US-Medien: Indischer Autohersteller Tata Motors baut Fabrik in Mexiko

Der indische Automobilhersteller Tata Motors will nach einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNBC eine Fabrik in Mexiko bauen und dort fünf seiner günstigen Modelle herstellen. Der auf Wirtschaftsnachrichten spezialisierte Sender zitierte am Mittwoch ungenannte Quellen aus dem Unternehmen. Demnach will Tata 100 Millionen Dollar investieren und sucht für das Projekt mexikanische Partner, um eine Zulieferer-Kette aufbauen zu können. Tata plane, in Mexiko seine Modelle Vista, Indica, Manza, Aria und Nano zusammenzusetzen. Das indische Unternehmen wäre der zehnte Hersteller, der eine Produktion in dem zweitgrößten Land Lateinamerikas eröffnet. Dieses Jahr hatte bereits die deutsche VW-Tochter Audi angekündigt, in Mexiko ab 2016 den Geländewagen Q5 bauen zu wollen. Mexiko gilt inzwischen als einer der attraktivsten Standorte für Autobauer weltweit. » Weiterlesen

Gemetzel zwischen Polizei und Mafia in Brasiliens Wirtschaftszentrum

Das BRIC-Land Brasilien preist gerne seine größte Stadt São Paulo als eines der künftigen Weltwirtschaftszentren. Die Metropole mit ihren 20 Millionen Einwohnern im Einzugsgebiet sieht sich gerne als Teil des modernen, dynamischen, reichen Brasiliens. Das mag alles stimmen. Doch derzeit findet dort ein blutiges Gemetzel zwischen Polizei und organisierter Kriminalität statt, das mich zweifeln lässt, ob São Paulo wirklich als Weltstadt der Zukunft bezeichnet werden kann. 69 Polizeibeamte wurden in diesem Jahr ermordet. Die meisten von ihnen auf dem Nachhauseweg oder in zivil.

In der Presse wird nicht mehr von Morden, sondern von Hinrichtungen gesprochen, wegen der kaltblütigen und systematischen Planung der Morde. Der Grund für das Gemetzel: Anscheinend gilt die Abmachung zwischen der São Paulo dominierenden Knast-Mafia PCC („Primeiro Comando da Capital) und der Polizei, sich gegenseitig in Ruhe zu lassen, nicht mehr. Der Deal war: Die PCC darf in der Peripherie der Großstadt die Basen für ihre Geschäfte wie den Drogenhandel, Banküberfälle oder LKW-Entführungen unterhalten – und sorgt dafür im Gegenzug dort für Sicherheit und Friedhofsruhe. Was die Bevölkerung durchaus zu schätzen weiß, weil die Zahl der „normalen“ Überfälle, Diebstähle oder Vergewaltigungen in der Peripherie stark abgenommen hat. Mit diesem Agreement konnte auch die Zahl der Morde in São Paulo über die letzten zehn Jahre gedrittelt werden auf etwa 11 Delikte auf 100.000 Einwohner. Doch dann verlegte die Polizei einige ranghöhere PCC-
Mitglieder in entferntere Knäste im Landesinnern. Korrupte Polizisten sollen versucht haben, selbst Teile der illegalen Aktivitäten zu kontrollieren. Im jetzigen Wahlkampf für die Präfektur lebt die Stadt in einem politischen Vakuum, in dem Abmachungen nicht mehr gelten und neue Aufsteiger versuchen, ihren Platz an der Sonne zu erobern. Die Auseinandersetzungen gleichen einem Krieg – inmitten einer Stadt, die so tut, als gehe sie das alles nichts an. Die Polizeistationen sind verbarrikadiert wie Forts im Wilden Westen. Die Wachen sind teilweise verwaist, weil sich kein Beamter dort mehr traut, Anzeigen aufzunehmen. Polizisten auf Patrouille haben ihre Waffen immer schussbereit in der Hand und die Zahl der Erschießungen bei ihren Aktionen ist ebenfalls rasant angestiegen.

Zu hoffen ist, dass der Spuk Anfang nächsten Jahres vorbei ist: Dann treten die neu gewählten Bürgermeister in der Hauptstadt und den Bezirken sowie die Stadtabgeordneten an – und der Kuchen wird neu verteilt. Bis sich das alles in vier Jahren wiederholt.

Ich denke, dass die zwei Realitäten dieses Landes – der natürliche Überfluss, die wirtschaftliche und kulturelle Dynamik auf der einen Seite und die Gewalt und der zivilisatorische Mangel auf der anderen – es für uns so schwer machen, Brasilien ernst zu nehmen. Und zu akzeptieren, dass trotz dieser Widersprüche Brasilien eine aufsteigende Weltmacht ist.

Drogenkrieg erreicht die Vororte der mexikanischen Hauptstadt

Mexikos Präsident Felipe Calderón lässt auf der Zielgeraden seiner Präsidentschaft nochmal die Muskeln spielen. Nach dem Mord an einem Politiker und Gerüchten über bevorstehende Zusammenstöße zwischen Drogenbanden sandte der Präsident die Armee mit gepanzerten Fahrzeugen in einen Vorort von Mexiko-Stadt. An dem Einsatz in Nezahualcóyotl, einer Stadt mit 1,1 Millionen Einwohnern östlich der Hauptstadt, seien rund 700 Soldaten und Bundespolizisten beteiligt, teilte die Behörde für öffentliche Sicherheit des Bundesstaates México Ende der Woche mit. Die Militärs sollten auf unbestimmte Zeit in etwa 45 Vierteln der Stadt patrouillieren. » Weiterlesen

Jetzt holen sie sogar Mao raus

Neue Demos gegen Japan in Peking. Nachdem das nationalistische Fieber gestern etwas zurückgegangen war, gingen die Proteste heute mit neuem Schwung los – Schuld war ein historischer Jahrestag.

