Die chinesische Zentralbank hat den Referenzkurs für den Yuan so niedrig festgelegt hat wie seit neun Monaten nicht mehr. Begibt sich China in ein gefährliches Abwertungsrennen, um weiterhin superbillige Produkte in den Weltmarkt drücken zu können?
Die kleine Abwertung kommt nicht überraschend. Zahlen vom Freitag haben gezeigt, dass Chinas Exportwachstum fast völlig zusammengebrochen ist. Grund sind die Eurokrise und die US-Schwäche. Auch in einem freien Devisenmarkt würde das den Kurs belasten.
Doch die Entwicklung gibt auch Anlass zur Sorge. Denn Volkswirtschaften weltweit versuchen derzeit, sich einen Vorteil zu verschaffen, indem sie ihre Währung verbilligen.
Aus deutscher Sicht gibt es jedoch keinen Grund zur Empörung. Denn unsere Währung ist mit am stärksten unterbewertet. Das Misstrauen gegenüber Italien und Spanien lastet schwer auf dem Euro. Das macht deutsche Produkte weltweit so billig, dass sie die einheimische Konkurrenz stark unter Druck setzen.
Der Billiganbieter Deutschland killt im Ausland Arbeitsplätze.
Auf der anderen Seite des Atlantiks sieht es natürlich nicht besser aus. Die Amerikaner werfen Billionen neuer Dollar auf den Markt, weil sie bei dem Abwertungsrennen nicht hinten an stehen wollen.
Nach persönlicher Anschauung im Alltag würde ich schon lange nicht mehr sagen, dass der Yuan zu billig wäre – vor allem in den Großstädten. Eine Mahlzeit in einem schönen Restaurant kostet gut und gern 20 Euro. Das kriege ich in Berlin billiger.
Meiner Ansicht spricht die chinesische Regierung zu Recht davon, dass ein fairer Kurs erreicht sei. Schließlich hat der Yuan seit einer Teilfreigabe im Jahr 2005 um ein Drittel aufgewertet. Es gibt zudem so etwas wie den “richtigen” Kurs nicht. (Und wenn, dann versagen die Märkte immer wieder darin, ihn zu finden. In meiner Zeit in Japan habe ich lächerliche Unterbewertungen und krasse Überbewertungen des Yen erlebt.)
Derzeit berichten verschiedene Medien über eine bevorstehende, sensationelle und wirtschaftpolitisch infame Abwertung der chinesischen Währung, die angeblich bevorstehe.
Der Ton der Berichte legt nahe, das die wirtschaftspolitischen Bösewichte in Peking damit eine neue Teufelei vorhaben, um uns armen Europäern und Amerikanern mal wieder zu schaden.
Tatsächlich wehrt sich China in einem internationalen Abwertungsrennen dagegen, aus der Konkurrenz gedrängt zu werden. Denn das große Projekt dort lautet: Die Massen aus der Armut zu heben.
Angefangen haben aber den Teufelskreis aber die Europäische Zentralbank und die Fereral Reserve. Dort sitzen die wirklichen wirtschaftspolitischen Bösewichte, die mit unserem Geld spielen.













4 Kommentare zu “China wertet seine Währung ab”
Ich die Aussagen mit dem Euro nicht ganz nachvollziehen. Selbst als der Kurs zum USD bei 1,60 stand, boomte der deutsche Absatz und wir waren immer noch Exportweltmeister. Gute Produkte verkaufen sich halt und eine Strukturkrise wie in den USA laesst sich weder mit Waehrungskriegen noch mit Nullzinspolitik noch mit Gelddrucken bekaempfen – wie ja auch aufgezeigt wurde und wird.
Und hinsichtlich Yuan-Kurs. Neben China gibt es genug andere Billigproduzenten wie Indien sowie andere Laender in Asien. Afrika entwickelt sich vielleicht auch eines Tages als ernsterer Konkurrent fuer westliche Produkte. Auch darf man nicht vergessen, dass man in China durch die Entwicklung dort einen gigantischen Markt auch fuer unsere Produkte aufgebaut hat. Letztlich wird dann wohl der Bessere und nicht einfach der nur Billigere gewinnen, wobei besser und billig sich nicht ausschliessen.
Hallo Stubi,
völlig richtig, Deutschland war in guten Zeiten auch zu ungünstigeren Wechselkursen konkurrenzfähig. Doch die US-Nachfrage ist seit 2008 stark zurückgegangen – und dennoch exportiert Deutschland sehr viel. Dabei hilft die relative Unterbewertung der von Deutschland verwendeten Währung.
Die Kollegen von der BBC haben die Frage nach den Ursachen deutscher Wettbewerbsfähigkeit vor wenigen Tagen noch einmal von der Außensicht her aufgedröselt: http://www.bbc.co.uk/news/business-18868704 .
Ich stimme auch völlig zu, dass sich nur gute Produkte langfristig verkaufen und die großen Volkswirtschaften (die USA, die Eurozone, aber auch China) vor allem ihre strukturellen Probleme lösen müssen. Deshalb finde ich es so traurig und skandalös, dass derzeit das Gelddrucken als Allheilmittel im Vordergrund steht.
Einmal die EZB angeklickt und den Wechselkurs des €uro seit 2008 gegenüber dem Yuan oder US$ betrachtet da sieht man das der € 30% zu China und 20% zum Dollar verloren hat.
Hier in Asien sind, nicht nur, deutsche Autos der Renner denn 30% Nachlass ist nicht wenig. Anderen €urostaten konnten nicht in dem Maße Profitieren.
Wenn nun Staaten wie China gegen diesen Währungsverfall des € vorgehen, wie entwickeln sich dann die Exporte der “€uro-Prolem-Staaten”?
Wie zahlen die mit kaputtgesparten BiP und dramitsch schrumpfenden Exporten Ihre Schulden?
Genau. Eine leichte Abwertung des Yuan ist derzeit völlig gerechtfertigt, zumal in diesen Tagen eher Geld aus China abfließt.
Wir Deutschen sollten dabei nicht vergessen, dass unser Exporterfolg auf eine unterbewertete Währung zurückgeht. Auch die Japaner und Chinesen hatten es leicht, unter solchen Umständen zu ihren jeweiligen Zeiten Exportweltmeister zu werden.
(Gute Produkte sind natürlich eine Voraussetzung. Die hat nicht jeder. Wir reden jetzt jedoch vom Wettbewerb unter den Staaten, die gut sind in der Herstellung von Wertarbeit.)