
Apple-Store in Peking: Marke "iPad" in Gefahr
Die taiwanesisch-chinesische Firma Proview hatte auf Milliarden spekuliert und jetzt nur 60 Millionen Dollar von Apple bekommen. Das Unternehmen hatte zuvor darauf gepocht, die Rechte an der Marke “iPad” für den riesigen chinesischen Markt zu besitzen. Dem zuständigen Gericht in Guangdong zufolge haben die Streithähne sich nun gütlich geeinigt.
Proview Technology hatte die Marke iPad bereits im Jahr 2001 eingetragen, neun Jahre, bevor Steve Jobs das iPad unter diesem Namen vorgestellt hat. Der Bildschirmhersteller hatte nach eigenen Angaben in der Zwischenzeit sogar einen Prototyp für einen flachen Internetcomputer mit diesem Markennamen entwickelt.
Im Jahr 2009 dann sprach dann ein unbekanntes Kleinunternehmen namens IPAD das chinesische Unternehmen an und hat ihm die Marke abgekauft. Proview wollte nicht geizig sein und hat lediglich 55 000 Dollar für das vermeintlich wertlose Kunstwort verlangt.
Proview wusste zu dieser Zeit noch nicht, dass sich hinter IPAD der Technik-Gigant Apple verbarg. Dieser wollte durch Verwendung der Tarnfirma das Geheimnis seines neues Produkts wahren. Apple machte nun auch einen echten Fehler: Die Mittelsmänner haben das Geschäft mit der taiwanesischen Tochter des Hongkonger Unternehmens abgeschlossen.
Das hat Proview im vergangenen Jahr die Möglichkeit gegeben, zu sagen: Die festlandchinesische Niederlassung wusste nichts von dem Geschäft und hat deshalb die Rechte für den chinesischen Markt nie abgegeben. Die Anwälte von Apple führen deshalb Kopien von E-Mails ins Feld, in denen der Proview-Gründer dem Verkauf angeblich von der Zentrale aus zugestimmt hat.
Doch auf die Richter auf dem Festland macht ein Abschluss nach taiwanesischem Recht generell wenig Eindruck. Im Gegenteil, der Inselstaat gilt ihnen als abtrünnige Provinz mit dem falschen politischen System.

Apple-Store in Shanghai: wichtigster Markt des Kultkonzerns
Aufgrund der schwachen Position von Proview hat das Unternehmen nun wohl den Spatz in der Hand genommen. Die Taube auf dem Dach wäre eine Milliardenzahlung gewesen. Proview hätte sie dringend gebrauchen können. Der PC-Hersteller ist nämlich längst pleite und versucht verzweifelt, seine Gläubiger zu bedienen.
Der Fall Apple gegen Proview hat gezeigt: Westliche Unternehmen müssen die Rechtslage um Markeneintragungen in China bitter ernst nehmen. Im Zweifelsfall bekommt die Firma recht, die den Namen zuerst beim Markenamt hat eintragen lassen.
4 Kommentare zu “Nur ein Taschengeld für den Apple-Erpresser”
Max, ja, ich denke auch, hier wird sich einiges tun. Schon jetzt steigt die Professionalität stark an. Deshalb sind Firmen wie Apple (und andere, wie wir hier berichten: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/gerichtsverhandlung-apple-kaempft-in-china-um-die-marke-ipad/6267908.html) auch erstaunt, dass sie plötzlich in China ganz genau auf Markenrechte achten müssen.
Apple ist derzeit ein dermaß großes (und vor allem reiches) Ziel, dass es mich wundert, dass nicht noch mehr Leute versuchen, Profit herauszuschlagen.
Finn
Ja, der chinesische Markt erscheint für zahlreiche Firmen – zurecht – als sehr attraktiv! Doch die politischen und wirtschaftlichen Umstände, der Zwang zum joint venture usw, wird von vielen nicht bedacht. Ich denke, hier wird sich auch in der VR in den nächsten 5-10 Jahren noch einiges tun!
Naja, einen Versuch war’s zumindest wert ;D
Also das ist doch unerhört, hier von Erpressung zu sprechen! Das ist eine strafrechtlich relevante Verunglimpfung von Proview! Hat der Autor überhaupt eine Ahnung, was seriösen Journalismus ausmacht oder handelt es sich um einen dieser Apple-Fanboys die zu keiner objektiven Beurteilung mehr fähig sind? Ich dachte immer, beim Handelsblatt arbeiten Leute, die zumindest eine Vorstellung von solchen Dingen haben und einen völlig legitimen Rechtstreit um Markenrechte von Erpressung unterscheiden können. Sonst müsste man Apple ja auch der Erpressung gegen Samsung und so vieler anderer Firmen bezichtigen! MVH