» 07. Februar 2013, 21:05 Uhr

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Wochenmagazin präsentiert Video von entführten Deutschen

„Das sind die beiden von der ELN entführten Deutschen“ – so überschrieb das kolumbianische Wochenmagazin „Semana“ am Donnerstag auf seiner Internetseite ein Video, auf dem die beiden deutschen Rentner zu sehen sein sollen, die sich in Hand der Linksguerilla Nationales Befreiungsheer (ELN) befinden. Der fünfeinhalb Minuten lange Film zeigt zwei fitte ältere Herren so um die 70 Jahre, die hinter ihrem grünen Toyota-Geländewagen in einer etwas unwirtlichen Gegend auf Klappstühlen picknicken und sich mit Kolumbianern unterhalten. Wer das Video gemacht hat und wann genau es entstanden ist, wird nicht klar. „Semana“, eines der seriösesten Medien Kolumbiens, schreibt, das Video sei wenige Wochen vor der Entführung entstanden.

Die beiden Männer stellen sich als „Uwe und Günther“ vor und sagen, sie stammten aus München. Sie befanden sich demnach seit über einem Jahr auf Weltreise. Von Europa seien sie mit ihrem Auto über Asien und Australien nach Chile gereist. Von dort seien sie Richtung Norden durch Argentinien, Bolivien, Peru und Ecuador gefahren. In Kolumbien waren sie demnach seit Mitte Oktober unterwegs. Nun aber sind sie seit einigen Wochen in Händen der ELN, wie das Auswärtige Amt am Dienstag bestätigte. Die kleine marxistische Guerilla hatte tags zuvor auf ihrer Internetseite bekanntgegeben, dass sie in der ländlichen Region Catatumbo in der Provinz Norte de Santander an der Grenze zu Venezuela zwei Deutsche in ihre Gewalt gebracht habe.

Die ELN, die kleinere der beiden kolumbianischen Linksguerillas, behauptet, die beiden Deutschen seien „Agenten“. Sie hätten bisher nicht erklären können, was sie in der Region zu tun hatten, heißt es in der Erklärung der ELN weiter. Angeblich würde niemand die beiden Geiseln vermissen. Bereits Mitte Januar hatte die ELN einen Kanadier, zwei Peruaner und zwei Kolumbianer entführt, die für ein Bergbauunternehmen im Departement Bolívar arbeiten. Die Rebellen erklärten, sie verteidigten dadurch die „Ressourcen Kolumbiens.“

Kolumbiens Staatschef Juan Manuel forderte die unverzügliche Freilassung der zwei Ausländer. Der angebliche Spionage-Vorwurf gegen die Deutschen sei absurd. „Das ist nur eine Ausrede, die niemand mit klarem Verstand akzeptiert”, erklärte Santos. Der Präsident bot an, mithilfe des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) die Deutschen aus der Hand der ELN zu befreien. Einen Militäreinsatz schloss Santos zunächst aus, um das Leben der beiden Männer nicht zu gefährden.

Auf dem Video und den Fotos sind zwei gut gelaunte Männer zu sehen, die von ihrer langen Reise um die Welt berichten. „Semana“ schreibt in dem Artikel, sie hätten das Video und die Fotos bereits im vergangenen Jahr erhalten, als die beiden Deutschen durch die Provinz Cundinamarca, in der Nähe der Hauptstadt Bogotá, reisten.

Das „Ejército de Liberación Nacional“ (ELN) wurde 1965 von Studenten, katholischen Radikalen und linken Intellektuellen gegründet. Ihr Vorbild waren die kubanischen Revolutionäre um Fidel Castro. Ähnlich wie die größere Rebellenorganisation FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) schrieben sie sich eine Agrarreform auf die Fahnen und forderten das Ende der Ausbeutung der Kleinbauern. Zudem verlangt die ELN die gerechtere Verteilung der nationalen Ressourcen des Landes – sie griff daher oft ausländische Erdölgesellschaften an, sprengte Pipelines in die Luft und forderte die Verstaatlichung kolumbianischer Ölfelder.

Die Rebellenorganisation, die rund 2500 Männer, Frauen und Kinder unter Waffen hat, fordert ein Angebot des Staates für Friedensgespräche. Es wird davon ausgegangen, dass die Entführung der beiden Deutschen im Zusammenhang damit steht. Die ELN wolle so auf sich aufmerksam machen, sagen politische Beobachter. Derzeit verhandelt die kolumbianische Regierung mit den Rebellen der FARC auf Kuba, um einen umfassenden Frieden mit dieser Rebellengruppe zu erreichen.

» 07. Februar 2013, 21:05 Uhr