Die Demonstranten ziehen zwischen Absperrungen vor der japanischen Botschaft entlang und rufen “Schlagt! Schlagt! Schlagt die mickrigen Japaner!” Hintergrund ist ein Besitzstreit um eine Gruppe von Felseninseln im Meer zwischen den Ländern.

Pekings Sushi-Wirte haben Angst vor Nationalisten

Ein wütender Mob zieht vor der japanischen Botschaft in Peking auf.

Ein wütender Mob zieht vor der japanischen Botschaft in Peking auf.

Es sind vermutlich die schlimmsten antijapanischen Proteste seit Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und Japan im Jahr 1972. Ich wohne in Peking in der Nähe der japanischen Botschaft, und ich muss sagen: Den Ausbruch von Nationalismus finde ich erschreckend.

Es ist das Jahr 2012, und junge, ganz normal aussehende Leute ziehen vor der Botschaft eines Nachbarlands auf, eines wichtigen Wirtschaftspartners, und skandieren Hasssprüche. “Ihr mickrigen Japaner, verzieht Euch aus China”, ruft einer.

Schlimmer noch: Für übermorgen, Dienstag, sind noch viel größere Demos angekündigt.  » Weiterlesen

OECD: Schlechte Noten für Mexikos Bildungssystem

Mexikos Bildungssystem steht im OECD-Vergleich nicht besonders gut da. Das an sich ist keine Neuigkeit. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kritisiert jetzt aber zusätzlich, dass zu viel Geld für die Lehrer und zu wenig für die Schüler ausgegeben wird. Zwar stecke Mexiko mehr Geld in die Schulbildung als der Durchschnitt der Staaten der OECD, aber bei den Schülern komme zu wenig davon an. Neun von zehn Peso fließen in Gehälter, der ganz überwiegende Teil davon in die von Lehrern. » Weiterlesen

In China kocht der Hass auf Japan hoch

Demo gegen den Inselverkauf vor der japanischen Botschaft in Peking

Demo gegen den Inselverkauf vor der japanischen Botschaft in Peking

Wenn es ein Thermometer gäbe, das den aktuellen Stand der chinesischen Abneigung gegen Japan anzeigt, dann würde es in den letzten Tagen über 60 Grad gestiegen sein – also schon ziemlich heißt. (Dabei unterstelle ich, dass 100 Grad bedeutet, dass die Armeen beider Länder aufeinander schießen.)

Vor der japanischen Botschaft in Peking skandierten heute den ganzen aufgebrachte Demonstranten antijapanische Parolen. Sie reckten dabei die Fäuster und warfen manchmal leere Flaschen über den Zaun.

Als ich das Treiben beobachtete, wurde ich das Gefühl nicht los, dass der Protest vielleicht doch staatlich organisiert sein könnte. Auf jeden Fall aber ist er geduldet.  » Weiterlesen

Premier Wen verteidigt sein Erbe

Chinas Premier Wen Jiabao bei "Sommer-Davos" in Tianjin: "Wir haben richtig gehandelt!"

Chinas Premier Wen Jiabao bei “Sommer-Davos” in Tianjin: “Wir haben richtig gehandelt!”

Das Gegrummel war zuletzt immer lauter geworden. “Die Regierung hat 2009 maßlos übertrieben” , sagte mir neulich ein einflussreicher chinesischer Ökonom, der in einer staatlichen Denkfabrik arbeitet. Gemeint war das Konjunkturprogramm zum Ausgleich der Weltkrise – es hat zu Blasen und einer Überhitzung der Wirtschaft geführt.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in China (“Sommer-Davos”) verteidigt der scheidende Premier Wen Jiabao nun sein Erbe. ”Einige Leute kritisieren unser Konjunkturpaket und sagen: der Preis war zu hoch”, sagte Wen vor wenigen Minuten in Tianjin. “Aber ich stelle klar, dass wir nur so Fabrikschließungen und Arbeitslosigkeit verhindern konnten.”  » Weiterlesen

Neuer Wind in Brasiliens Justiz

„Hätte mir eine Wahrsagerin vor zehn Jahren gesagt, was heute in der brasilianischen Politik geschieht – ich hätte sie ausgelacht und wäre ohne zu bezahlen weggegangen“, schreibt der angesehene Kulturjournalist Nelson Motta heute.

Er meint damit vor allem: Wie überraschend hart die brasilianische Justiz diese Tage gegen korrupte Politiker urteilt.  » Weiterlesen

War Chinas Vizepremier in einen Autounfall verwickelt?

Nächtlicher Verkehr in Peking

Nächtlicher Verkehr in Peking

In Peking und in unabhängigen chinesischen Auslandsmedien verbreitet sich das Gerücht, dass der künftige chinesische Staatschef Xi Jinping schon seit sechs Tagen nach einem Autounfall im Krankenhaus liegen soll.

Falls das stimmt, wäre das ein schwerer Schlag für die regierenden Kommunisten. Vizepräsident Xi soll im kommenden März die Führung des Landes übernehmen. Er ist der Hoffnungsträger der Partei für weitere Reformen, aber auch für den eigenen Machterhalt.

Die Version von dem Unfall würde auch erklären, waum Xi die US-Außenministerin versetzt hat» Weiterlesen