» 26. März 2012, 10:35 Uhr

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Die Gretchen-Frage im NRW-Wahlkampf

Der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen ist noch keine 14 Tage alt, da beschäftigt die Parteien bereits ein Thema, das alle anderen überlagert: Die eigene Niederlage. Die Gretchen-Frage in Düsseldorf lautet inzwischen: „Wie hältst Du es mit der Opposition?“

Zunächst suchte CDU-Herausforderer Norbert Röttgen eine überzeugende Antwort auf diese Frage – und fand sie nicht. Zwar will sich der Bundesumweltminister voll in den Dienst seiner Partei stellen, zu einem klaren Bekenntnis, auch als Oppositionsführer nach Düsseldorf zu wechseln, konnte er sich aber nicht durchringen. Die Parteistrategen von SPD und Grünen rieben sich genüsslich die Hände, der Wahlkampf-Auftakt der CDU war vermurkst.

Doch Röttgen sollte nicht der einzige bleiben, der über die Oppositionsfrage stolperte. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft machte keine gute Figur, als sie im Fernseh-Talk bei Markus Lanz über eine mögliche Niederlage philosophierte und dabei ausschloss, in diesem Fall im Düsseldorfer Landtags zu bleiben. Über ein Ministeramt in Berlin hingegen ließe sich dann reden.

Man hätte gerne die Gesichter ihrer Wahlmampfmanager gesehen, als Kraft vor einem Millionenpublikum ins Schleudern geriet. Denn das Interview wurde ausgerechnet am Vorabend des Tages ausgestrahlt, an dem die Sozialdemokarten ihr neues Wahlplakat präsentieren wollten. Darauf zu sehen sind eine lächelnde Hannelore Kraft und der Spruch „NRW im Herzen.“ Um den Kampagnenstart zu retten, verschickte die SPD-Zentrale hastig eine Pressemitteilung, in der Kraft ihre Äußerungen aus der Sendung geraderückt („Ich halte mir keinen Sessel warm“). Doch da war es schon zu spät.

Für die Anhänger Union bieten die unbedachten Äußerungen eine Steilvorlage. „NRW im Herzen, aber Berlin im Kopf“, betitelte der Youtube-Nutzer „Sozenliebhaber“ süffisant den Videoclip, in dem der missglückte TV-Auftritt der Landesmutter zu sehen ist.

Als letzter äußerte sich am Wochenende FDP-Hoffnungsträger Christian Lindner zu seinen Plänen für den Fall der Wahlniederlage. Anders als Kraft und Röttgen bekannte sich Lindner ohne Einschränkungen zu NRW, und will auch im Falle einer Wahlniederlage Oppositionsarbeit machen.

Die Außerparlamentarische Opposition könnte in NRW ein ungeahntes Comeback feiern.

» 26. März 2012, 10:35 Uhr