Artikel mit dem Tag: Brasilien

Politischer Blackout

Eine kleine LED-Taschenleselampe bekam ich gerade als Präsent dazu, als ich ein Buch kaufte. Ein witziger Hinweis auf die zunehmenden Stromausfälle in Brasilien. Neben den ganz großen Blackouts, die seit drei Jahren begonnen haben, gibt es inzwischen immer wieder regional begrenzte lokale Stromausfälle. Doch der Grund dafür sind keine Hacker, Blitze oder Kurzschlüsse in Umspannstationen, wie die Regierungen gerne öffentlich vermuten. » Weiterlesen

Neuer Wind in Brasiliens Justiz

„Hätte mir eine Wahrsagerin vor zehn Jahren gesagt, was heute in der brasilianischen Politik geschieht – ich hätte sie ausgelacht und wäre ohne zu bezahlen weggegangen“, schreibt der angesehene Kulturjournalist Nelson Motta heute.

Er meint damit vor allem: Wie überraschend hart die brasilianische Justiz diese Tage gegen korrupte Politiker urteilt.  » Weiterlesen

Marken-Flip-Flops für 120 Euro

In den nächsten Tagen will BMW offiziell verkünden, dass sie in Brasilien eine eigene Fabrik bauen wollen. Der Grund, warum die Münchner nach langem Zögern doch nach Brasilien kommen, sind einerseits die hohen Zollsätze auf importierte Autos und andererseits die Strafzölle auf alle diejenigen Autobauer, die nicht in Brasilien produzieren. Die doppelte Besteuerung führt dazu, dass importierte Autos im gehobenen Segment schnell dreimal so viel kosten wie in ihren Heimatländern.

Die Wochenzeitschrift Veja, das Flaggschiff der traditionellen Mittelschicht in Brasilien, hat nun ausgerechnet, dass ein importierter Jeep Grand Cherokee in Brasilien dreimal so viel kostet wie in den USA. Etwa 70.000 Euro statt rund 23.000 Euro. Das wäre – rechnet Veja aus – so, als koste ein brasilianischer Flip-Flop in den USA umgerechnet 120 Euro.

Doch auch die in Brasilien hergestellten PKW sind noch doppelt so teuer wie in den Ursprungsländern. Das liegt an den hohen Kosten der Produktion in Brasilien – aber auch an den gesunden Margen der Fabrikanten: Die sind dreimal so hoch wie in den USA, hat Morgan Stanley gerade errechnet. Noch ein Grund, warum BMW lieber in Brasilien produzieren möchte.

Brasilien boomt – und hungert nach André Rieu

Zehn Jahre steigende Einkommen, die historisch niedrigste Arbeitslosigkeit, ein starker Real – und die Schlangen für die Kulturveranstaltungen werden immer länger in São Paulo: Für die Impressionismus-Ausstellung des Kulturinstituts des Banco do Brasil standen jetzt die Besucher durchschnittlich vier Stunden an.

Und das nach Mitternacht, mitten im Zentrum São Paulos, wo die Mittelschicht der Stadt sonst nach Anbruch  der Dunkelheit keinen Fuß hinsetzt. Wegen des Andrangs hatte das Kulturinstitut eine Nacht des Museums veranstaltet.

Weitere Nächte sollen jetzt folgen, wegen der großen Nachfrage. Im Museum der Modernen Kunst war letzte Woche eine Caravaggio-Ausstellung zu sehen. Am Dienstag war kostenloser Einlass: Die Schlange reichte zwei Straßenblocks auf der Bankenmeile Avenida Paulista entlang. Kinos, Freizeitparks, Shopping-Center, Theater – alles sind sie hoffnungslos überfüllt in Brasilien. Das traditionell auf die kleine Mittelschicht beschränkte Kulturangebot kann die Nachfrage nach Unterhaltung der neuen aufsteigenden Mittelschichten nicht mehr decken.

Davon profitiert inzwischen vor allem der internationale Kulturzirkus: Angesagt oder abgehalftert, von Jazz bis Walzer – jeder Showstar findet derzeit sein Publikum. Einen Rekord hält der holländische Walzergeiger André Rieu: Er wird dieses Jahr vermutlich 30 Mal in São Paulo auftreten mit seinem umfangreichen Orchester. Jede seiner Veranstaltungswochen mit jeweils 8000 Zuschauern war bisher ausverkauft. Tickets gab es für umgerechnet 60 bis 1000 Euro. Rieu hat jetzt für September eine neue Auftrittswoche geplant.

Was Reiche mögen

Welche Konsumwünsche haben Reiche? Niemand weiß es. Denn die ganz Reichen lassen sich nicht mal einfach zu ihren Vorleiben befragen, auf der Straße oder am Telefon wie die Mittelschicht. Auch in den Clubs, Restaurants und Diskos sind Interviews kaum möglich. Das stört die Luxusartikelhersteller.

