» 11. Juni 2012, 08:18 Uhr

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Malaysia: mit „WWW1“ in die Zukunft

Malaysia ist ein Land, das in den europäischen Medien kaum vorkommt. Vor kurzem aber vertrieben sogar angesehene Blätter die Meldung, das Oberhaupt des malaysischen Sultanats Johor habe das begehrteste Nummernschild der Nation ersteigert: „WWW1“. Stolze 520 000 Malaysische Ringgit (129 319 Euro) legte Sultan Ibrahim Ismail für das Stück Pressblech auf den Tisch. Er sei, so eine Meldung, ein Internet liebender Autofanatiker, mit einem ganzen Arsenal von Ferraris und BMWs in der Garage. Die malaysische Automobilbehörde, Wächterin über die Nummernschilder der Nation, rechnet mit weiteren Millionen Ringgit, die dem Staat in die Kasse fließen werden, wenn betuchte Autofahrer um WWW 2, WWW 3 und WWW 4 buhlen.

Hinter dieser Regenbogenpresse-Meldung versteckt sich eine ernsthafte Geschichte. Wenn es nach der malaysischen Regierung geht, sollen in Zukunft alle Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit haben, sich Extravaganzen leisten zu können. Nicht in so absurdem Ausmaß wie der Sultan von Johor vielleicht, aber immerhin. Malaysia wolle, so Premierminister Abdul Razak, bis 2020 zur Ersten Welt gehören, eine Industrienation sein. Und jeder solle davon profitieren können. „Wir sind auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen“, so der Regierungschef in Kuala Lumpur.

Malaysia hat eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu erzählen: die Transformation eines Agrarstaates zu einem Schwellenland, das an der Schwelle zur Industrienation steht. Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien 1957 lebte Malaysia in erster Linie vom Export von Gummi und anderen Rohprodukten. Armut war endemisch. Vor allem unter Premierminister Mahathir Mohammad begann eine dramatische Veränderung. Er holte Investoren ins Land, stärkte den Mittelstand. Heute ist Malaysia ein wichtiger Techno-Produktionsstandort, für unzählige Firmen aus der ganzen Welt, mehrere hundert davon aus Deutschland. Die Wandlung war und ist allerdings begleitet von der Beschneidung politischer Rechte, von Günstlingswirtschaft und von blankem Rassismus – der wirtschaftlichen Bevorteilung ethnischer Malaien. Kein Wunder also, dass im Vorfeld der Wahlen die Rufe nach mehr Demokratie lauter werden, nach größerer politischer Transparenz.

Malaysia arbeitet jetzt erneut daran, seine Wirtschaft zu modernisieren und auf eine breitere Basis zu stellen. Denn wegen wachsender Konkurrenz anderen südostasiatischen Staaten verliert es als Billiglohnland an Bedeutung. Die Abwanderung von Investoren droht. Seit der Einführung des so genannten Economic Transformation Programs (ETP) im Oktober 2010 sucht die Regierung weltweit nach neuen, zukunftsweisenden Industrien, die dann nach Malaysia gelockt werden. Oben auf der Liste der Wunschindustrien stehen Entwickler und Hersteller nachhaltiger Produkte, etwa in der alternativen Energieherstellung und im Umweltschutz. Eine wichtige Rolle bei diesen Plänen spielen von der Regierung definierte „Schlüsselwirtschaftsregionen“, und in diesen riesige Industriegebiete. Dort können sich ausländische Firmen mit relativ geringem Aufwand und mit Hilfe finanzieller und logistischer Unterstützung der Regierung ansiedeln. Eine solche Anlage ist das Industriegebiet Kulim in der Nähe der nordmalaysischen Stadt Penang. Eine weitere High-Tech-Industriestadt ist an der Ostküste in Kuantan geplant.

So attraktiv diese gigantischen Anlagen auch sind: es wirkt für manche Beobachter befremdend, dass dafür Palmölplantagen flach gewalzt werden. Sicher will niemand kritisieren, dass sich Malaysia in Richtung wertvermehrender Hochtechnologie-Industrien entwickeln möchte, und auch Palmöl hat seine Berechtigung. Das Problem ist aber, dass stattdessen an anderen Orten weiter Regenwald zerstört wird, um neue Palmölplantagen anzulegen – entweder in Malaysia selbst oder in Drittländern, durch malaysische Unternehmen. Malaysias weltweit dominierende Position bei der Herstellung von Palmöl, die leider allzu oft die Vernichtung einzigartiger Ökosysteme mit sich bringt, belastet die Glaubwürdigkeit Malaysias als modernem Land, das seine Zukunft in der Industrie der Nachhaltigkeit sieht.

» 11. Juni 2012, 08:18 Uhr

    Ein Kommentar zu “Malaysia: mit „WWW1“ in die Zukunft”


  1. Johann Graber sagt:

    Zu der Absicht Malaysias eine Industrienation zu werden passen auch die Kooperation der beiden bedeutendsten technischen Universitäten Malaysias, Fachkräfte am Campus der Eckert Schulen in Regenstauf über sechs Monate hinweg weiter zu bilden (http://www.inar.de/fachkraftemangel-in-malaysia/). Schön wenn solche Projekte helfen, ein Schwellenland zu einer Industrienation zu verwandeln.

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