» 11. Mai 2012, 11:19 Uhr

Wahlkampf aus den Augen meines Kindes

Kinder sind klein, aber ihre Macht ist groß. Konsumforscher wissen das schon länger: Eltern kaufen nicht selten, was Kinderherzen wünschen. Wenn das so ist, dann ist der Wahlkampf der CDU bislang ein Desaster und ein weiterer Wahlerfolg der Piraten fast schon ausgemachte Sache.

Kinder sind ungerecht, ehrlich und wissen ziemlich genau, was sie wollen, und was nicht.

Und den orangefarbenen Luftballon-Säbel der Piraten, den wollen sie. Und wie. In der Fußgängerzone können die Piraten oft gar nicht schnell genug Luftballons aufpumpen und zu Säbeln umformen, wie es Kinderhände gibt. Meine Tochter im Grunschulalter will einen, das kleinere Söhnchen sowieso. Was gibt es auch schöneres, als mitten in einer vollen Fußgängerzone mit einem riesigen orangenen Säbel herumzufuchteln – ganz besonders dann, wenn alle anderen Kids das auch so machen.

Im Vergleich dazu sind die Wahlgeschenke der anderen Parteien ungleich uncooler. Da wäre zum Beispiel die SPD. Ein Rot-weißes Plastik-Windrad bekommen die Kinder von den Genossen in die Hand gedrückt. Ja, ganz nett, dreht sich – kann man sich aber nicht in den Mund stecken, ist auch nicht lang genug, um das Schwesterchen zu ärgern. Mitgenommen und weggesteckt.

Die Grünen setzen auch auf Windkraft, aber eher in Form von mit Helium gefüllten grasgrünen Luftballons. Die heben ab und bleiben dank Bändchen am Arm trotzdem unten. Daumen hoch, Tochter glücklich, Söhnchen glücklich.

Tja, und dann kommt die CDU. Piratensäbel, Windrat und Luftballon flattern munter dahin als eine wackere Christdemokratin an ihrem Wahlstand den Kindern einen Kugelschreiber entgegenstreckt. Kinder sind höfliche Menschen: “Dankeschön, aber einen Kuli hab ich schon. Außerdem hab ich schon den Säbel.” Fröhlich wedelt die Tochter mit dem Piratenballon.

Papi ist glücklich, Mami auch – nur die CDU nicht.

» 11. Mai 2012, 11:19 Uhr