Vor allem in einem Land wie Brasilien, wo es so viele Superreiche gibt. Das brasilianische Marktforschungsinstitut Qualibest hat jetzt einen Trick gefunden, wie die Reichen ganz offen und freizügig von ihrem Konsumwünschen erzählen: Das Institut wählte drei soziale Stiftungen von gut vernetzten Socialites, also Millionärsgattinnen aus. Deren Freundinnen sendete das Institut über das geschlossene virtuelle Netzwerk Le Clé Fragebögen zu. Wer den beantwortet zurückschickte, in dessen Namen spendete Le Clé dem jeweiligen Institute automatisch eine kleine Summe.

Für eine „gute Sache“, um ihren Freundinnen bei deren Instituten zu unterstützen, öffnen sich São Paulos Reiche nun den Marktforschern. “Warum sind wir vorher nicht darauf gekommen?”, wird die Eigentümerin von Qualibest zitiert.

 

Brasiliens Agrarlobby greift an

Die brasilianischen Farmer sind es leid, permanent am Pranger zu stehen. Vor allem in Europa gelingt es den interessierten Lobbys immer wieder, die brasilianischen Landwirte als verantwortungslos darzustellen: Weil sie den Amazonas abbrennen würden. Weil sie nicht die minimalsten Umweltvorschriften beachten würden. Weil sie Arbeiter wie Sklaven behandeln würden – und deswegen der Welt so billig Rind- und Hühnerfleisch, Soja, Kaffee und Orangensaft anbieten könnten. Während die europäischen Bauern wegen der hohen Umweltauflagen kaum in der Lage seien, mitzuhalten bei diesem unlauteren Wettbewerb.

Jetzt will Kátia Abreu, die streitlustige Senatorin und oberste brasilianische Farmerlobbyistin den Spieß umdrehen. Die nächsten zwei Monate werden Techniker des Verbandes simulieren, was es den europäischen Farmern kosten würde, wenn die strenge brasilianische Umweltgesetzgebung für die Landwirtschaft in Europa angewandt würde. Vor allem entlang der fünf größten europäischen Flüsse wie Rhein, Donau, Themse, Seine und Douro will der Verband ausrechnen, was es den Bauern an Einkommensverlusten bringen würde, wenn sie entlang der Flussläufe ihre Felder begrenzen müssten wie in Brasilien. Dort müssen die Farmer mit dem neuen Waldgesetz auf jeder Seite bis zu 100 Meter Agrarfläche ungenutzt lassen. Auch Kleinbauern müssen 15 Meter ihrer Felder für Umweltflächen opfern. „Die europäischen Bauern, die uns am meisten Umweltsünden vorwerfen, vergessen gerne, dass sie selbst schon alle Wälder abgeholzt haben“, erklärt Abreu. Die durchsetzungsfähige Senatorin will zudem vor internationalen Foren wie dem Internationalen Wasserforum und der UN eine Initiative starten, dass die strengen brasilianischen Wasserschutzregeln in der Landwirtschaft weltweit gelten sollen. „Es besteht doch unter Farmern gar kein Zweifel mehr, dass das der Umwelt nützlich ist“, erklärte Abreu ironisch.

Sie vergaß hinzuzufügen, dass die brasilianischen Umweltgesetze auf dem Papier zwar streng und in Teilen sogar fortschrittlich sind – ihre Anwendung, Einhaltung und die Abstrafung für schwarze Schafe durch Justiz und Umweltbehörden jedoch nur rudimentär funktionieren – bisher jedenfalls.

Mexiko nimmt Brasilien Investoren weg

Mexikos kleine Börse macht nach einer Untersuchung der Investmentberater von EPFR Global der großen Börse im brasilianischen Sao Paulo Konkurrenz. In diesen turbulenten Zeiten würden die Investoren wegen der Nähe zum US-Markt lieber auf die mexikanischen Option und den IPC-Index setzen, schreiben die Experten. Der Bovespa-Index in Sao Paulo ist zwar drei Mal höher kapitalisiert als die Börse in Mexiko. Das Land sei aber dabei, den Abstand zu reduzieren. Allen in der vergangenen Woche hat die brasilianische Börse zehn Mal mehr Kapital verloren als die mexikanische. » Weiterlesen

Lateinamerika bleibt attraktiv für Investoren

Lateinamerika bleibt trotz drohender Verstaatlichungen multinationaler Unternehmen in einigen Ländern ein attraktives Ziel für Auslandsinvestitionen (FDI). Davon ist die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (CEPAL) überzeugt. „Es gibt in Lateinamerika keine allgemeine Neigung zu Enteignungen“, sagte CEPAL-Generalsekretärin Alicia Bárcena der spanischen Tageszeitung „El País“. Was in Argentinien mit der Verstaatlichung des spanischen Energiekonzerns passiert sei, stelle einen Sonderfall dar und diene nicht als Blaupause für die Region. „Die Auslandsinvestitionen im Allgemeinen werden nicht betroffen sein“. » Weiterlesen

Brasilianisch-Amerikanische Freundschaft?

Embraer und Boeing wollen künftig eng kooperieren, haben die beiden Flugzeugbauer gerade verkündet. Ob sie jetzt zusammen ein größeres Regionalflugzeug bauen werden oder einen kleineren Jumbo – die Entscheidung werden sie angesichts der gewaltigen Risiken bestimmt nicht so schnell fällen. » Weiterlesen