzte Wort; dann entscheiden die Eidgenossen über einen neuen Verfassungsartikel: Darin erhält die Regierung den Auftrag, ein einheitliches Gesetz über die „Forschung am Menschen“ für das ganze Land zu formulieren. „Die heutigen Regeln sind zu wenig einheitlich und lückenhaft“, erklärt Peter Suter, Präsident der Akademien der Wissenschaften. Bislang haben nur einzelne Kantone Regelungen. » Weiterlesen

Kanadas Patriotismus-Show

Nun sind also auch diese Olympischen Spiele Vergangenheit. Mit einer Galashow endeten in Vancouver die 21. Winterspiele. Sie spiegelte Freude, Siege, Patriotismus und Tragödien wider, die diese Veranstaltung prägten. Kanada nutzte diese Gelegenheit nochmals, sich der Welt zu präsentieren, brachte seine Mythen in die Arena und machte sich über sich selbst lustig. Als die Flamme erlosch und mit einem Feuerwerk die offiziellen Feiern beendet wurden, gingen die Menschen auf die Straße, um bis weit in die Nacht diese denkwürdigen Winterspiele zu feiern, die das Land verändert haben. » Weiterlesen

Narco-Terror jetzt auch auf Twitter und Facebook

Die Nachrichten verbreiten sich schnell wie Lauffeuer: „Schwere Schießerei an zwei Grenzübergängen in Nuevo Laredo“, twitterte es Ende der Woche in Mexikos Norden. „23 Tote auf dem Hauptplatz von Reynosa, fast alles Zivilisten“, hieß es in Facebook. Es sind diese magischen Worte, die immer die gleiche Reaktionskette auslösen: Bäcker, Schuhmacher und Krämer lassen die metallenen Jalousien ihrer Geschäfte herunter, Lehrer schicken ihre Schüler heim. Näherinnen und Schweißer lassen Hals über Kopf ihre Maschinen in den Lohnveredelungsbetrieben im Stich. Die Straßen sind verwaist. » Weiterlesen

Sag mir wie Du trennst …

„Bitteschön“, sagte die Damen im Einwohnermeldeamt meines Stadtteils Setagaya-ku mit einem Lächeln, und drückte mir das Informationsmaterial in die Hand. Heute zweifele ich manchmal daran, dass sie es wirklich freundlich meinte.

Angekommen in Japan wartet auf Ausländer erst einmal die Registrierung. Also stapfte ich aufs Amt, wurde nett bedient und öffnete, zuhause angekommen, erwartungsfroh den Papierbogen. Und während er sich zu einem klein- und beiderseitig bedruckten DinA3-Bogen entblätterte, sagte meine Frau schon: „Müll ist Männersache.“ Heute weiß ich, dass Frauen viel schneller antizipieren können als Männer. » Weiterlesen