» 20. März 2012, 14:19 Uhr

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In der Falle

Der Bundesumweltminister hat sich verkalkuliert. Nun bleibt Norbert Röttgen nur noch der Ausweg, sich prinzipientreu zu geben, sogar stur. Genau das wird ihm sein Amt kosten.

Er hatte keine Chance. Dass er sie dennoch ergriff, war ein böser Fehler. Das Ende der rot-grünen Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen beförderte den Bundesumweltminister, CDU-Landesvorsitzenden und heimlichen Aspiranten für das Bundeskanzleramt geradewegs ins Abseits.

Das Ministerpräsidentenamt in Nordrhein-Westfalen kann die CDU nicht gewinnen. Denn dafür müssten die Konservativen entweder stärker als die SPD werden und hoffen dass es für rot-grün nicht reicht, oder sie müssten die widerspenstigen NRW-Grünen für ein schwarz-grünes Projekt gewinnen. Für beide Voraussetzungen sieht es schlecht aus – und die FDP fällt als Mehrheitsbeschaffer aus. Das Beste, was sich Röttgen derzeit ausmalen kann: Juniorpartner in einer Großen Koalition unter Hannelore Kraft.

Man könnte sich fragen, was Röttgen geritten hat, als er sich trotz dieser unvorteilhaften Ausgangslage selbst und am Landesvorstand der CDU vorbei zum Spitzenkandidaten der CDU ausrief und gleichzeitig das Rückfahrticket nach Berlin behalten wollte. Er hätte sich mit voller Kraft in das Abenteuer NRW werfen müssen – auch auf die Gefahr hin, dass er dabei mit fliegenden Fahnen untergeht und am Ende auf der harten Düsseldorfer Koalitionsbank Platz nehmen muss. So aber hat sich der Minister in einer Zwickmühle manövriert, aus der er nicht mehr hinauskommt.

Das weiß Röttgen, den man in Berlin hämisch „Muttis Klügsten“ nennt, inzwischen selbst. Doch da es jetzt für ein klares Bekenntnis für NRW zu spät ist, schaltet der Minister auf stur: Interne Debatten, das machte er bei der sehr kurzen Vorstandssitzung am Montagabend klar, werde er nicht mehr dulden. Jetzt werde gekämpft.

Schon jetzt ist absehbar, wie der Kampf ausgeht. Das räumt auch Röttgen am Dienstag in Düsseldorf indirekt ein: Am Wahlabend werde allein das Interesse der CDU zählen, der Landes-CDU wohlgemerkt. Das Amt des Bundesumweltministers ist er damit los.

Allerdings ist die politische Karriere des 46-Jährigen damit nicht beendet. Mit einer Ehrenrunde im Düsseldorfer Landtag kann er seine Prinzipienfestigkeit und Parteiloyalität beweisen – und sich schon nach der Bundestagswahl im Herbst 2013 für ein neues Amt empfehlen.

Sollte er am 13. Mai aber glauben, nach einer heldenhaften Niederlage ins Umweltministerium zurückkehren zu können, dann ist ihm nicht mehr zu helfen.

» 20. März 2012, 14:19 Uhr